Regeln für Tests werden nicht aufgeweicht

25.03.2020 / 08:24
Test
Test (Autor: SCHMATLOCH)

(ty) Die Fallzahl steigt, aber sie steigt (noch?) moderat: Bis gestern Nachmittag sind in Ingolstadt 15 Covid-19-Erkrankungen nachgewiesen worden. Am Montag war in der offiziellen Mitteilung der Verwaltung noch von zwölf, am Sonntag von neun Fällen die Rede gewesen. Im Klinikum liegen zudem weiterhin zwei Patienten, bei denen das Coronavirus bestätigt ist, isoliert auf der Intensivstation. Weitere vier Corona-Patienten liegen isoliert auf der Infektionsstation. Ein Patient, der gestern noch auf der Infektionsstation im Klinikum Ingolstadt lag, wurde in häusliche Quarantäne entlassen.

Laut Umwelt- und Gesundheitsreferent Rupert Ebner hat die Stadt bislang einfach das Glück gehabt, dass sich Personen mit verdächtigen Symptomen und vorherigem Aufenthalt in einem Risikogebiet stets vorbildlich verhalten und schnellstens die richtigen Schritte unternommen haben.

Von den rund 200 im neuen Corona-Testzentrum des Gesundheitsamtes am Audi-Sportpark vorgenommenen Tests der ersten Tage seien lediglich drei (von zu dem Zeitpunkt insgesamt 12) positiv ausgefallen, erklärte Gesundheitsreferent Rupert Ebner am Dienstag. Und das - obwohl dort nach wie vor nur nach den engen Kriterien des Robert-Koch-Instituts getestet wird - heißt: Nur wer entweder direkt Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatte und Symptome aufweist oder in einem Risikogebiet war und Symptome aufweist, erhält Zugang zum Testgelände. Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei den Tests weitere positive Ergebnisse gibt, ist dementsprechend höher als bei anderen Personengruppen.

Dass es bislang keine weiteren Fälle gab und Ingolstadt im Vergleich mit den umliegenden Landkreisen relativ glimpflich davongekommen ist, liege aber keineswegs daran, dass man etwas verheimliche, sagt Ebner. "Wir arbeiten hier gewissenhaft. Wir hatten schlicht und einfach das Glück, dass die ersten beiden positiven Fälle in Ingolstadt keinen Personenkontakt hatten. Genau das, was sein soll, haben unsere Ingolstädter eingehalten: Sie kamen aus einem Krisengebiet, hatten Symptome und sind zu Hause geblieben. " So hätten sie in ihrem Umfeld auch keine weiteren Personen mehr angesteckt. "Aber wir sind auch nicht gefeit davor, dass in Ingolstadt die Zahlen nach oben schnellen", sagt Ebner.

Damit den bundesweit immer noch begrenzten Laborkapazitäten für die Auswertung von Corona-Tests Rechnung getragen wird, will die Stadt keinesfalls von ihrer Praxis abgehen, dass im seit einer Woche bestehenden Testzentrum nahe dem Audi-Sportpark ausschließlich Abstriche von Ingolstädter Verdachtsfällen genommen werden. Daran hatte es zuletzt Kritik seitens der Hausärzte gegeben, die sich eine patientenfreundlichere Lösung auch für Bürger aus den angrenzenden Landkreisgemeinden gewünscht hätten.

Doch eine Abweichung von den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) soll es nicht geben. "Dieses einheitliche Vorgehen ist sinnvoll, da es weiterhin Lieferengpässe bei Test-Kits, Schutzkleidung und begrenzte Laborkapazitäten gibt, die bereits jetzt eine Priorisierung in der Reihenfolge der Auswertungen seitens des Gesundheitsministeriums erfordert hat," so die Stadt.

Für Aufsehen unter örtlichen Medizinern hatte der Fall einer Allgemeinärztin gesorgt, die unlängst mehrere vorübergehend in Ingolstadt untergebrachte Arbeiter aus Nordrhein-Westfalen mit Verdachtssymptomen untersucht und erfolglos ans Testzentrum zu vermitteln versucht hatte. Die Männer seien angewiesen worden, sich daheim in NRW testen zu lassen, was nicht nur bei ihnen Unverständnis hervorgerufen hatte.

Der Vorgang war vom Sprecher der hiesigen Hausärzte, Anton Böhm, und vom Vorstand des Hausärztekreises Ingolstadt-Eichstätt, Thomas Lips, in einem Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder und die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml exemplarisch geschildert worden. "Es dürfen keine Patienten mehr auf weiter entfernte Stellen verwiesen werden, dies erhöht nur das Risiko für alle", hatten die beiden Mediziner gemahnt. Die Stadt rechtfertigt allerdings das Verhalten der Entscheider in diesem speziellen Fall mit den klaren Anweisungen des RKI. Bei den bewussten Arbeitern aus Gelsenkirchen, die gegenwärtig in Ingolstadt beschäftigt sind, "war nach den Kriterien des RKI ein Test nicht angezeigt", heißt es in einer Stellungnahme.

Wie berichtet soll das Testzentrum nach einem Beschluss der Stadtspitze vom Montag bis Anfang nächster Woche noch erweitert werden, um möglichen vermehrten notwendigen Tests gewachsen zu sein. Bei Bedarf werde es künftig auch an Wochenenden geöffnet haben, was am vergangenen Wochenende noch nicht der Fall war, "da alle vorliegenden Fälle bis Freitag getestet werden konnten", so die Auskunft der Stadt. Und weiter: "Grundsätzliches Ziel ist die bedarfsgerechte Öffnung des Testcenters. "

Auf Einladung von Oberbürgermeister Christian Lösel ist am Montagnachmittag im Alten Rathaus ein Runder Tisch mit Vertretern der Ingolstädter Ärzteschaft und der Apotheken zusammengekommen. Inhalt des Austauschs sei eine Bewertung der bayernweiten Covid-19-Fallzahlen, der Situation in der Stadt sowie im Klinikum gewesen, so eine Mitteilung der städtischen Pressestelle.

Es wurde demnach vereinbart, aus medizinischer Sicht auch weiterhin an den geltenden Vorgaben des Robert-Koch-Instituts zur Testung von begründeten Verdachtsfällen festzuhalten. Nach RKI ist ein Test bei Kontaktpersonen ersten Grades mit Symptomen oder Reiserückkehrern mit Symptomen veranlasst. Vereinbart wurde in der Runde laut Stadt allerdings, dass Hausärzte ab sofort in einem vereinfachten Verfahren an der Hotline ihre Patienten im Testzentrum telefonisch anmelden können.

Die Bemühungen der Stadt zur Sicherung von Kapazitäten bei externen Laboren sowie um den weiteren Aufbau von Kapazitäten im Labor des Klinikums und bei einem örtlichen privaten Labor, so heißt es, seien "von den Experten einhellig begrüßt" worden.

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