Wenn morgen Kommunalwahl wäre . . .

21.11.2019 / 23:37
Das Hearing der zehn OB-Kandidaten in der Fronte und die Vorher-Nachher-Wahl
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hear1 (Autor: SCHMATLOCH)

(ty) Wenn morgen Bundestagswahl wäre . . . So heißt es regelmäßig, wenn ARD und ZDF ihr Politbarometer veröffentlichen. Wenn morgen die Wahl zum Oberbürgermeister wäre . . . müsste es heißen nach dem zweiten Hearing der Oberbürgermeisterkandidaten, das Stadtjugendring und Donaukurier in der bestens gefüllten Fronte veranstaltet haben. Denn ein gewisser Reiz dieser inzwischen traditionellen Veranstaltung liegt darin, das mit einem Wahlgang vorher und einem nach dem Hearing eruiert werden soll, wie sich die Stimmungslage an diesem Abend gewandelt hat, wer von den inzwischen zehn OB-Kandidaten sich gut, wer schlecht verkauft hat. 

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Zweiter Wahlgang (Autor: SCHMATLOCH)

Selbstredend ist das alles weit ab von jeder Art der Repräsentativität. Und doch zeigt diese „Wahl“ doch ganz trefflich, wie gut die jeweiligen Kandidaten zumindest an diesem Abend beim Publikum ankamen. Natürlich standen vom Stadtjugendring erarbeitete Themen im Mittelpunkt, die mit der Jugend zu tun haben, mit ihren Wünschen und Bedürfnissen. Und so drehte sich im Kreis der Kandidaten an diesem Abend alles um die Jugend, die indes im Publikum kaum vertreten war. Von ein paar versprengten Studenten abgesehen.

Und so sagt das Wahlergebnis auch nichts darüber aus, wie die Jugend sich nach den jeweiligen Statements der Kandidaten entschieden hätte, sondern wie der doch eher reifere Zuhörerkreis. 

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hear3 (Autor: SCHMATLOCH)

Vor der Wahl ging der amtierende OB Christian Lösel mit 34 von 153 Stimmen als Sieger aus dem Rennen. Gefolgt von? Nein, nicht etwa vom SPD-Kandidaten Christian Scharpf, was man hätte vermuten können, sondern von Christian Pauling von den Linken. Er brachte es auf 26 Stimmen vor der Wahl. Die Kandidaten von SPD, Grünen, FDP, FW und UDI lagen in etwa gleichauf bei 12 bis 16, Christian Lange und Henry Okorafor (GLI) markierten die Schlusslichter mit neun und sieben Stimmen. 

Es folgten mehrere Fragerunden zu Jugendpolitik, Jugendpartizipation, zum Wohnen, zum ÖPNV, zum Verkehr bis hin zum Sport- und Freizeitangebot. Und alle Kandidaten mühten sich nach Kräften, die Wichtigkeit dieser Themen zu betonen und ihre Vorstellungen zu formulieren, ohne ihre jeweilige Parteilinie zu verlassen. Zum Beispiel, als es darum ging, den ÖPNV für alle kostenlos zu machen. Oder wenigstens das 365-Euro-Ticket. 

Es war bereits am Zwischenapplaus ablesbar, wer sich besonders eloquent und ideenreich zu verkaufen wusste. Zum Beispiel Christian Pauling  von den Linken, der bereits beim ersten Hearing im Neuburger Kasten überaus positiv aufgefallen war und an diesem Abend sogar – bei aller politischen Verschiedenheit – ein dickes Lob von OB Christian Lösel mit nachhause nehmen durfte. 

Der Lobende und der Gelobte waren denn auch die „Gewinner“ des Abends, wie die Auszählung der bis zum Ende der Veranstaltung auf 157 angewachsenen Stimmen. Christian Lösel steigerte sein Ergebnis von 34 auf 55 Stimmen. Und Christian Pauling von 26 auf 41. Christian Scharpf, der Hoffnungsträger der SPD, musste von seinen zuvor 15 Stimmen vier auf dann 11 abgeben, Petra Kleine (Grüne) konnte von ihren 15 sogar nur noch 9 Stimmen verbuchen und Jakob Schäuble (FDP) von 16 nur 8.

 Ja und Henry Okorafor hat sich an diesem Abend offenbar um Kopf und Kragen geredet. Denn von seinen 7 Stimmen zu Beginn blieben am Ende 0. Auch Hans Stachel (FW) und Jürgen Köhler (UDI) mussten leichte Verluste hinnehmen, während Christian Lange (BGI) zumindest eine Stimme gutmachen konnte.

Ein amüsantes Politspielchen ohne Anspruch auf eine gesteigerte Aussagekraft. Aber dennoch kommt man nicht umhin festzustellen, dass dieses Ergebnis zu großen Teilen durchaus mit dem korrespondiert, was da an diesem Abend an Einlassungen und politischen Ideen zu hören war. 

Doch wenn es im März 2020 zum Schwur kommt, sind da noch ganz andere, gewichtige Themen, die die Parteien für sich positiv besetzen müssen, um in der Tat das Kreuzchen des Wählers zu kassieren. Ob es bis dahin noch immer zehn Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters sein werden, ist fraglich. Denn Henry Okorafor muss mit einer GLI erst einmal die 385 Unterstützerunterschriften zusammentragen, um überhaupt zur Wahl zugelassen zu werden. An diesem Abend zumindest sah es jedenfalls nicht so aus, als wäre das die leichteste aller Übungen. 

Andererseits hat sich die AfD bislang noch nicht entschieden, ob sie einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt. Anfang Dezember soll deren Kandidatenliste dem Vernehmen nach öffentlich gemacht werden. Spätestens dann steht auch fest, ob es einen zehnten oder gar ein elften OB-Kandidaten gibt.

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