Die einst großspurig als Neugestaltung apostrophierte Sanierung der Ingolstädter Fußgängerzone ist mittlerweile zu einem schlechten Scherz verkommen

Was ist schon das Gelbe vom Ei?

14.10.2021 | Stand 14.10.2021, 7:34 Uhr
Finkenzellers Stolpferfallenaktion −Foto: Schmatloch

Von Michael Schmatloch

Die einst großspurig als Neugestaltung apostrophierte Sanierung der Ingolstädter Fußgängerzone ist mittlerweile zu einem schlechten Scherz verkommen. Was waren da für Pläne unterwegs. Mit hübschen Bepflanzungen und gar einem Wasserlauf. Geblieben sind ein paar Meter neues Pflaster und ein Zeithorizont bis zur Fertigstellung, der an den Bau der ägyptischen Pyramiden erinnert. Denn in der Zeit, in denen man in Ingolstadt ein paar Meter Straße pflastert, haben die alten Ägypter Weltwunder geschaffen.

Nachdem wegen der Landesgartenschau und den Scharen an Touristen, die deswegen die Ingolstädter Innenstadt erobern, das Bauvorhaben zwei Jahre auf Eis gelegt worden war, ohne dass sich – nebenbei bemerkt – auch nur ein Tourist in die City verirrt hätte, herrscht nun im kommenden Jahr wieder Funkstille ob des Jubiläums der Landesuniversität und dem geplanten Herzogsfest. Bis also das sogenannte neue Pflaster den Schliffelmarkt erreicht, dürfte es Ende 2023 werden. Wenn man optimistisch denkt. Vermutlich also eher 2024 oder in einem der Folgejahre.

Dass der Teil der Ludwigstraße, der schon neu gepflastert ist, ebenso trist aussieht wie der Rest und man Neu von Alt ob des um sich greifenden Verschmutzungsgrades kaum noch unterscheiden kann, ist die eine Seite. Die andere ist: Warum das Ganze, wenn es nachher doch nicht besser aussieht als vorher?

−Foto: Schmatloch

OB Christian Scharpf hadert ja in beiläufigen Nebensätzen während der Sitzungen gerne mal mit dem Projekt. So auch im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss, als es um das Thema Harderstraße ging. „Das Gelbe vom Ei ist es nicht, was wir da vollbracht haben“, meinte er mit Blick auf die Ludwigstraße. Dem kann man nur beipflichten. Und darf, ohne als unverbesserlicher Pessimist zu gelten, davon ausgehen, dass auch der Rest der noch ausstehenden Arbeiten nicht das Gelbe vom Ei werden dürfte.

Die Theresienstraße bleibt ohnehin wohl vom Neugestaltungswillen verschont. Ja und wie der Rest von Mauthstraße bis Schliffelmarkt bepflastert wird, das soll im nächsten Sitzungsdurchlauf nochmal diskutiert werden. Ob in gebundener und deutlich teurerer Verlegung oder eben mit Fugen und dafür preiswerter. Einen Schönheitspreis, soviel ist wohl vorab klar, werden beide Arten der Verlegung nicht gewinnen.

Böse Zungen behaupten ja, man zögere die Pflasterung der Fußgängerzone so lange hinaus, bis Alois Finkenzeller, der einst mit seiner Stolperfallenaktion, als er in einer Nacht- und Nebelaktion eben jene Stolperfallen mit gelber Sprühfarbe markiert hatte, ob des Alters nicht mehr in der Lage ist, seine Aktion zu wiederholen. Irgendwie waren er und seine Aktion Innenstadt damals der Auslöser für die neue Bepflasterung, die wohl noch Generationen von Stadträten beschäftigen wird. Und die war im Gegensatz zum neuen Pflaster damals wirklich das Gelbe vom Ei.

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