Der Wolf geht um und sorgt für Gesprächsstoff

10.06.2021 / 12:12
Wildschweine im Kreis Eichstätt suchen Schutz in immer größeren Gruppen, um dem Raubtier zu trotzen
Wolf
Wolf (Autor: Pexels)

Von Horst Richter

Der Wolf geht um im Kreis Eichstätt und sorgt für viel Gesprächsstoff, mitunter auch für diverse Ängste. Doch nicht nur der Mensch macht sich Gedanken, was das Zusammenleben mit dem einst ausgerotteten Wiederkehrer bringen mag. Offenbar sorgt dessen Erscheinen ebenso für "Aufregung" in der Tierwelt, wie örtliche Jäger berichten. Die Wildschweine rund um die Kreisstadt haben auf den Wolf reagiert und ihre Lebensweise angepasst - bis hin zur zeitweisen Abwanderung aus einigen Revieren. Die Verhaltensmuster entsprechen denen in anderen Bundesländern, wo der Wolf plötzlich wieder aufgetaucht ist.

Der Breitenfurter Jäger Roland Grimm hatte vor ziemlich genau einem Jahr ein Bild von einem Wolf auf seiner Wildkamera entdeckt. Die Aufnahme war in seinem rund 1000 Hektar großen Revier bei Dollnstein südlich der Bahnlinie von Ingolstadt nach Treuchtlingen im sogenannten Saupark entstanden. Der Saupark ist ein großflächiges Waldgebiet zwischen Wasserzell im Osten, Konstein im Westen und Breitenfurt im Norden. Grimm hatte bis dahin regelmäßig Wildschweine gesichtet, darunter kleine Rotten mit zwei, drei Bachen und ihren Frischlingen. 

"Ab Juli waren sie aber vollkommen weg. Ich habe dann das ganze restliche Jahr und auch über den Winter keine mehr bei mir im Revier gesehen", berichtet der Breitenfurter. Erst vor etwa vier Wochen kehrten die Schwarzkittel zurück. Aber sie benehmen sich jetzt anders und bleiben in weit größeren Gruppen zusammen. Grimm hat zuletzt acht Bachen mit etwa 28 Frischlingen gezählt. Die Alten bilden dabei eine Art Schutzring um den Nachwuchs, um die Kleinen zu schützen - vermutlich eine Reaktion auf das Auftauchen des Wolfes. "Wir haben hier ja keinerlei Erfahrungen, was das betrifft. Aber in anderen Bundesländern, wo der Wolf schon länger wieder heimisch ist, gibt es sehr ähnliche Verhaltensweisen", hat Grimm gehört.

Das bestätigt der Eichstätter Jäger Walter Wiedmann. Während einer Fortbildung an der bayerischen Landesjagdschule Wunsiedel war er mit einem Waidmann aus Mecklenburg-Vorpommern ins Gespräch gekommen. "Er hat mir erzählt, dass es dort sogar Rotten mit 40 bis 120 Wildschweinen gibt, die sich zusammentun, um sich vor dem Wolf zu schützen."

Ähnlich scheint es sich nun im Landkreis Eichstätt zu entwickeln. Der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägervereins Eichstätt, Franz Loderer, kennt dieses Phänomen. "Wir gehen inzwischen davon aus, dass es mehr als einen Wolf bei uns gibt", sagt er. Immer wieder würden Rehe in der Gegend gerissen, vor drei Wochen sogar im Gabelholz bei Ingolstadt und erst vor zehn Tagen in Ammerfeld bei Rennertshofen im Kreis Neuburg. "Und am vergangenen Wochenende haben Spaziergängerinnen einen Wolf am Frauenberg beim Eichstätter Flugplatz gesichtet."

Wenn die Wildschweine sich nun in auffallend größeren Rotten zusammentun, ist das ein bekanntes Muster. Allein in einem Tauberfelder Revier sollen sich derzeit bis zu 100 Schwarzkittel herumtreiben, eine ungewöhnlich hohe Zahl. "Eine Sau allein ist dem Wolf ausgeliefert, in der Gruppe sieht es dagegen andersherum aus", erklärt Loderer dieses Verhalten. Das Ganze bringt nach seinen Worten jedoch zwei Probleme mit sich: "Wenn derart große Gruppen erst einmal über die Felder ziehen, können sie enorme Flurschäden hinterlassen. Da reicht eine Nacht. Wir stehen deshalb in Kontakt mit den Landwirten." Bisher hielten sich die Schadensmeldungen aber noch in Grenzen.

Großflächig umgewühlte Felder ließen sich verhindern, wenn die Zahl der Tiere reduziert würde. Normalerweise erlegen die Jäger im Kreis Eichstätt bis zu 3500 Wildschweine pro Jahr. Steht das Borstenvieh aber in großen Gruppen, lässt es sich nicht so leicht schießen, um nicht neben dem getöteten Tier andere zu verletzen, wenn Projektile streuen. "Die Herausforderung für uns Jäger ist gewaltig. Da kann man nur regelmäßig auf die Pirsch gehen oder jede Nacht ansitzen und auf einzeln stehende Tiere hoffen, um sie waidgerecht zu erlegen", sagt der Jägervereinsvorsitzende. "Das mit dem Wolf ist eine schwierige Thematik und wird uns weiter verfolgen."

 

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