Von falschen Polizisten um viel Geld gebracht - Seniorin nimmt sich aus Scham das Leben

21.11.2020 / 07:27
82-Jährige um 73.000 Euro betrogen
Symbolbild Blaulicht
Symbolbild Blaulicht
Symbolbild Blaulicht (Autor: Pixabay)

(ty) Die Scham ist riesengroß. Wenn alte Menschen zum Opfer falscher Polizisten oder anderer Betrüger werden und oft sehr viel Geld verlieren, geht es nicht allein um den materiellen Schaden. "Die psychische Belastung der Betroffenen ist nicht zu unterschätzen", sagt Andreas Aichele vom Polizeipräsidium Oberbayern-Nord in Ingolstadt. "Viele leiden ihr Leben lang darunter, auf so etwas hereingefallen zu sein. " Wie groß die Scham mitunter ist, zeigt der aktuelle Fall einer 82-Jährigen aus Fürstenfeldbruck: Die Seniorin nahm sich das Leben, nachdem sie 73000 Euro an vermeintliche Polizisten übergeben hatte. Am Freitag wurde sie zu Grabe getragen.

Die Familie der Frau war ahnungslos, denn die 82-Jährige hatte niemandem von den Anrufen der Betrüger erzählt. In drei Beträgen zu zweimal 25000 und einmal 23000 Euro hatte sie ihr Erspartes abgehoben und an die falschen Polizisten übergeben. Die hatten sie seit Anfang September immer wieder angerufen und ihr vorgelogen, dass ihre Bank demnächst Falschgeld herausgeben würde. Sie solle doch ihr Vermögen lieber vorher bei ihnen auf der Dienststelle verwahren lassen. Die Seniorin glaubte das, aber als sie am 20. Oktober ein viertes Mal bei ihrer Hausbank erschien und diesmal 27000 Euro abheben wollte, wurde eine Angestellte misstrauisch. Sie informierte die Tochter der betagten Kundin. "Ich habe dann sofort die Kriminalpolizei eingeschaltet", berichtete der Schwiegersohn der Frau unserer Zeitung. Am nächsten Tag hatte er die 82-Jährige tot aufgefunden, sie hatte sich aus Scham das Leben genommen.

"Oft ist es so, dass die Betrogenen starke Schuldgefühle gegenüber ihren Kindern und Enkeln bekommen. Sie haben vielleicht versprochen, ihnen eine ordentliche Summe zu vererben, und dann ist das Geld auf einmal weg", sagt Andreas Aichele vom Polizeipräsidium in Ingolstadt. Deshalb glaubt er, dass die Dunkelziffer bei solchen Fällen sehr hoch ist. Allein dieses Jahr gab es mehr als 3500 registrierte Anrufe falscher Polizeibeamter oder angeblicher Verwandter in Notlage bei älteren Menschen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord, der bis nach Ebersberg und Landsberg am Lech reicht. Die skrupellosen Täter erbeuteten rund 2,7 Millionen Euro.

Die Bestürzung ist meist groß, wenn der Betrug auffliegt. "Dabei muss sich niemand schämen, das hat nichts mit Intelligenz zu tun. Wir haben auch promovierte Senioren unter den Betroffenen. Die älteren Leute werden am Telefon so geschickt eingelullt, dass sie den Betrug erst nicht erkennen. " Die Täter würden gern spätabends anrufen und die Opfer manchmal die ganze Nacht hinhalten, bis sie am Ziel sind und Geld erhalten. Oft sei die Rede von einem Einbruch bei Nachbarn, man solle sein Vermögen lieber bei der Polizei in Sicherheit bringen.

"Wir wollen potenzielle Opfer dazu bringen, dass sie einfach auflegen, wenn sie einen solchen Anruf von einem angeblichen Polizisten oder einem vermeintlichen Angehörigen in Not erhalten", sagt Andreas Aichele. Die Polizei verteilt dazu - unter anderem diesen Samstag über fast alle Ausgaben unserer Zeitung - Aufkleber mit dem Slogan "Leg Auf! ", der in der Nähe des Telefons von Senioren angebracht werden soll. Echte Polizisten würden niemals die Herausgabe von Vermögen verlangen, auch wenn vermeintliche Verwandte anrufen und wegen einer angeblichen Notlage auf der Stelle Geld wollten, sei Vorsicht angebracht, rät das Polizeipräsidium. Gesundes Misstrauen sei keine Unhöflichkeit.

Helfen kann auch, mit der Bank eines älteren Menschen ein Vier-Augen-Prinzip zu vereinbaren, wenn es um größere Abhebungen geht. Nicht zuletzt kann die Erweiterung eines Kontos um einen Online-Zugriff angebracht sein, damit Angehörige aus der Ferne den Überblick über Geldgeschäfte betagter Eltern oder Großeltern bewahren und ungewöhnliche Aktionen erkennen können.

Horst Richter
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