Durchschnittlich zehn Kilometer unterwegs: Vimcar wertete Millionen Touren von Dienstwagen in Bayern aus

10.08.2021 | Stand 10.08.2021, 18:12 Uhr
stau −Foto: Th. Reinhardt / pixelio.de

Verkehrsexperte ist kritisch

(ty) Einen Dienstwagen fahren zu können, ist eines der begehrtesten Privilegien in der Arbeitswelt.

In Deutschland waren laut Statista im Jahr 2020 mehr als fünf Millionen Wagen unterwegs, die einen gewerblichen Fahrzeughalter aufwiesen- elf Prozent vom Gesamtbestand. Vimcar, ein führender Anbieter von Software für die Verwaltung von Fuhrparks, hat sich nun genauer angeschaut, wie Dienstwagen im Freistaat bewegt werden. Erste Erkenntnis: Die durchschnittliche Länge einer Fahrt im Dienstwagen beträgt bayernweit zehn Kilometer, mehr nicht. Laut Vimcar könne man aus den gefahrenen Geschwindigkeiten zudem auch ablesen, dass ein Großteil der Strecken reine Stadtfahrten sind. 31,5 Prozent aller Fahrten weisen demnach ein Durchschnittstempo von nicht mehr als 30 Kilometer in der Stunde auf. Im Raum Ingolstadt liegt dieser Wert niedriger: bei 25,3 Prozent aller Fahrten.

Dienstwagen und die geltenden steuerlichen Regelungen sind seit Jahren nicht unumstritten. Wulf-Holger Arndt ist Leiter des Forschungsbereichs Mobilität und Raum am Zentrum Technik und Gesellschaft der FU Berlin. Seine Fachbereiche sind unter anderem Konzepte für einen nachhaltigen Stadtverkehr, Verkehrsauswirkungsforschung und Verkehrsmodelle. Arndt rechnet gegenüber unserer Zeitung vor, dass rund zwei Drittel der Neuzulassungen bundesweit auf Dienstwagen entfallen, diese aber für drei Viertel der Emissionen von CO2 der Neuwagen hierzulande verantwortlich sind. "Der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Kilometer liegt höher als der deutsche Durchschnitt, übrigens auch höher als der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Dienstwagen in Großbritannien oder Frankreich", so Mobilitätsexperte Arndt.

In der Tat zeigt auch die Erhebung von Vimcar für Bayern, dass es in puncto Klimaschutz bei Dienstwagenflotten Luft nach oben gibt. Nur 0,7 Prozent der analysierten Fahrzeuge waren vollelektrisch unterwegs. Fast 96 Prozent wurden von einem Verbrennungsmotor angetrieben. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) spiegele das aber durchaus den allgemeinen Bestand der Pkw im Freistaat wider. Vimcar-Gründer Andreas Schneider stammt aus Großmehring (Landkreis Eichstätt) und sagt zu den Ergebnissen, man sehe, dass E-Mobilität in diesem Bereich "noch viel Potenzial" habe.

Forscher Arndt betont zudem, die Dienstwagenregelung hierzulande führe eher zur Anschaffung von konventionellen Autos. "Auch die steuerlichen Regelungen bevorzugen größere, teurere Fahrzeuge. " Sein Vorschlag lautet daher: Bei gewerblich genutzten Fahrzeugen müsste eine strengere CO2-Norm gelten beziehungsweise die steuerlichen Regelungen müssten an den Kauf von Elektrofahrzeugen gekoppelt sein.

Dass es bei Dienstwagen oft auf den Euro nicht ankommt, sieht man auch an den beliebtesten Marken für Geschäftsautos in Bayern. Diese sind VW sowie die beiden bayerischen Premium-Anbieter BMW und Audi. Wenig überraschend ist der Anteil der Marke mit den vier Ringen laut Vimcar mit 27,6 Prozent in Ingolstadt, dem Sitz des Autobauers, am größten. In München wiederum liegt BMW mit 20,5 Prozent an der Spitze. Und in der Region rund um Nürnberg ist die Marke Volkswagen mit mehr als 27 Prozent am beliebtesten.

Die Preise unterscheiden sich dabei je nach Größe der Firma und Branche. Laut Statista war der durchschnittliche Listenpreis der Dienstwagen im Jahr 2019 in der Autoindustrie mit knapp 47000 Euro am höchsten. In sozialen Einrichtungen lag dieser Wert demnach bei gut 23700 Euro. Den Gesamtdurchschnitt geben die Statistiker mit 40000 Euro an.

Vimcar wertete die anonymisierten Daten von 3,3 Millionen vom firmeneigenen System erfassten Fahrten im Freistaat aus. Die Daten wurden von Januar 2020 bis ins erste Halbjahr dieses Jahres erhoben.

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