FDP und JU würden gerne ein „Haus des Reinen Bieres“ in Ingolstadt installieren

Warum der ganze Stolz der Schanzer in ein Glas Bier passt

18.10.2021 | Stand 18.10.2021, 10:03 Uhr
Bier −Foto: Schmatloch

Von Michael Schmatloch

Worauf ist Ingolstadt in seiner Geschichte besonders stolz? Nicht auf die Illuminaten, nicht auf die literarischen Ehren, die Mary Shelleys Frankenstein-Roman nahelegen würde, nicht auf Dr. Faustus oder die Gegenreformation. Nein, es ist das Bier. Und das viel zitierte Reinheitsgebot, das 1516 in Anlehnung an das Münchner Reinheitsgebot vom 1487 in Ingolstadt landesweit Gültigkeit bekam und das Oswin Dotzauer gefühlt schon 200 000 Mal in seiner Herzogsrobe verkündet hat. Dass andere bayerische Reinheitsgebote wie beispielsweise die aus Landshut, München und auch Eichstätt viel früher – wenn auch nicht landesweit – verkündet wurden, und König Codex Hammurapi das erste Reinheitsgebot schon im 18. Jahrhundert vor Christus in Stein meißeln ließ, tut dem Stolz der Schanzer keinen Abbruch.

Für den kaum vorhandenen Tourismus in Ingolstadt spielt dieses Reinheitsgebot, außer dass man es gerne mantrahaft wiederholt, so gut wie keine Rolle. Genau das wollen FDP und Junge Union ein klein wenig ändern und beantragen, parallel zu der für 2022 geplanten Eröffnung der Gastronomie in der Fasshalle des Georgianums eine „bürgernahe, touristisch verwertbare dauerhafte Darstellung“ des Themas Reinheitsgebot als „Haus des Reinen Bieres“ vorzubereiten.

„Will man eine Stadt touristisch positionieren, sucht man nach dem, was sie einmalig und damit unverwechselbar macht. Nach einem Pfund, mit dem man wuchern kann, einem Thema, das die Stadt vom Wettbewerb abhebt“, begründen FDP und JU ihren Antrag. Denn dieses Reinheitsgebot empfinden sie als „Alleinstellungsmerkmal“. Wenn morgen der Finanzausschuss über dieses Thema diskutiert, stehen die Karten indes eher schlecht, vorerst zumindest. Denn „die Verortung des Reinheitsgebots in einem Haus des Reinen Bieres wird vorerst nicht weiterverfolgt“, empfiehlt die Stadtverwaltung.

Die für den Tourismus zuständige ITK habe in den letzten Monaten begonnen, das touristische Angebot weiter auszubauen, um Ingolstadt stärker als Stadt des Reinen Bieres darzustellen. Darüber hinaus erarbeite sie momentan gemeinsam mit den Tourismusverantwortlichen der Landkreise Pfaffenhofen, Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt sowie des Altmühltals ein Gesamtkonzept, welches die „Erlebnisregion Bier im Herzen Bayerns“ in seiner touristisch nutzbaren Vielfalt darstelle.

Die ITK sehe nach Rücksprache mit dem Kulturreferat in der „ganzheitlichen regionalen Betrachtung des Themas Bier“ einen sehr erfolgversprechenden Ansatz. Nicht zuletzt, da die Verknüpfung der Themen Bier, Radtourismus, Natur und Kultur vorgesehen sei.

Die Idee der Schaffung eines Hauses des Reinen Bieres als Informations- und Erlebnisstätte solle bei der künftigen Planung jedoch nicht aus dem Auge verloren werden. ITK und Kulturreferat betrachten das Projekt jedoch eher mittel- bis langfristig.

FDP und JU sehen es als „fahrlässig und verschwenderisch“ an, würde man „auf die intensivere touristische Vermarktung des Reinheitsgebots“ verzichten. Und wirklich anspruchsvoll scheinen sie da nicht zu sein. Denn ihrer Meinung nach sei mit dem Bierbrunnen am Georgianum in jüngster Zeit ein wertvoller Mosaikstein zum Gesamtbild hinzugekommen. Nun ja, abgesehen davon, dass die ersten Schanzer Nachtschwärmer den sogenannten Bierbrunnen kurz nach dessen Einweihung ob seiner Bauhöhe und seines Aussehens mit einem Pissoir verwechselt haben, ist von ihm bislang nichts weiter Bemerkenswertes überliefert. Und ob er dereinst wie die babylonische Steinsäule mit dem Codex Hammurapi den Weg in den Pariser Louvre schafft, scheint doch eher zweifelhaft.