Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für iranische Masterstudentin Hoora Dabbaghian an der KU Eichstätt

Sie beherrscht acht Sprachen

17.11.2022 | Stand 17.11.2022, 12:36 Uhr
−Foto: upd

Sie beherrscht acht Sprachen, begeistert sich für fremde Kulturen und interkulturelle Kommunikation und engagiert sich neben ihrem Studium für Geflüchtete: Die Iranerin Hoora Dabbaghian, Studentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), erhält den diesjährigen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Die Auszeichnung honoriert herausragende Leistungen und das soziale Engagement internationaler Studierender.

Die 31-Jährige, die an der KU soeben ihr Masterstudium „Europastudien: Sprache Literatur, Kultur“ abgeschlossen hat, will sich künftig beruflich für die Integration von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund engagieren. Den Preis widme sie „allen Menschen im Iran, die sich für Frieden auf der Welt und in ihrem Land einsetzen“, sagt die Studentin.

Im Jahr 2018 ist Hoora Dabbaghian zum Studium nach Deutschland gekommen. In ihrem Heimatland hatte sie bereits einen Bachelor- und einen Masterabschluss als Übersetzerin von ihrer Muttersprache Persisch ins Englische absolviert – mit besten Noten. In der Schule stand zudem Arabisch als Fremdsprache auf dem Stundenplan. Doch Dabbaghian wollte noch mehr Sprachen erlernen und belegte zunächst Deutschkurse, um ein weiteres Masterstudium in Deutschland beginnen zu können. „Ich interessiere mich sehr für die Themen Kommunikation und Kultur, Migration und Integration. Darum hat mich das Masterstudium an der KU in Eichstätt sehr angesprochen“, sagt Dabbaghian. „Fremdsprachen zu beherrschen hilft dabei, ein besseres Verständnis von anderen Kulturen und Menschen zu bekommen.“

Das gegenseitige Verstehen und Kommunizieren sei der Schlüssel zu Völkerverständigung und Frieden. „Außerdem reise ich sehr gerne und interessiere mich für Literatur – auch da helfen Sprachkenntnisse.“ Also belegte Dabbaghian während ihres Studiums in Eichstätt weitere Sprachkurse und lernte Spanisch, Französisch und Russisch. Für ein Auslandssemester an der Malmö Universität kam noch Schwedisch dazu. „Die ersten zwei, drei Fremdsprachen zu lernen ist noch schwer, danach wird es mit jeder weiteren Sprache leichter“, sagt Dabbaghian und lacht. Als nächstes wolle sie Japanisch lernen. 

Richard Nate, Inhaber des Lehrstuhls für Englische Literaturwissenschaft und Leiter des Masterstudiengangs Europastudien, ist die Iranerin von Beginn an aufgefallen, weil sie sich „mit sehr viel Fleiß und Engagement“ ihrem Studium widmete. Ihr besonderes Interesse gelte interkulturellen Perspektiven und Fragestellungen, „wofür sie auch ihr Wissen um die Geschichte und Kultur ihres Herkunftslandes gewinnbringend einsetzt“. In der Masterarbeit ging sie der Frage nach, wie sich die Erwartungen und Perspektiven der Europäischen Union in den vergangenen beiden Jahrzehnten verändert haben.

Trotz der besonderen Herausforderungen, ein Studium in einem fremden Land und fern der Heimat zu absolvieren und durch Nebenjobs zu finanzieren, habe Hoora Dabbaghian schon bald nach dem Studienstart begonnen, andere iranische Studierende zu beraten und sich für geflüchtete Menschen einzusetzen. „Das zeigt, mit welchem Ernst sie ihre im Studium gewonnenen Einsichten praktisch zur Anwendung bringt“, sagt Nate.

Dabbaghian ist unter anderem Administratorin eines Social-Media-Kanals, den mehr als 30 000 junge Iranerinnen und Iraner abonniert haben. Dort informiert sie unter anderem über Studienmöglichkeiten und das Leben in Deutschland. Beim Malteser Hilfsdienst in Eichstätt engagiert sich die Studentin im Integrationsdienst ehrenamtlich für geflüchtete Menschen aus Afghanistan. „Ich habe es selbst erlebt, wie es ist, sich in einem fremden Land und einer neuen Kultur zurechtfinden zu müssen – daher kann ich mich gut in deren Lage hineinversetzen.“ Sie begleitet beispielsweise Geflüchtete bei Arztbesuchen und dem Gang zu Ämtern und hilft ihnen beim Übersetzen und Verstehen von Briefen und Formularen.

Nach dem Abschluss ihres Studiums an der KU wird Hoora Dabbaghian in Kürze nach Stuttgart ziehen und dort zum Jahresende eine Stelle beim Integrationsdienst der Caritas antreten. Sie möchte dabei ukrainischen Geflüchteten helfen. „Mit meinem Studium und meinen Fähigkeiten möchte ich mich auch später in meinem Leben für eine bessere Welt und für mehr Frieden einsetzen“, sagt Hoora Dabbaghian. (ty)