Kriminelle missbrauchen Angst vor Corona

28.03.2020 / 08:47
In der Krise tauchen neue Varianten von altbekannten Betrugsphänomenen auf - sogar bei Toilettenpapier
Maske
Maske

Aus der Angst der Menschen vor dem Coronavirus oder einer gefühlten Notlage einen Nutzen ziehen - darauf sind natürlich Kriminelle sehr erpicht und haben deshalb ihr Portfolio an Machenschaften in der Krise längst angepasst: Cyberkriminelle genauso wie die Call-Center-Betrüger und mancher an der Haustür. Verschiedene Polizeibehörden wie auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann warnen bereits eindringlich vor neuen Verbrechensphänomenen, die in diesen belastenden Zeiten aufgetaucht sind.

Da wäre etwa der erwähnte Cyberkriminelle, der das hohe Informationsbedürfnis der Bürger ausnutzt, um ihnen Schadsoftware unterzujubeln. Mehr denn je kursieren gerade E-Mails, die angeblich im Namen von Gesundheitsämtern oder gar der Weltgesundheitsorganisation ausgesendet werden. Angehängt sind dabei schädliche Dateien, die meist auf .exe oder .docx enden. Beim Öffnen können Daten ausgespäht werden oder der Computer wird verschlüsselt. Altbekannte Methoden also, die aber vielleicht den einen oder anderen besorgten Mitbürger in der angespannten Lage doch ins Verderben klicken lassen. "Auch in Zeiten von Corona gilt: Öffnen Sie keine Anhänge von unbekannten Absendern und seien Sie misstrauisch", warnt Herrmann wie die gesamte Polizei.

Eine neue Variante eines altbekannten Phänomens sind auch die Fake-Shops, in denen online gerade etwa Atemschutzmasken oder Desinfektionsmittel angepriesen werden. Nach einer Zahlung per Vorauskasse wird die versprochene Ware dann im Regelfall aber nicht geliefert, und der Shop verschwindet wieder aus dem Internet. Das musste jetzt ein Unternehmer aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen erfahren, der wie berichtet Atemmasken über die Internetseite einer polnischen Firma bestellt hatte. Die Hälfte des Bestellwerts von 160 000 Euro sollte eben per Vorkasse fließen - auf ein portugiesisches Konto. Ware kam allerdings nie in Deutschland an. Wie der geschädigte Import-Export-Unternehmer aus der Region ernüchtert feststellen musste, gab es die polnische Firma gar nicht. Schaden also 80 000 Euro. "Das ist natürlich schon eine vergleichsweise hohe Summe", sagt Hans-Peter Kammerer vom Polizeipräsidium Oberbayern-Nord, wo die Ingolstädter Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen hat.

Bis auf diesen größeren Fall ist laut Kammerer die Region allerdings bisher tatsächlich so gut wie verschont geblieben. "Vielleicht hat die frühe Warnung verschiedener Stellen etwas gebracht", reflektiert Kammerer. Angekommen sind die Warnungen dennoch nicht bei allen. Manch einer hätte vor ein paar Tagen noch geschmunzelt, wenn es um Betrug bei der Bestellung von Toilettenpapier gegangen wäre. Einer 65-Jährigen aus Beilngries ist aber genau das passiert. Sie orderte Rollen im Internet. Ware kam auch hier nie an.

Während diese Klopapier-Episode vielleicht noch zum Schmunzeln animiert, haben die Verantwortlichen für andere Formen des Coronavirus-Betrugs ganz deutliche Worte parat. "Eine besonders abstoßende und niederträchtige Vorgehensweise skrupelloser Krimineller" sei etwa die neue Art von Enkeltrick, den bandenmäßig organisierte Call-Center-Betrüger aufgelegt haben. Sie geben sich, wie in der bekannten Variante, als Angehörige der Angerufenen aus und sind dieses Mal in einer Notlage wegen einer angeblichen Covid19-Erkrankung. Sie bitten um Geld oder Wertgegenstände, die ein Freund abhole. Besonders verwerflich: Das Ziel der Betrugsversuche sind auch hier wieder ältere Menschen, die bekanntlich gesundheitlich von der Corona-Krise mit am stärksten betroffen sind.

Am weitesten verbreitet war im vergangenen Jahr im Einsatzbereich des hiesigen Polizeipräsidiums allerdings nicht mehr der Enkeltrick, sondern der "falsche Polizeibeamte", der angebliche Einbrüche in der Nachbarschaft meldete und die Angerufenen dazu animieren will, ihre Wertsachen in die "Obhut der Polizei" zu übergeben. Drei Viertel der mehr als 2000 betrügerischen Anrufe im Präsidiumsbereich liefen so ab. "Wir werden nicht müde, dieses Phänomen massiv zu bekämpfen", sagte Achim Schultheis, der oberste Verbrechensbekämpfer der Polizei im nördlichen Oberbayern, kürzlich bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik für 2019. Das gilt natürlich auch für alle Fälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Und ebenso für eine weitere Variante des Betrugsversuchs, die jetzt bekannt wurde: Kriminelle tauchen an der Haustür bei Leuten auf und geben sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus. Ihr Vorwand: Sie wollten schnell einen Coronavirus-Test machen und Räume desinfizieren. So verschaffen sie sich Zugang zu Wohnungen, um an Geld und Wertgegenstände zu gelangen. Auch davor kann die Polizei natürlich nur ausdrücklich warnen.

Von Christian Rehberger

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