Filmreifer Protest im Bulldog-Kino

29.06.2020 / 09:01
Bauern protestieren mit einer außergewöhnlichen Idee gegen das Höfe-Sterben
Bulldog-Kino
Bulldog-Kino (Autor: Hauser)

(ty) Es dürfte die längste Warteschlange gewesen sein, die sich in der Region jemals am Zugang zu einer Filmvorführung gebildet hat. Zeitweise war die Warteschlange am Samstag auf dem Feldweg entlang der B13 einen knappen Kilometer lang. Gut, dass die Zuschauer im Sitzen warten konnten, waren sie doch alle im Traktor angereist. Dass jemand mit einem Bulldog ins Kino fährt, dürfte das ein oder andere Mal vorkommen, dass er aber auch während des Films nicht aussteigt, ist eher ungewöhnlich.

Besonders sind auch die Umstände, die Anton Maier und Michael Muhr vom Verein Land schafft Verbindung (LSV) bewogen hatten, zum ersten Bulldog-Kino nach Eitensheim zu laden. Freilich war ihr Anliegen weniger, ihren Berufskollegen einen netten Filmabend zu bescheren. Die Zusammenkunft war eine Demonstration. Die Initiatoren wollten auf das Höfe-Sterben aufmerksam machen und entschieden sich für einen Film mit passendem Titel: "Wer früher stirbt, ist länger tot."

Die Gründe für die prekäre Situation vieler Landwirte sind vielschichtig. Maier berichtete vor dem Start des Films aus der Praxis und kritisierte unter anderem die Politik, die mit ihren Entscheidungen, Vorgaben und Gesetzen immer wieder völlig an dieser Praxis vorbei agiere. Als Beispiel nannte er die Vorgaben für das Tierwohl. "Viele Landwirte haben in den vergangenen Jahren investiert, um den Vorgaben gerecht zu werden", sagte er. "Die Kriterien wurden kurz darauf verschärft und auf einmal sind selbst Ställe, die gerade noch das Tierwohl-Label bekommen haben, nicht mehr zulässig." Dadurch gehe Planungssicherheit verloren. Dazu müssten die heimischen Bauern mit ihren Produkten gegen Konkurrenten aus der ganzen Welt bestehen, die nicht nach den hiesigen Kriterien arbeiten. "In Argentinien oder Russland wird wahrscheinlich unter Bedingungen produziert, dagegen ist der Tönnies ein Waisenknabe." Am Beispiel des in die Kritik geratenen Fleischproduzenten könne man die Fehlentwicklung gut erkennen. "Wir hatten einmal eine wirklich gut funktionierende Schlacht-Infrastruktur", erklärte Maier.

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