Votum für Mittelschulbau im zweiten Grünring

18.11.2020 / 08:42
Vielen Stadtratsmitgliedern fiel die Entscheidung nicht leicht

Von Grün umgeben: Die Mittelschule Nord-Ost soll bis 2024 auf der rund zwei Hektar großen Ackerfläche gebaut werden, die in der Bildmitte zu sehen ist: Rechts liegt Oberhaunstadt. (Autor: Schalles)

(ty) Der Verdruss über die zu treffende Entscheidung inspirierte einige Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses und dessen Vorsitzenden Christian Scharpf zu drei der tristesten Redensarten, die das Deutsche zu bieten hat: "Das Kind ist in den Brunnen gefallen", stellte der Oberbürgermeister zum Fall Mittelschule Nord-Ost fest.

Sein SPD-Parteifreund Manfred Schuhmann lieferte die Erkenntnis, "dass es keinen Sinn hat, über verschüttete Milch zu weinen". Er sieht gleich mehrere "saure Äpfel", in die man beißen müsse, und schloss mit einem metaphorisch wie anatomisch interessanten Bild: "Ich werde mit drei geballten Fäusten zustimmen! " So schwer falle ihm die Entscheidung. Und nicht nur Schuhmann. Der Ausschuss hatte am Dienstag das heikle Thema neue Mittelschule in Oberhaunstadt auf dem Tisch. Das dringend benötigte Gebäude für 600 Schüler in 30 Klassen soll auf einer landwirtschaftlichen Fläche südlich des Augrabens entstehen, die die Stadt für diesen Zweck gekauft hat. Dass der Bauplatz im ökologisch wertvollen zweiten Grünring um Ingolstadt liegt, ist SPD und Grünen seinerzeit nicht aufgefallen. Sie haben dem Grunderwerb zugestimmt, was sie sich bis heute vorwerfen; hier findet man eine Lache mit verschütteter Milch, an die Schuhmann erinnerte.

Später zeichnete sich ein Ausweg ab: 2018 hat die Düsseldorfer Gerch Gruppe die früheren Firmengelände von Rieter und Bäumler im Nordosten, südlich von Oberhaunstadt, den Unternehmen abgekauft; die Stadt Ingolstadt war nicht im Spiel. Die Stadtverwaltung prüfte ausführlich, ob man die Schule auf dem Rieter- oder dem Bäumler-Gelände errichten könne. Sie kam zu dem Ergebnis: Es geht nicht. Aus mehreren Gründen. Ausgeschlossen. Bleibt also nur das Grundstück im Grünring.

Um die komplexe Entwicklung der Ingolstädter Schullandschaft nicht zu gefährden, mussten die Grünringschützer dem "Bebauungsplan Mittelschule Nord-Ost - südlich Augraben" wohl oder übel zustimmen. Doch nicht jeder brachte das übers Herz: Bei den Grünen stimmte Jochen Semle dagegen und Barbara Leininger dafür. Bei der SPD sagte Manfred Schuhmann (wie erwähnt mit drei geballten Fäusten) ja zur Schule im Grünring und sein Genosse Quirin Witty nein. Weitere Gegenstimmen gab es nicht. Zuvor hatten Witty und Semle erklärt: "Wir senden das völlig falsche Signal, wenn wir hier einstimmig zustimmen. "

OB Christian Scharpf (SPD) hat im Juli mit Naturschützern in Oberhaunstadt gegen den Standort im Grünring demonstriert. In der Sitzung am Dienstag erzählte er davon: "Ich habe denen damals gesagt: Ich habe größte Sympathie für euer Vorhaben, aber ich kann nicht versprechen, dass die Schule dort nicht gebaut wird. " Denn für den Standort auf dem Rieter-Areal müsste man dem neuen Eigentümer, der Gerch Group, "einen saftigen zweistelligen Millionenbetrag zahlen". Später wurde Scharpf konkret: "Zwischen 10 und 20 Millionen Euro - und das können wir uns bei der derzeitigen Haushaltslage schlicht nicht leisten, auch wenn ich mit dem Standort der Schule nicht glücklich bin. " Der OB bedauert es, "dass die Stadt das Rieter- und Bäumler-Gelände damals nicht gekauft hat, denn dann hätten wir alle Möglichkeiten gehabt". Doch inzwischen "ist das Kind in den Brunnen gefallen". Finanzreferent Franz Fleckinger bestätigte auf Nachfrage: Die Stadt habe kein Kaufangebot erhalten und auch kein Vorkaufsrecht besessen.

Sie sei "gegen den Standort, aber für die Schule, weil es keine Alternative gibt", bekannte Barbara Leininger. "Wir kommen da nicht raus. Ich kann es nicht verantworten, gegen die Schule zu stimmen. Als Politiker müssen wir alle Interessen berücksichtigen. " Gleichwohl gelte es, im Grünring Flächen festzulegen, "die unantastbar sind".

Hans Achhammer (CSU) bekräftigte: "Wir müssen diese Schule bauen. " Der Standort am Augraben habe den Vorteil, dass man sich wegen der Nähe zum TSV Oberhaunstadt einen Sportplatz sparen könne und nur eine Zweifachsporthalle errichten müsse, keine dreifache. Die Freien Wähler sind da anderer Ansicht, wie Klaus Böttcher darlegte: Die Wege der Schüler zum Verein und zurück gingen zu Lasten der Unterrichtszeit.

Auch Kulturreferent Gabriel Engert sieht viele Vorteile des Areals am Augraben. Er begrüßt die Initiative der Grünen, wenn schon, dann ein ökologisch vorbildliches Schulhaus im zweiten Grünring zu errichten.

Christian Pauling (Die Linke) sieht den Acker im Grüngürtel, der bebaut werden soll, positiv: "Wir sparen so bis zu 20 Millionen Euro. Wenn nur ein kleiner Teil davon dort in die Bepflanzung fließt, ist das ein großer Gewinn für die Ökologie. "

Christian Silvester
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