"Ich gehe nicht im Bösen"

07.08.2021 | Stand 08.08.2021, 6:29 Uhr
Hier fühlt er sich tatsächlich noch immer wohl: Klaus Angermeier, derzeit amtierender Landrat von Neuburg-Schrobenhausen, auf dem Chefsessel der Kreisverwaltung. −Foto: Janda

Der scheidende Vize-Landrat Klaus Angermeier gibt derzeit zum letzten Mal den Ton in der Verwaltung an

(ty) Genau 25 Tage hat Klaus Angermeier noch als stellvertretender Landrat von Neuburg-Schrobenhausen.

Dann tritt der CSU-Politiker aus Aresing von diesem Amt zurück. Ein Schritt, den er durchaus manchmal etwas bereut. "Denn es hat Spaß gemacht", sagt der 58-Jährige, der momentan amtierender Landrat ist. Ein bisschen ein komisches Bauchgefühl hatte Angermeier eigenen Worten zufolge schon, als er diesmal als Chef ins Neuburger Landratsamt gekommen ist. Immerhin ist die zweiwöchige Vertretung von Kreischef Peter von der Grün (FW) in dessen Urlaub das letzte Gastspiel für den Aresinger auf dem Chefsessel. "Trotzdem habe ich mich darauf gefreut, mich von den Mitarbeitern ordentlich verabschieden zu können", betont Angermeier, der vor allem wegen massiver Unterschiede zur Arbeitsweise des Landrats seinen Rücktritt zum Ende des Monats erklärt hatte. "Ich gehe nicht im Bösen", stellt er allerdings klar. Bestes Beispiel dafür ist seinen Worten zufolge die Urlaubsvertretung. "Das war abgemacht und ist nur fair. " Denn: Rein menschlich habe er mit von der Grün kein Problem. Eine Aussage, die man Klaus Angermeier sofort abnimmt.

Der Christsoziale, seit 2014 Bürgermeister von Aresing, war für viele die Idealbesetzung für den Vize-Posten - unter anderem für den Landrat selbst. Spätestens nach der Kreistagswahl, als ihn die Wähler auf der CSU-Liste um 16 Plätze nach vorne katapultierten, war endgültig klar, dass Angermeier eine wichtige Rolle einnehmen könnte. Dazu kommt das Phänomen, dass er trotz seines Wohnorts tief im Süden längst in Landkreisdimensionen denkt. Ein Kunststück, das manchem Kreisrat selbst nach Jahrzehnten nicht gelingen mag. "Weil wir noch immer zu wenig zusammengewachsen sind", beklagt Angermeier, den viele für seine ehrliche Art schätzen. Daher wundert es nicht, dass seinen Rücktritt Bürger wie Weggefährten sämtlicher politischer Couleur bedauern. "Tatsächlich habe ich unbändig viel Zuspruch bekommen, das hätte ich nicht erwartet", sagt Angermeier, den sogar wildfremde Leute angerufen hatten, um ihm ihr Verständnis auszudrücken.

Allzu viele Worte über seine Beweggründe will der Aresinger zwar nicht mehr verlieren. Vor allem liegt es ihm fern, im Nachhinein schmutzige Wäsche zu waschen. "Wir waren einfach in so vielen Dingen verschiedener Meinung", erklärt er den Unterschied zwischen Peter von der Grün und sich. Ein Problem, das sich über Wochen, ja gar Monate in ihm aufgestaut habe. Aber: "Wie kann ich dem Landrat gegenüber loyal sein, wenn ich so viel anders machen würde? ", fragt er. Die Antwort hat er mit seinem Rücktritt längst gegeben. Denn hintenrum zu arbeiten, das ist nicht Klaus Angermeiers Stil. Dafür ist eine zu ehrliche Haut. Womöglich ist er in der gesamten Geschichte sogar der einzige der beteiligten Kreispolitiker, der unbeschädigt aus allem herausgeht. Dessen Ruf nicht gelitten hat. Sogar das Gegenteil könnte bei Angermeier der Fall sein. "Das zu beurteilen, obliegt aber nicht mir", sagt er zu seinem Vorgehen wie zum Erreichten als Vize-Landrat. "Ich mache es, weil ich es gerne mache. " Fertig.

Dass er mit gerade mal einem Jahr und vier Monaten ein vergleichsweise kurzes Gastspiel als stellvertretender Landrat gegeben hat, stört ihn daher nicht. Dafür sprechen seine - nur selten öffentlich gewordenen - Erfolge für ihn. Das Personalproblem in der Zulassungsstelle hatte Angermeier kurzfristig gelöst, ebenso die Standortsuche für manches Schnelltestzentrum. Und auch in Sachen Grundstücksverhandlungen für die Landkreisbetriebe und für das Kreiskrankenhaus stand der Vize an vorderster Front. Weil er mit den Menschen kann. Weil für ihn jeder gleich wichtig ist. "Denn wir brauchen jeden", sagt er und meint die Bevölkerung ebenso wie das in seinen Augen "sehr, sehr gute und hochmotivierte" Team im Landratsamt.

Auch deshalb hat Angermeier doch schon manchmal gezweifelt, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist. "Vielleicht hat es aber dieses Wachrütteln gebraucht, damit sich etwas ändert", findet er. Als Bürgermeister und als einfacher Kreisrat wird ihm darüber hinaus sicher nicht langweilig. Dazu kommt natürlich die Suche nach einem Stellvertreter in der eigenen Fraktion, bei der Angermeier mit entscheiden wird. Sollte sich die CSU dazu entscheiden, einen Kandidaten aufzustellen, könnte Angermeier nach dessen Wahl wieder ein paar Ausschusssitze übernehmen. Denn Arbeit hat der frühere Zeitsoldat und Kfz-Meister noch nie gescheut.

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