Die Diskussion um die Kammerspiele wird langsam unterirdisch

Zurück zur Sachlichkeit?

05.07.2022 | Stand 05.07.2022, 8:35 Uhr
Standort Kammerspiele an der Schutterstraße −Foto: Schoch

Von Michael Schmatloch

Kammerspiele an der Schutterstraße: Ja oder nein? Die doch recht eigentlich simple Frage ist auf dem besten Weg, die Ingolstädter Gesellschaft zu spalten. Doch statt sachliche Argumente auszutauschen haben sich Befürworter und Gegner längst auf ein Diskussionsniveau begeben, das mit „unterirdisch“ noch sehr freundlich beschrieben ist. Stadträte wie Achim Werner von der SPD schrecken nicht einmal vor Nazi-Vergleichen zurück, OB Christian Scharpf will „Trumpismus“ und „AfD-Stil“ bei den Initiatoren des Bürgerbegehrens ausgemacht haben. Und die heizen mit einer pointierten Plakataktion die Stimmung zusätzlich auf. Egal, wie die Bürgerbefragung ausgeht. Am Ende des Tages sollten alle Beteiligten ein paar Nachhilfestunden in Sachen Demokratie und Toleranz nehmen.

Noch sind es zwei Wochen bis zum Bürgerentscheid. Und damit die Situation nicht noch weiter eskaliert, hat sich OB Scharpf zu einer Presseerklärung hinreißen lassen, in der er vor allem Mäßigung fordert. „Die Diskussionen im Vorfeld des Bürgerentscheids zum Bau der Kammerspiele haben inzwischen nur schwer erträgliche Dimensionen angenommen“, erklärt er, „vor allem – aber nicht nur – in den Sozialen Medien ist die Stimmung derart hitzig und hochgekocht, dass kaum noch ein faktenbasierter Austausch von Argumenten stattfinden kann. Stattdessen werden die Diskussionen sehr emotional geführt, zum Teil mit persönlichen Angriffen.“ Das sei erschreckend. Deswegen bitte er Befürworter wie Gegner, wieder zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema zurückzukehren. „Wir sollten mit Argumenten überzeugen und nicht mit Schuldzuweisungen und Vorwürfen übereinander herfallen“, so Scharpf weiter. Das Problem: Eine wirklich sachliche Auseinandersetzung zu diesem Thema hat es nie gegeben.

Eine Mäßigung im Ton, eine Gesprächsführung mit Respekt und Diskussionen ohne persönliche Angriffe seien jetzt dringend notwendig, so der OB. Fromme Wünsche, die hoffentlich in Erfüllung gehen und vor allem diejenigen erreichen, die mit Schaum vor dem Mund längst vergessen haben, dass Demokratie nun einmal bedeutet, eine andere Meinung einfach zu akzeptieren.