Audi: Positive Resonanz auf das Vorruhestandsprogramm

11.07.2020 / 07:23
(ty) Noch warten viele Audi-Beschäftigte darauf, mit der langsam Einzug haltenden Normalität wieder an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren, die sie in der Corona-Krise für Home-Office oder wegen Kurzarbeit verlassen mussten.
Presswerk
Presswerk (Autor: AUDI AG)

Mehr als 1300 Audianer in Ingolstadt und Neckarsulm haben sich diese Entscheidung selbst abgenommen: Sie kommen nicht mehr zurück und sind stattdessen freiwillig zum 1. Juli in den Vorruhestand eingetreten. So sah es das Programm vor, das der Autobauer mit der Arbeitnehmervertretung als Teil des Pakets "Audi. Zukunft" geschnürt hat. Bis zu 9500 der bisher um die 60000 Mitarbeiter in Deutschland sollen bis spätestens 2025 das Unternehmen verlassen - "freiwillig und sozialverträglich". Dafür gibt es für den Rest unter anderem eine Beschäftigungsgarantie bis 2029, an welcher das Unternehmen auch jetzt in der Krisenzeit nicht rütteln will und wird, wie zu hören ist. Mit der Resonanz auf die erste Welle der Abschiede zeigte sich Audi jetzt auf Anfrage "sehr zufrieden". Wie sich die Ruheständler auf die Standorte und die Geschäftsbereiche verteilen, das möchte Audi aber nicht kommunizieren.

An etwa 2500 Beschäftigte bis Jahrgang 1961 (und auch Jahrgang 1962 bei definierten Mehrschichtsystemen) war man im Frühjahr mit einem "attraktiven Angebot" herangetreten: Den Abschied versüßt Audi den Mitarbeitern mit monatlich 85 bis 92 Prozent des bisherigen Bruttogehalts, das bis zum regulären Renteneintritt gezahlt wird. Dafür müssen die Vorruheständler aber auch zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Rente beantragen, was eben teils entsprechende Abschläge zur Folge haben wird. Die Rentenbeiträge bis zu diesem Zeitpunkt übernimmt das Unternehmen, auch die ausfallenden Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge werden zur Hälfte ausgeglichen. Man spart sich bei den ausgeschiedenen Mitarbeitern natürlich Sonderzahlungen und die Erfolgbeteiligung.

Bis 23. Juni mussten sich die Interessierten entscheiden und konnten dann zum 1. Juli von einem Tag auf den anderen zu Hause bleiben. Nicht jedem fiel die Entscheidung - die bis zu einem Stichtag mit einer Bonuszahlung verbunden war - logischerweise leicht. Der Beratungsbedarf war groß, was in der heißen Corona-Zeit einen besonderen Aufwand bedeutete: Telefonisch, per Skype oder auch persönlich - mit Corona Schutzmaßnahmen - liefen die Gespräche. "Und davon haben die Audianerinnen und Audianer auch regen Gebrauch gemacht", berichtet Andreas Zelzer, der Personalleiter im Ingolstädter Stammwerk. Auch der Betriebsrat beriet viele. "Das war natürlich Corona-bedingt sehr aufwendig und intensiv", heißt es von der Arbeitnehmervertretung.

Freilich ist es am Unternehmen nicht vorbeigegangen, dass es anfänglich auch ein Murren gab: etwa bei den Mitarbeitern, die schon oder bald in einem Altersteilzeitprogramm waren. Auch aus einzelnen Abteilungen kam teils Unmut, da ab 1. Juli dort schlagartig Leute fehlten. "Naturgemäß kann man nicht von beidem Gebrauch machen", sagt Zelzer über die Altersteilzeit, die wie das Vorruhestandsprogramm "attraktive Angebote des Unternehmens" seien. Dem Personalleiter war es aber "ein persönliches Anliegen", sich "bei allen zu bedanken, die jetzt in ihrem wohlverdienten Vorruhestand sind und Audi in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich vorangebracht haben". Es sei "unser gemeinsames Verständnis", so Zelzer, "dass jetzt keine Audianerin und kein Audianer mehr Arbeit auf ihre bzw. seine Schultern laden muss". Man setze den "Transformationskurs" fort, der etwa Prozesse vereinfache und eine klare Fokussierung bei den Projekten enthalte. Audi werde schlanker, effizienter und zukunftsfähig aufgestellt.

"Audi. Zukunft ist ein Kompromiss", verdeutlicht Peter Mosch, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende bei Audi. "Das Unternehmen will die Kosten senken. Wir Betriebsräte wollen zukunftssichere und moderne Audi-Standorte mit Zukunftsperspektiven für die Beschäftigen. " Ein Personalumbau müsse dann sozialverträglich gestaltet werden. Das sei die Aufgabe der Arbeitnehmervertretung gewesen. "Das haben wir getan", sagt Mosch.

Nach der ersten Welle geht es nun weiter. Wie und ob die verbleibenden (und vereinbarten) etwa 8000 Stellen als Maximalzahl gestrichen werden können oder sollen, wird nun Schritt für Schritt zwischen Konzernleitung und Betriebsratsspitze verhandelt, ist aber nur ein Teil des Pakts. "Uns geht es darum, Audi. Zukunft umzusetzen", sagt Mosch. Das heiße, "inhaltlich und strategisch die Zukunftsthemen wie Qualifizierung, Fertigungstiefen, neue Geschäftsfelder und Produktion von Elektro-Volumenmodellen zu gestalten" - das schaffe Arbeit. Wobei der Betriebsrat, der natürlich auch den Unmut in einzelnen Abteilungen vernommen hat, dem Thema Nachbesetzungsmanagement "eine zentrale Bedeutung" (Mosch) einräumt, wenn Mitarbeiter in Vorruhestand, Altersteilzeit oder normal in Rente gehen und ihre Tätigkeit bleibe - dann "muss nach einer Lösung gesucht werden". Hier sei das Unternehmen gefragt. Als Weg sieht der Betriebsrat etwa die Qualifizierung, für die er sogar "ein Recht" einfordert.

 

Christian Rehberger
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