Ramsch-Meile mit schwedischer Zukunft?

29.06.2020 / 08:55
FDP und JU würden gerne einen Showroom von Ikea im Bereich von Kaufhof und ehemaligem C&A angesiedelt sehen
Kaufhof
Kaufhof (Autor: Schmatloch)

Von Michael Schmatloch

Gäbe es ein Ranking, welche Stadt die billigste Ramschmeile in der Innenstadt sein Eigen nennt, Ingolstadt stünde wohl unangefochten auf Platz eins. Die einst so selbstbewusste und stolze Ludwigstraße hat nahezu jede Attraktivität eingebüßt, die kleinen inhabergeführten Geschäfte sind selten geworden und finden bestenfalls Ersatz durch irgendeinen Fastfood-Laden, die großen Geschäfte, die zumindest noch ein klein wenig Qualität garantierten, sind zum überwiegenden Teil absoluten Billiganbietern gewichen, nicht das zum Teil neue Pflaster bestimmt den optischen Eindruck, sondern Prozentzeichen und das Wort „Sale“. Der einst von einer großen Elektronikkette erfundene Spruch „Geiz ist geil“ zeigt sich in seiner letzten, bitteren Konsequenz.

Diese Entwicklung, die auch die angrenzenden Innenstadtstraßen längst erfasst hat, die gab es auch schon vor „Primark“. Dennoch war die Ansiedlung dieses Billigklamotten-Giganten gefühlt die Initialzündung, um die Abwärtsbewegung dieser unseligen Spirale noch einmal zu beschleunigen. Jetzt kommen TK Maxx und Tedi, reihen sich in die Phalanx von KiK, Euroshop und CCC. Und wäre das alles nicht schon genug, versetzt Galeria Karstadt Kaufhof mit der für Oktober geplanten Schließung seiner Ingolstädter Filiale der Fußgängerzone im Osten den Todesstoß. 

Ob es noch eine Rettung gibt, ist fraglich. Erst einmal droht mit dieser Schließung der Galeria Kaufhof und dem leer stehenden ehemaligen C&A der folgenreichste Leerstand, den die Innenstadt je verkraften musste. Corona hat den Niedergang von Galeria Karstadt Kaufhof sicher beschleunigt, ausgelöst indes hat ihn die Pandemie kaum. Und was die am Ende des Tages mit den wochenlangen Zwangsschließungen ausgelost hat, das wird sich wohl erst irgendwann im Herbst zeigen, wenn weitere Geschäfte und Lokale das Handtuch werfen. Denn erst dann erwarten zahlreiche Wirtschaftsinstitute mit einer coronabedingten Pleitewelle. 

Bis dahin sollte jedoch die Frage geklärt sein, was aus dem Areal Kaufhof und C&A werden soll. Und die Beantwortung dieser Frage kann man in dem Fall kaum der freien Wirtschaft überlassen. Denn es geht um nicht weniger als die Zukunft der Fußgängerzone, die mit dem Kaufhof den letzten großen Anziehungspunkt im Osten verliert. Ausgearbeitete Pläne gab es ja bereits zu Zeiten, als Christian Lösel noch Oberbürgermeister war. Und in diesen Gedankenspielen kauft die Stadt das Gebäude vom Kaufhof, den ehemaligen C&A und ein Haus an der Rückseite, das im Besitz der GWG ist, reißt das alles ab und erbaut an der Stelle eine innerstädtische, moderne Einkaufs-Mall, die, da die spätere Vermietung in städtischer Hand läge, auch heilsam einwirken könnte auf die maßlos überzogenen Mietpreise in der Ludwigstraße. 

Der Erfolg indes ist keinesfalls garantiert. Denn neben den aktuellen Unwägbarkeiten mit Corona bleibt ja auch die Tatsache, dass der Internethandel den stationären Geschäften das Leben schwer und schwerer macht. Und der Trend zum Online-Kauf, der hat sich in Coronazeiten noch einmal spürbar verstärkt. Ist also der Handel überhaupt noch die Zukunft der Ludwigstraße? Und wenn ja welcher? Mit einem neuen Aufleben in qualitativ höheren Regionen ist kaum zu rechnen. Zumal Westpark und FOC ihre Claims lange abgesteckt haben und die auch zu verteidigen wissen. 

