Kreativer und spontaner Protest
Offenes Antifaschistisches Treffen in Sichtweite zur Kundgebung „Jetzt erst recht!“ in Eichstätt

19.02.2024 | Stand 19.02.2024, 6:38 Uhr

Rund 80 Teilnehmer waren nach Angaben der Polizei bei der Gegenveranstaltung mit dabei. Foto: Luff

„Alerta, alerta antifascista!“, hallte es am Sonntagnachmittag aus den Lautsprechern und Kehlen von gut 80 Teilnehmern im westlichen Teil des Volksfestplatzes, dem Busparkplatz in Eichstätt. Zu einer Veranstaltung gegen die zeitgleich auf dem östlichen Platz stattfindende Bürgerdemo hatte das Offene Antifaschistische Treffen Eichstätt (OAT) kurzfristig aufgerufen.



Mit Musik und spontanen Redebeiträgen, mit Bannern und Sprechchören wehrten sich die Veranstalter gegen die in ihren Augen von der AfD und rechtsextremen Kräften unterwanderte und nur vordergründig bürgerliche Veranstaltung. Doch man suchte auch direkt an der Polizeiabsperrung das Gespräch mit Teilnehmern, die zwischen den beiden Demos hin und herwanderten oder nachfragten, gegen wen die OAT-Veranstaltung eigentlich gerichtet sei.

Platz doppelt abgeriegelt

Der Platz wurde von massiv präsenten Polizeikräften gleich doppelt abgeriegelt: Durch Gitterabsperrungen und Polizeifahrzeuge hinter beiden Veranstaltungen und einen breiten neutralen Raum dazwischen. Man wollte die beiden Gruppen nämlich auf keinen Fall direkt aufeinandertreffen lassen, erläuterte Erster Polizeihauptkommissar Jörg Wuttke von den zentralen Einsatzdiensten Fürstenfeldbruck, der an diesem Tag mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen die Eichstätter Beamten unterstützte und für die Absicherung der OAT-Veranstaltung zuständig war. Deeskalation war also das Gebot der Stunde und die Strategie ging auch auf.

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Am Rande der Veranstaltung fand sich mit Cay Luft auch eine der Organisatorinnen zum Gespräch bereit. Man sei vom OAT nicht generell gegen das bürgerliche Lager und auch keinesfalls gegen die Bauern, die an der bürgerlichen Veranstaltung teilnehmen. Doch einzelne Personen unter den Veranstaltern zeigten eindeutig Nähe zum rechten Milieu. Sie persönlich habe Angst, sich auf der anderen Seite des Platzes blicken zu lassen.

Von Gewaltaufrufen im Netz gegen links war die Rede und das Gewaltpotential sei im rechten Spektrum ohnehin viel höher als im linken, obwohl immer wieder in der „Hufeisentheorie“ behauptet werde, dass links- und rechtsextreme Kräfte in ihrem Totalitarismus und ihrer Gewaltbereitschaft gleichgesetzt werden könnten. Dem sei aber nicht so, erklärte Luft, denn der Protest der OAT sei absolut gewaltfrei. Leider habe man nur zwei Tage Zeit gehabt, um die Aktion zu koordinieren und zu organisieren, doch sah sie es als Erfolg, dass etwa Menschen aller Altersgruppen ihrem Aufruf gefolgt waren.

Entsprechend frei und kreativ formierte sich der Protest gegen die Veranstaltung auf der anderen Seite: Oft waren ganze Familien präsent und skandierten unisono Parolen wie „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!“, „ Say It Loud, Say It Clear, Refugees Are Welcome Here!“ oder „Hoch die internationale Solidarität!“ Auf den Bannern und Fahnen waren eindeutige Parolen zu lesen: „Kein Mensch ist illegal!“, „Lieber solidarisch als solide arisch“, „Remigriert euch ins Knie, AfD!“ oder „Menschenrechte statt rechte Menschen!“ Und manche der Parolen hatten auch Humor, wie der selbst geschriebene Spruch „Nazis essen heimlich Döner!“

Spontane Äußerungen

Da in der knappen Vorbereitungszeit keine Redebeiträge mehr vorbereitet werden konnten, bat man um spontane Äußerungen. Dieser Bitte kamen mehrere Anwesende nach und forderten: „Denkt doch einmal darüber nach, wer die Veranstaltung dort drüben eigentlich organisiert hat!“ Eine Rednerin, die anonym bleiben wollte, bekannte: „Mir wird schlecht, wenn ich sehe, dass die Polizei die zwei Lager trennt. Wie sollen wir denn da miteinander reden und irgendetwas in diesem Land geregelt kriegen?“ Andreas Kohout, ein Teilnehmer, ergriff ebenfalls das Wort und sprach der anderen Veranstaltung sowohl ihre Bürgerlichkeit als auch ihr Bekenntnis zur Demokratie ab. Ihre Unterwanderung durch rechtes Gedankengut sei das Hauptproblem. Musik und Gespräche, Banner und Diskussionen, Sprechchöre und Parolen – insgesamt blieb die Gegendemonstration kreativ und friedlich.