Kongresse – und sonst?

02.12.2020 / 07:18
Wunsch der Stadträte: Maritim soll sich im IFG-Verwaltungsrat zum Betrieb im Kongresszentrum erklären
Rathaus Ingolstadt
Rathaus Ingolstadt
Das Rathaus in Ingolstadt (Autor: Bernd Limmer)

Von Bernd Heimerl

Ingolstadt will sich als Tagungsort profilieren und lässt sich das mit dem Bau des Kongresszentrums auf dem Gießereigelände einiges kosten. Doch werden die Schanzer auch selbst im neuen Veranstaltungssaal zum Zuge kommen – und wenn ja, zu welchem Preis? Über diese Fragen war bereits im Oktober heftig diskutiert worden, nachdem der Umstand, dass die Stadt das Management des neuen Hauses voll und ganz in die Hände der Hotelgruppe Maritim gelegt und selber nichts zu entscheiden hat, ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gelangt war. Auch in der jüngsten Sitzung des IFG-Verwaltungsrates (die städtische Gesellschaft ist Bauherr und wird das Zentrum an Maritim verpachten) kam das Thema wieder auf.

IFG-Vorstand Norbert Forster referierte über jüngste Kontakte mit der Maritim-Führung, die nach seiner Auffassung ihr Bemühen signalisiert hat, auch örtliche Interessierte bei der Belegung des Tagungszentrums zu berücksichtigen.

Es sei „gewollt, dass sich die Stadt einbringt“, sagte Forster, und dass bei Maritim „großes Verständnis und Interesse“ für die Ingolstädter Befindlichkeiten vorhanden sei. Das sei auch in einem Schreiben des Unternehmens zum Ausdruck gekommen. In der Beratungsvorlage für die IFG-Kontrolleure wurde aus der Maritim-Mitteilung so zitiert: „Der zukünftige Betreiber teilt mit, ... ,dass neben Tagungen auch viele andere Arten von Veranstaltungen Platz haben werden. Hierzu zählen insbesondere Firmen-, Familien-, Jubiläums-, Schulabschluss- und Weihnachtsfeiern.“ Auch für Faschingsbälle, so hieß es weiter, könne das Kongresszentrum genutzt werden – ganz so „wie in vielen anderen Maritim-Hotels in Deutschland“.

Nicht alle Verwaltungsräte mochten sich mit diesen letztlich doch recht allgemein gehaltenen Aussagen abfinden. Hans Achhammer (CSU) erinnerte daran, dass man bereits im Sommer darum gebeten habe, dass sich einmal ein führender Vertreter von Maritim im Aufsichtsgremium erklären möge. Nicht nur zur Belegung des Kongresszentrums durch örtliche Veranstalter habe man sich Auskünfte erhofft, sondern auch zur Einschätzung der Entwicklung bei Tagungen und Kongressen nach dem großen Corona-Einschnitt. So mancher Beobachter fragt sich seit Monaten, ob solche Tagungszentren angesichts einer erzwungenen neuen Kommunikationskultur in Wirtschaft und Gesellschaft jemals wieder so gut ausgelastet werden können wie vor der Krise.

Auch Manfred Schuhmann hieb in diese Kerbe. Er möchte vor allem wissen, ob sich heimische Vereine und Organisationen einen Festabend im Kongresszentrum überhaupt leisten können. Der SPD-Stadtrat stellte die Frage, ob bei den bisherigen Gesprächen mit Maritim schon über Preisvorstellungen geredet worden sei.

Das war laut Norbert Forster sehr wohl der Fall – allerdings noch ohne Ergebnis. Es seien bisher noch keine Zahlen genannt worden – „die Preisfindung kommt erst noch“. Maritim werde sich aber, so viel habe er bislang herausgehört, sicher den örtlichen Gegebenheiten anpassen und „keine Mondpreise verlangen“.

Tatsächlich machen Tagungshotels nach den Worten eines Branchenkenners, der nicht namentlich genannt werden möchte, ihre Forderungen stark vom örtlichen Preisgefüge, aber auch von saisonalen Effekten und vom jeweils aktuellen Nachfrageverhalten abhängig – mithin von typischen marktwirtschaftlichen Faktoren.

Vielleicht wird das dem IFG-Beirat demnächst aber doch noch aus berufenem Munde ganz offiziell erläutert. Denn auch Oberbürgermeister Christian Scharpf (SPD), der alle Absprachen und Verträge mit Maritim von der früheren CSU-geführten Stadtregierung geerbt hat, möchte mehr Klarheit. Er stellte sich hinter die Forderung einiger Aufsichtsratskollegen, einen Maritim-Vertreter anzuhören: „Man sollte jemanden kommen lassen!“

 

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