Oberbürgermeister Christian Scharpf zieht nach zwei Jahren Amtszeit Zwischenbilanz

„Kindergeburtstag“ mit ungeladenen Gästen

13.05.2022 | Stand 13.05.2022, 14:26 Uhr
−Foto: Schmatloch

Von Michael Schmatloch

Im Vergleich dazu, wie in München Politik betrieben werde, sei das in Ingolstadt ein Kindergeburtstag. So jedenfalls empfindet es Oberbürgermeister Christian Scharpf, der heute nach zwei Jahren und somit einem Drittel der Legislaturperiode Zwischenbilanz zog. Und auf die Frage, ob es ihm denn noch Spaß mache, zog er eben jenen Vergleich mit dem Kindergeburtstag. Wobei sich doch ein paar ungebetene Gäste unter die Feiernden gemischt haben, um im Bild zu bleiben. Denn mit gleich zwei ungemein wichtigen Ratsbegehren am Hals scheint die Feierlaune doch ein wenig getrübt.

Oder eben auch nicht. Denn auch wenn hartnäckig Gerüchte kursieren, Scharpf würde seine politische Zukunft vom Ausgang der Ratsbegehren zu Kammerspielen und Mittelschule Nordost abhängig machen, so machte er heute ganz und gar nicht diesen Eindruck. Selbst wenn er die beiden Begehren verlieren sollte: „Ich nehme das nicht persönlich.“

Und weil Klappern, wie schon der gute alte Volksmund weiß, nun mal zum Handwerk gehört, zog Scharpf heute umfangreich Bilanz seiner bisherigen Arbeit als Ingolstädter Oberbürgermeister. Eine Übung die nebenbei bemerkt sein Vorgänger Christan Lösel so gar nicht beherrschte. Vielleicht auch, weil er viel zu sehr hypnotisiert war von dem Schwert, das über ihm schwebte und das der Legende zum Trotz nicht Damokles gehörte, sondern Alfred Lehmann.

Selbstredend kam der Rückblick von Christian Scharpf nicht ohne Reminiszenzen auf die Ära Lösel aus. Denn vieles aus seiner Zeit musste und muss zu Ende geführt, beschleunigt oder neu auf die Gleise gesetzt werden. Scharpfs Amtsantritt war ja nicht die Stunde Null.

Auch wenn es nicht in allen Bereichen bereits Ergebnisse zu bestaunen gibt, so habe er doch den Weg vorgezeichnet, die Richtung fixiert, in die es gehen soll. Und so manch kleine Verbesserung bleibt zudem oft unter dem Radar. Wie die Einführung des Livestreams, die „anständige“ Bezahlung der GKO-Musiker die Wiedereinführung von Referenten und diversen Kümmerern oder die Installation des Pflegestützpunktes und eine Jugendparlamentes.

Andere Dinge wie die Entwicklung des Weinzierl-Geländes oder die never ending Story um die Innenstadt füllen die Pipeline. Ebenso wie Viktualienmarkt und eben jene beiden großen Vorhaben Kammerspiele und Mittelschule Nordost.

Während diese beiden Fragen letztlich die Bürger lösen werden, bliebt es Scharpfs Aufgabe, die Stadt strategisch weiterzuentwickeln und ihr ein Image zu verpassen, dass man gerne zitiert. Für Scharpf hat Ingolstadt, wie er heute sagte, nicht einmal ein schlechtes Image, sondern schlicht gar keines. Und ein Nicht-Image sei übler als ein schlechtes Image. Denn das richtige Image sei auch maßgeblich für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Stadt.

Dafür wiederum seien Leuchtturmprojekte wichtig, wie es die Kammerspiele eines sein könnten, in denen Scharpf mehr das neue „Kleine Haus“ und ein Haus der Kulturen sieht. Sollten die nun abhängig vom Bürgervotum nicht gebaut werden, tritt für Scharpf Plan B in Kraft. Will sagen: Ein temporäres Theaterzelt, das er mit rund 12 Millionen Euro veranschlagt. Denn die Generalsanierung des Stadttheaters will er jetzt jedenfalls mit Gewalt forcieren, bevor die Preise noch weiter in die Höhe schießen. Und eines ist für ihn auch klar: Kommen die Kammerspiele nicht an den vorgesehenen Ort, wird es keine geben. „Ein Rückschlag“, wie Scharpf einräumt, der er indes nicht persönlich nehmen würde. Die Kammerspiele seien, nachdem sich die Stadt seit dem Bau des Stadttheaters von 70 000 auf 140 000 Einwohner entwickelt habe, für ihn alles andere als ein Luxus.

Sechs DIN-A-4-Seiten umfassen die Stichpunkte, mit denen Christan Scharpf seien Arbeit als OB in den letzten beiden Jahren beschreibt. Und 70 bis 80 Prozent seiner Wahlversprechen habe er damit eingehalten. Was ihm ein Gefühl von Zufriedenheit vermittelt. „Auch wenn es mir an der einen oder anderen Stelle zu langsam geht.“