"Die lassen uns einfach verhungern"

Fahrlehrer Olaf Großhauser hat Online-Petition an den Landtag gestartet

09.02.2021 | Stand 09.02.2021, 13:56 Uhr
Olaf Großhauser −Foto: Großhauser

Fahrlehrer Olaf Großhauser hat Online-Petition an den Landtag gestartet

Von Robert Kofer

Zwei Monate totaler Lockdown, keinen Cent Einnahmen, keine finanzielle Unterstützung und laufende Kosten: Fahrschulbesitzer Olaf Großhauser ist über die Politik verärgert: "Die lassen uns einfach verhungern." Jetzt hat der Hilpoltsteiner eine Petition an den bayerischen Landtag gestartet.

"Wir fordern, dass die Fahrschulen wieder arbeiten dürfen. Wir sind jetzt schon vier Monate innerhalb eines Jahres geschlossen worden, unsere Reserven sind aufgebraucht", heißt es in der Petition, die seit 29. Januar auf openPetition steht. Inzwischen haben rund 6000 Menschen unterzeichnet, 24 000 Unterschriften wären nötig. Ausgang ungewiss.

"Wir haben zumindest ein Zeichen gesetzt", sagt Großhauser, der als Kreisvorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Fahrlehrer 21 Fahrlehrer im Landkreis Roth vertritt. Der Unmut der Fahrschulen ist groß. Nach dem ersten Lockdown vom 10. März bis 11. Mai 2020 hätten alle Hygienekonzepte erarbeitet, Luftfilter angeschafft, nur einen Fahrschüler im Auto gehabt, nach jeder Fahrstunde wurde das Fahrzeug gelüftet und desinfiziert, alle trugen Masken. "Und trotzdem haben sie uns zugesperrt", kritisiert Großhauser. "Verstanden hat das eigentlich niemand."

Seit 10. Dezember stehen in Bayerns Fahrschulen wieder alle Räder still. Und keiner weiß, wie lange noch. "Die haben uns schlichtweg vergessen", sagt Großhauser. Mit "die" meint er die Politiker in Bayern. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) sei der einzige gewesen, der auf die Hilferufe zumindest reagiert hat. Inzwischen setze sich auch Landtagsabgeordneter Volker Bauer (CSU) ein. Mit welchem Erfolg bleibt abzuwarten. "Wir hoffen, dass wir spätestens Anfang März wieder anfangen können", sagt Großhauser. Von der Konferenz der Ministerpräsidenten am Mittwoch erhofft er sich nichts. Das Problem liege ja nicht beim Bund, sondern beim Freistaat Bayern. Und Söder wolle eben keine Lockerungen.

Doch selbst wenn die bayerischen Fahrschulen morgen wieder den Betrieb aufnehmen dürften, der Rückstau sei immens, sagt Großhauser. Zu den Fahrschülern, die jetzt ihre Ausbildung "auf einen Schlag stoppen mussten" kämen viele Führerscheinanfänger, die dringend auf ihren Schein warten. "Das wird alle Fahrschulen in Bayern betreffen", sagt Großhauser. Er habe bereits einen weiteren Fahrlehrer eingestellt, der im April anfangen soll. Aber den Rückstau könne man trotzdem nicht so schnell auflösen. Man dürfe per Gesetz maximal elf Fahrstunden pro Tag und zwei Theoriestunden geben. Und das Geld, das man während der beiden Lockdowns nicht habe verdienen können, sei einfach weg. "Das kann man als Fahrschule in den nächsten Jahren nicht mehr reinholen."

Was Großhauser besonders ärgert, ist, dass außer in Sachsen und Bayern die Fahrschulen in anderen Bundesländern zumindest mit Einschränkungen weiterarbeiten durften und dürfen. In Hessen gebe es gar keine Beschränkungen, so Großhauser. Einige Fahrschulen in Bayern hätten bereits Insolvenz angemeldet, einige stünden kurz davor. "Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht ist das nicht in Ordnung."

Großhauser betreibt zusammen mit seiner Frau Claudia eine Fahrschule mit Standorten in Hilpoltstein, Allersberg und Roth. Er beschäftigt drei fest angestellte Fahrlehrer und einen Auszubildenden. "Der hätte schon im August fertig sein sollen." Doch wegen Corona seien die Prüfungen ständig verschoben worden. Nicht alle seiner Angestellten seien in Kurzarbeit, da sie zum Teil noch Urlaub und Überstunden abbauen müssten.

Zu den Gehältern kommen noch die laufenden Kosten für Miete, Telefon und Handys, die Leasingraten für den großen Fuhrpark mit Lastwagen, Gabelstapler, Motorrädern und Autos. Rund 30 000 Euro betrügen die Fixkosten pro Monat, sagt Großhauser. "Und die Steuern werden weiter abgebucht." Die Ersparnisse seien aufgebraucht. Im Landkreis Roth habe es zwar noch keine Pleiten gegeben, "aber in Bayern gibt es schon einige, bei denen jetzt Feierabend ist. Wir müssen jetzt öffnen. Wir können nicht mehr warten".

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