Man mag sich gar nicht vorstellen, wie sich die Innenstadt zum Beispiel entwickelt hätte, wäre das Village-Outlet damals, wie von den Betreibern einst geplant, tatsächlich in der Innenstadt auf dem Gießereigelände ansässig geworden statt eines Hotelkomplexes samt Kongresszentrum, der überall hätte stehen können. Vielleicht hätte die City eine ähnliche Entwicklung erlebt wie das schwäbische Metzingen nach Hugo Boss. Doch es ist müßig, die Vergangenheit zu beweinen. Kostet doch die Gegenwart schon Tränen genug. Und von denen wird das Kaufhof-Debakel noch einige kosten. 

Die Ausschussgemeinschaft von FDP und Junger Union kommt nun mit einer Idee, die so abwegig gar nicht ist. Den Möbelgiganten Ikea, der ja schon einmal ein Auge auf ein städtisches Grundstück am Weiherfeld geworfen hatte, den sollte die Stadt einmal fragen, ob er nicht Interesse hätte an der Schanzer Innenstadt. Klingt auf den ersten Blick absurd. Ist es aber nicht, da Ikea eine neue Strategie verfolgt, die genau darauf setzt und in Hamburg zum Beispiel bereits umgesetzt wurde. Der Einrichtungskonzern entwickelt seit rund zwei Jahren eine neue Innenstadtstrategie. Während die im Verhältnis deutlich kleineren, innenstädtischen Geschäfte als zusätzliche Show-Rooms fungieren, in denen das gesamte Sortiment präsentiert wird, bleiben die großen Märkte auf der grünen Wiese. In den Show-Rooms hingegen steht nur eine beschränkte Zahl an Artikel zum direkten Verkauf.

Unabhängig von baulichen Umgestaltungen sei ein attraktiver Einzelhändler als Ankermieter nach Ansicht von JU und FDP einer Verwaltungsnutzung vorzuziehen: "Es geht um einen Leuchtturm für den Innenstadthandel, ein Frequenzbringer mit positiven Abstrahleffekten auf die anderen Einzelhändler", so Jakob Schäuble, Mitglied im IFG-Verwaltungsrat.

Ziel aller politischen Anstrengungen müsse es in jedem Fall sein, einen gleichwertigen oder stärkeren Ankerpunkt für den innenstädtischen Handel zu schaffen", betont Markus Meyer, Mitglied im Stadtplanungsausschuss. 

Doch erst einmal müsste die Stadt beziehungsweise die IFG die Gebäude erwerben, um die es in allen wie auch immer gearteten Plänen geht. Ob City-Mall mit darüber liegenden Büroräumen oder eben ein Anker-Mieter wie Ikea. 

Im Trend
ICE
07.07.2020 / 15:15
Aufgrund des tödlichen Ereignisses waren alle Gleise gesperrt
Mehr erfahren
Polizeikelle
01.07.2020 / 13:10
Während der Verkehrskontrolle musste sich 39-jährige Ingolstädterin übergeben
Mehr erfahren
Manching
05.07.2020 / 09:04
Private-Wings-Geschäftsführer Peter Paul Gatz: "Noch halten wir durch" - Viele Angestellte wurden ...
Mehr erfahren
r1
05.07.2020 / 08:50
Hund wurde auf dem Wochenmarkt vermutlich getreten und ging zum Angriff über
Mehr erfahren
Fußgängerzone
08.07.2020 / 10:43
Die vielfach gescholtenen Parkgebühren in Ingolstadt sind kaum der Grund für die mangelnde ...
Mehr erfahren
Autoklau
08.07.2020 / 09:14
Zwei polnische Staatsbürger als mutmaßliche Autodiebe von Pfaffenhofen verhaftet
Mehr erfahren