Knapp 100 Beschäftigte in der Behindertenhilfe haben am Donnerstagvormittag gestreikt

"Ohne euch würde gar nichts gehen"

05.05.2022 | Stand 05.05.2022, 14:28 Uhr
−Foto: Silvester

Sie fordern bessere, ihrer Verantwortung angemessene Bezahlung, mehr gesellschaftliche Anerkennung, Entlastung im Arbeitsalltag und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel in ihrem Beruf: Knapp 100 Beschäftigte in der Behindertenhilfe haben am Donnerstagvormittag gestreikt und bei einer von der Gewerkschaft Verdi organisierten Kundgebung auf dem Paradeplatz ihre Positionen deutlich gemacht. Anschließend zogen die Kolleginnen und Kollegen durch die Stadt. 

"Dieser Beruf wird zu wenig wertgeschätzt", sagte Versammlungsleiterin Claudia Scheck. "Dabei leisten die bundesweit 500 000 Beschäftigten in der Behindertenhilfe anspruchsvolle Erziehungsarbeit. Sie ermöglichen es, dass Menschen mit Beeinträchtigung selbstbestimmt leben können. "

Dass die Arbeitgeber in den laufenden Tarifverhandlungen noch kein Angebot vorgelegt hätten, wurde mehrfach scharf kritisiert. Ebenso das verpflichtende zweijährige Vorpraktikum vor dem Beginn der eigentlichen Ausbildung. So gewinne man nicht genügend Nachwuchs. "Das schreckt ab! " 

Roman Martynez , Altenpfleger und Verdi-Gewerkschaftssekretär aus Augsburg, wählte besonders deutliche Worte: "Das ist ein Schlag in eure Gesichter! Ohne euch würde gar nichts mehr gehen! " DGB-Sekretär und SPD-Co-Vorsitzender Christian De Lapuente sagte in seinem Grußwort: "Es ergibt keinen Sinn, Wirtschaft und Einkommen nach unten zu fahren. Wenn man Krise will: dann Stillstand." Die Beschäftigten in der Behindertenhilfe würden "keine überzogenen Forderungen stellen" und "ihr Geld liegt nicht auf Schweizer Konten". Das Verhalten der Arbeitgeberseite sei "zum Schämen". 

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Arina Wolf ließ den "wundervollen Beruf" in der Behindertenhilfe hochleben, den laut einer Befragung die Hälfte "unter diesen Bedingungen nicht mehr bis zu Rente ausüben möchte". Deshalb müsse jetzt dringend was geschehen. Stadträtin Eva Bulling-Schröter berichtete, schon mal kurz in einer Werkstatt der Lebenshilfe mitgearbeitet zu haben; sie ist Schlosserin. "Es ist wundervoll, wie da mit Menschen mit Behinderung umgegangen wird. Alle, die ich dort getroffen habe, sind erfüllt von dem, was sie tun!" (sic)