Katholischer Priester läuft beim CSD in München mit

„Ich möchte um Verzeihung bitten“

17.07.2022 | Stand 17.07.2022, 7:44 Uhr
Der katholische Geistliche Wolfgang Rothe will mit einem Auftritt bei der diesjährigen CSD-Parade in München ein Zeichen setzen. Der CSD soll an die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Intersexuellen und queeren Menschen erinnern. −Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der katholische Geistliche Wolfgang Rothe hat beim Christopher Street Day in München Flagge gezeigt: Mit schwarzer Hose, schwarzem Hemd, weißem Priesterkragen und Regenbogenfahne lief Rothe am Samstag bei der Politparade des CSD mit, an der sich rund 140 Gruppierungen mit aufwendig geschmückten Umzugswagen beteiligten.

„Ich möchte für meinen Teil um Verzeihung bitten für das, was queeren Menschen in unserer Kirche angetan wurde“, sagte Rothe, der Pfarrvikar in einer Münchner Pfarrei ist, vor dem Umzug der Deutschen Presse-Agentur. „Ich teile die Ziele des CSD uneingeschränkt“.

Zehntausende Teilnehmer und Schaulustige zogen bei angenehm sommerlichen Temperaturen nach Angaben der Polizei durch München, viele in bunten, fantasievollen Kostümen. Viele tanzten zur Musik und trugen Fahnen, Transparente, Luftballons - oder Regenschirme zum Schutz vor der Sonne.

Es sei ein fröhliches, friedliches Fest, beschrieb ein Polizeisprecher die Atmosphäre. Die Bundespolizei hatte in der Fußgängerzone einen mit Regenbogenfahnen geschmückten Stand aufgebaut. Auf dem Marienplatz wurde ein Straßenfest mit Bühnenprogramm gefeiert, unter anderem mit einer Drag Show, Konzertauftritten sowie Gedenken an die Opfer des Krieges in der Ukraine und die Opfer von HIV und Aids.

Pfarrvikar Rothe wollte mit seiner erstmaligen Teilnahme ein Zeichen setzen. Schon vor Jahren hatte er sich offen zu seiner Homosexualität bekannt. 2021 segnete er homosexuelle Paare in einem katholischen Gottesdienst, gegen den Willen des Vatikan. Anfang des Jahres erschien ein Buch über katholisches Queer-Sein von ihm mit dem Titel „Gewollt. Geliebt. Gesegnet.“.

Einiges bewegt sich inzwischen: Im Januar outeten sich 125 queere Beschäftigte der Kirche und protestierten unter dem Motto #OutInChurch gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz. Und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, kündigte unlängst eine Änderung des kirchlichen Arbeitsrechtes an. In der katholischen Kirche kann es bislang den Job kosten, sich etwa zu einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft zu bekennen.

Rothe sprach von Schritten in die richtige Richtung. „Das sind Signale, die Hoffnung machen dürfen“, sagte er. Aber: „Wie konsequent das am Ende ausfällt, das wird man sehen.“ (dpa)

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