Verband beklagt desaströsen Zustand der Bahninfrastruktur – auch in der Region

Zustand auf regionalen Bahnstrecken „inakzeptabel“

16.08.2022 | Stand 16.08.2022, 8:04 Uhr
−Foto: dpa

Angesichts vieler Mängel kritisierte ein Interessensverband privater Bahnunternehmen die Strecken der Deutschen Bahn (DB) in Bayern. Auch Strecken in der Region sind betroffen.

Das Schienennetz sei in Teilen Bayerns „in einem desaströsen Zustand“, teilte das Bündnis Mofair am Montag mit. Der Verband vertritt private Eisenbahnunternehmen wie Transdev oder Go-Ahead. Die Deutsche Bahn war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Mofair zufolge müssten Züge an vielen Stellen wegen der Mängel deutlich langsamer fahren, weshalb die Fahrpläne nicht eingehalten werden könnten. Die DB Netz weigere sich jedoch, „realistische Fahrpläne aufzustellen“.

Besonders betroffen sind den Angaben zufolge die Strecken Freilassing - Berchtesgaden, Eichstätt - Weilheim/Schongau sowie das bayerische Oberlandnetz, befahren von der Transdev-Tochter Bayerische Regiobahn. 

Stellwerkstörung störte kürzlich massiv den Zugverkehr bei Ingolstadt
Anfang August meldete die Regiobahn eine Streckensperrung wegen eines Gleisfehlers. Aufgrund der Urlaubszeit sowie vieler Krankmeldungen kam es damals zusätzlich zu Schwierigkeiten bei der Organisation des Schienenersatzverkehrs. Vergangene Woche störte dann eine Stellwerkstörung bei Pfaffenhofen stundenlang den Zugverkehr zwischen Ingolstadt und München. Neben dem Regionalverkehr waren auch ICE-Verbindungen betroffen.

Auch BEG hält DB-Infrastruktur auf Regionalstrecken für inakzeptabel
Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hält den Zustand der Infrastruktur auf regionalen Bahnstrecken für „inakzeptabel“. Mängel führten zu immer mehr Verspätungen und Zugausfällen, kritisierte die BEG Ende Juli. Besonders betroffen seien Linien abseits der Hauptverkehrsachsen: Dort sei ein einigermaßen pünktlicher Zugverkehr teilweise kaum mehr möglich.

Die staatliche BEG finanziert und kontrolliert den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern. Laut BEG sank die Pünktlichkeitsquote im Juni auf knapp 83 Prozent. Zugausfälle wegen Streckensperrungen seien dabei noch gar nicht berücksichtigt. "Die jüngste Entwicklung ist wirklich erschreckend", sagte BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs.

Tödliches Zugunglück in Garmisch: Technische Mängel als Ursache?
Nach dem schweren Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen mit mehreren Toten will die Deutsche Bahn (DB) Tausende Betonschwellen überprüfen. Die Arbeiten seien vorsorglich, teilte der Konzern Mitte Juli mit. Bei den untersuchten Betonschwellen handele es sich um den gleichen Bautyp wie auf dem Streckenabschnitt des verunglückten Zugs. 

Auch wenn die Untersuchungen zum Unglück noch andauerten und die Unfallursache noch nicht feststehe, wolle die Bahn die baugleichen Schwellen im Netz inspizieren und bei Auffälligkeiten austauschen. Zuletzt gab es immer mehr Hinweise, die für den von Anfang an bestehenden Verdacht sprachen, dass das Unglück durch technische Mängel verursacht worden sein könnte. So ist in einer Drucksache des Verkehrsausschusses des Bundestages von einer Schienenverschiebung und "zum Teil vorgeschädigten Betonschwellen" die Rede. (dpa)