"Keine Altstadt ist so langweilig!"

31.07.2020 / 09:01
Auf Facebook wird ausgiebig Kritik zum Thema Innenstadt geübt - OB Scharpf moniert das Schlechtreden
Ingolstadt
Ingolstadt (Autor: oh)

(ty)  Jeder Ingolstädter ein potenzieller Markenbotschafter: Daran solle man arbeiten, anstatt die Stadt immer schlechtzureden - wie auf Facebook, wünschte sich OB Christian Scharpf nach dem Runden Tisch Innenstadt.

Sind die Schanzer wirklich Miesmacher, die kein gutes Haar an ihrer Heimatstadt lassen? Die bloß immer nur granteln und lamentieren, vor allem über die Parkplatzsituation?

Das könnte man meinen, stöbert man in den Kommentaren mancher Facebook-Gruppen. Da schreibt beispielsweise eine Frau: "In der Innenstadt ist nichts los, und Händler und Stadt tun wenig, um die Stadt attraktiv zu machen. Veranstaltungen werden immer mehr aus der Stadt rausgeholt. Die Parkplätze sind rar, die Tiefgarage teils horrend teuer. Die Händler haben unterschiedlichste Öffnungszeiten, wenn man Pech hat, steht man einfach vor verschlossener Tür. "

Vor einigen Wochen rief eine aufgebrachte Frau in der Redaktion an, die nachmittags Appetit auf Fisch bekam, aber Nordsee in der Moritzstraße hatte schon zugesperrt. Wir haben im Internet nachgeschaut: Die Filiale im Westpark war geöffnet, die in der Innenstadt tatsächlich geschlossen. Einheitliche Öffnungszeiten - damit kann die Stadt auch nach jahrzehntelangen Diskussionen immer noch nicht punkten.

Hohe Wellen schlug im Netz die Tedi-Eröffnung in der Moritzstraße: "Traurig, Ingolstadt verkommt zur Ramsch-City. Und fett Parkgebühren zahlen, ihr habt es drauf", schreibt ein Mann. Ähnlich andere Reaktionen: "Ingolstadts Weg zur Stadt mit der billigsten Fußgängerzone ist ohnehin längst geebnet. " Oder: "Was ist nur aus unserer Fußgängerzone geworden? Nur Ramschläden, keine schönen Geschäfte mehr, alles ziemlich anspruchslos. Da hat man keine Lust mehr, in die Innenstadt stoppen zu gehen. "

Ein anderer Nutzer schreibt sich nach der Absage von Ikea den Frust von der Seele: "Krankhafte Wiederbelebungsversuche einer durch katastrophale Parkplatzbedingungen zum Verenden verurteilte Innenstadt Ruhe sanft!"

Die Parksituation - eine unendliche Geschichte. Ein Kommentator spricht vielen aus der Seele: "Ich denke, man kann sich darauf einigen, dass die hohen Parkgebühren nicht so recht zu dem eher spärlichen Angebot der Innenstadt passen. " Aber ist wirklich nichts geboten? Auf dem Paradeplatz lädt IN-City gerade zum Stadturlaub ein: Künstler treten auf, DJs mixen Musik, für die Kinder gibt es eine Düne, Kasperltheater oder Yoga. Das muss doch gut ankommen? Nicht bei jedem: "Auf 200 Quadratmetern mit Zaun und ?Wärter' ähnelt es eher dem Hofgang eines amerikanischen Gefängnisses. " Ein anderer weiß Rat: "Wenn du einen schönen Tag haben willst, fährste nach München, Neuburg oder Nürnberg. " Ingolstadt könne von anderen Städten lernen, meinen etliche Facebook-Nutzer: "Die müssten sich vielleicht mal Berater holen aus Regensburg oder Landshut oder Straubing oder Rosenheim oder Beilngries oder, oder. Kenne eigentlich keine Altstadt, die so langweilig ist wie Ingolstadt! Kein Flair, keine Gastronomie, wo man abends schön flanieren kann. Die paar Lokale, die da sind, sind immer voll. Einfach nur schade um die Stadt. " Ein anderer Mann meint: "Wie man mit Gewalt diese schöne Altstadt kaputt macht. Einst Nabel der Welt, heute das Abstellgleis des Einzelhandels . . . Da Kini dad se fia eich schamma! "

Unsere Redaktion hat versucht, mit einigen Kommentatoren Kontakt aufzunehmen. Michael Neumayer aus Riedenburg hat sich prompt zurückgemeldet. Er erinnert sich an seine Kindheit: "Uns hat es nicht nach Regensburg, sondern nach Ingolstadt gezogen. Da war was los in der Fußgängerzone! Wir sind zum Einkaufen zum Wagner oder Hertie gegangen. Aber seit es den Westpark gibt, geht es rapide bergab mit der Innenstadt", meint der 54-Jährige. Er erzählt, vor drei Jahren habe er einmal Gästen aus Japan Ingolstadt zeigen wollen. "Da habe ich mich richtig geschämt. Sie haben höflich reagiert. In Regensburg waren sie richtig happy. "

Neumayer sagt, ihm gefalle es in Ingolstadt einfach nicht mehr. "Es gibt schöne Altstadtgebäude, aber die müsste man besser ins Licht rücken. Die Hülle passt, aber das Innenleben stimmt nicht mehr. Da ist kein Ambiente mehr da. "

Aber trifft das zu? Selbst John Quinn, Boss von Ingolstadt Village, hat neulich im Gespräch mit dem DK die schönen Hausfassaden in der Innenstadt gelobt. Da kann das Village mit seiner Architektur nicht mithalten. Und nicht nur Quinn, sondern auch Hotelbesitzer und Investor Jürgen Kellerhals meint, Ingolstadt mache zu wenig aus seinem Kapital.

Vom Potenzial der Stadt ist auch Hermine Siering-Biber, Inhaberin von Atelier 2000 in der Mauthstraße, überzeugt. Ihr gefallen besonders die schönen Altstadthäuser und der Grünring. "Darum verstehe ich die Ablehnung vieler Einheimischer nicht", sagt die 71-jährige Einzelhändlerin für Schmuck und Accessoires. "Mich stört diese ewige Meckerei der Ingolstädter. " Sie habe Kunden aus Nordrhein-Westfalen, die kämen jedes Jahr auf dem Weg in den Urlaub vorbei und seien ganz begeistert von Ingolstadt mit seinen Geschäften und Museen, so Siering-Biber. "Auch Kunden aus München sagen: ?In Ingolstadt bekommen wir alles und haben weniger Stress. ' Es ist bei uns halt alles gemütlicher und überschaubarer. " So eine Markenbotschafterin wünscht sich der OB.
 

Suzanne Schattenhofer
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