Neuburger Kultkneipe: Renovierung im Tanzcafé Hertlein schreitet zügig voran

23.02.2021 / 08:25
Sebastian Bollinger hofft auf Öffnung im Frühjahr

Die neuen Grundzüge sind zu sehen: Hertlein-Wirt Sebastian Bollinger sitzt im "Kaminzimmer" oder der "Jagastubn", die bald fertig sein wird. (Autor: S. Hofmann)

(ty) Es tut sich was in Neuburgs einzig wahrem Kurvencafé: Noch liegen Baumaterialien und Werkzeuge herum, aber der neue Hertlein-Pächter Sebastian Bollinger hat schon viel geschafft, und es lässt sich erahnen, in welche Richtung die Kultkneipe gehen wird.

Der erste Eindruck: sehr vielversprechend für alle, die das Hertlein bisher gemocht haben. Rustikal ist eines der Worte, die Wirt Bollinger am meisten benutzt, wenn er seine Version des zukünftigen Hertlein beschreibt. Und es wird schnell deutlich: Einen sterilen Tanzpalast mit harter, kalter Optik will er nicht aus der Traditionskneipe machen, ganz im Gegenteil. Es ist bereits jetzt zu sehen, dass das Hertlein seinem Look treu bleiben wird, wenn auch vieles um einiges frischer aussehen wird. Zahlreiche Wände sind schon neu gestrichen, es dominieren helle Braun- und Weißtöne, auch die Holzdecken in den beiden Gasträumen sowie im Theken- und Tanzbereich wurden aufgefrischt - aber nicht ausgetauscht.

Seit Anfang Januar ist Bollinger im altehrwürdigen Haus an der Oskar-Wittmann-Straße schon zugange. Gleich zu Beginn war vor allem eines angesagt: ausräumen und aussortieren. Denn in den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich einiges unter Bollingers Vorgängern angesammelt. Das hat der Neue sogar ein wenig genutzt und verkürzt den Hertlein-Freunden seit Jahresbeginn die Wartezeit auf die Wiedereröffnung. In den sozialen Medien postet Bollinger Fundstücke der Woche. Darunter waren bereits einige illustre Gegenstände: eine alte Flasche der seit vielen Jahren geschlossenen Neuhof-Brauerei, eine hawaiianische Blumenkette, die eines Faschings zurückgelassen worden war, eine leere Plattenhülle und ein Aufkleber des SC Ried. Keine Frage, zu entdecken gibt es im Hertlein einiges - ganz besonders, wenn man in Ecken stöbert, die über viele Jahre im Verborgenen geschlummert haben.

Denn gerade im hinteren Bereich des Gebäudes, dem Teil, den die Gäste einmal gar nicht sehen werden, wird es die größten Veränderungen geben. Der alte Kühlraum musste weichen, weil Bollinger eine vollausgestattete Gastroküche ins Hertlein integrieren wird. "Wir werden hier Grillplatten, eine Fritteuse, einen Ofen, Kühlschränke und einen Spülbereich einbauen", sagt der neue Pächter. Noch ist davon nicht viel zu sehen. Zuerst einmal musste alles, was nicht mehr gebraucht wurde, raus. Das betraf auch die alte Spülküche, wo früher die Gläser gewaschen und Weißbier eingeschenkt wurde. Auch das war eine Ecke voller Überraschungen, denn wo einst der mächtige Weißbierkühlschrank stand, kamen eine Holzwand und dahinter ein Fenster hervor. "Das haben wir zugemauert", erklärt Bollinger. In Zukunft sollen in dieser Ecke hauptsächlich Maschinen die Spülgänge übernehmen, ein Regal für die Schnäpse verkürzt die Laufwege für das Personal.

Bis jetzt noch wenig verändert präsentiert sich der Thekenbereich. An der Anordnung möchte Bollinger nicht rütteln, wohl aber an den Aufbauten. "Wahrscheinlich werde ich hier alles aus Edelstahl machen. Gerade jetzt sieht man ja, wie wichtig Hygiene ist, und da ist Edelstahl einfach am besten geeignet", sagt er.

Wie viel schon passiert ist, sieht man aktuell in den beiden Räumen direkt am Haupteingang. Dort haben fleißige Zimmererhände schon zahlreiche Sitzbänke geschaffen. Von der Eingangstür aus rechts gesehen soll einmal ein "Kaminzimmer" oder eine "Jagastubn" entstehen. "Mit dem Namen bin ich mir noch nicht so sicher", sagt Bollinger. Die Aufmachung des Raumes, und auch des angrenzenden Bereichs gleich nach dem Eingang soll dem Wunsch Rechnung tragen, dass das Hertlein auch in Zukunft rustikal daherkommt: Die Sitzbänke sind allesamt aus Holz und werden mit dunklem Leder bezogen. Im Kaminzimmer sollen zudem alte Bilder an die Wände kommen, im anderen Raum wird es eine besondere Tapete geben, die den Look unterstreicht. "Die Wände sind ein bisschen heller gehalten, damit das Holz besser zur Geltung kommt", sagt Bollinger und deutet auf die beiden eingemauerten Kutschenräder zwischen beiden Räumen - die Sichtverbindung wird bleiben. Sind die Bänke einmal fertig und auch die Tische hereingebracht, dann werde er wohl einen ganzen Tag damit zubringen, die Räume richtig auszuleuchten. "Ich möchte es nicht ganz so dunkel haben, wie es früher war", sagt der Wirt.

Viel bislang ungenutztes Potenzial sieht Sebastian Bollinger im Biergarten. Zum einen wird man in Zukunft von der Tanzfläche aus durch die Fenster dort hinaussehen. Zum anderen werden die alten Schuppen, die schon mit einer kleinen Schenke ausgestattet sind, um weitere, voll überdachte Sitzgelegenheiten ergänzt. "Von hier wird man mal einen herrlichen Blick auf den Donaukai haben", sagt Bollinger und deutet auf das Ensemble mit Schloss, Brücke, Fluss und Promenade. "Es gibt das Mary's, das Bootshaus und uns. Hier wird bald richtig Leben sein", findet der Gastronom. Bis dahin wartet noch viel Arbeit auf sein Team und ihn. Eine Baustelle wird dabei aber eine vergleichsweise einfache sein: das Service-Team. "Der Großteil vom alten Hertlein-Personal wird weitermachen, was mich sehr freut", berichtet Bollinger. "Ich habe der Truppe mein Konzept vorgestellt und viele wollten dann dabeibleiben. " Trotzdem könne er noch Verstärkung für die Hertlein-Mannschaft brauchen.

Wann das Tanzcafé seine Pforten wieder öffnet, steht noch nicht endgültig fest. "Ich hatte mal März angepeilt, aber das ist wahrscheinlich nicht machbar. Es wird aber hoffentlich im Frühjahr bleiben, vielleicht geht es schon im April", sagt er. Vieles hänge natürlich mit der Corona-Pandemie zusammen. Erleichterungen für die Gastronomie und das Gewerbe wünscht sich Bollinger, wie zahlreiche andere Selbstständige, deswegen sehr. Denn eines kann er kaum erwarte: Die Neuburger in seinem Hertlein willkommen zu heißen.

Sebastian Hofmann
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