Aktion in Pfaffenhofener Krankenhaus
In der Teddyklinik lernen Kinder spielerisch die medizinische Versorgung kennen

16.05.2024 | Stand 16.05.2024, 7:02 Uhr

Genau wie in der echten Klinik-Aufnahme: Kuscheltier Luchs ist krank, deshalb braucht das Personal der Ilmtalklinik die wichtigsten Eckdaten: Julia (links) misst, wie groß er ist. Fotos: Brenner

„Wie heißt dein Schaf?“ , fragt Krankenpflegerin Tanja Räker. „Schaf“, antwortet die sechsjährige Laura mit einer Selbstverständlichkeit, die nur Kinder haben. Schaf ist krank und musste deshalb am Mittwoch zur Teddyklinik in der neuen Pflegeschule auf dem Areal der Pfaffenhofener Ilmtalklinik.



Schaf ist nicht der einzige Patient. Auch ein Luchs, eine Schildkröte und viele andere Lieblingskuscheltiere werden gemessen, gewogen, geröntgt und fachgemäß versorgt – und zwar von den Kindern selbst unter Anleitung des Fachpersonals der Ilmtalklinik. Die Klinik-Aktion für Kindergartenkinder soll den Mädchen und Jungen die Angst vor einem Arztbesuch nehmen und einen kindgerechten Blick hinter die Kulissen eines Krankenhauses ermöglichen.



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Echtes Verbandszeug für die Kuscheltiere



Laura bekommt ein Stethoskop zur Diagnose. „Was tut Schaf denn weh?“, fragt Räker. „Eigentlich das Bein ein bisschen“, antwortet die Sechsjährige. Das sei nach dem Wandern bei einem Ausflug passiert. Räker nickt ernst und drückt Laura das Maßband in die Hand. 31 Zentimeter. „Hmm, ich glaube, röntgen müssen wir nicht“, überlegt Räker. „Aber Schaf sollte auf jeden Fall verbunden werden.“ Sie schickt Laura zum Versorgungstisch, auf dem echtes Verbandszeug und Pflaster auf die Kuscheltiere warten.

Erzieherin Andrea Dietz ist von der Aktion begeistert. Gerade erst sei sie mit ihrer Gruppe beim Roten Kreuz gewesen, um etwas über Notsituationen zu lernen, „damit sie wissen, was sie tun können und wo sie anrufen müssen“. Da komme die Teddyklinik wie gerufen. „Wir können direkt an das Gelernte anknüpfen.“



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Jedes halbe Jahr soll die Teddyklinik stattfinden



Die Aktion soll nun halbjährlich für Kindergärten im Landkreis stattfinden, sagt Pflegekraft und Kliniksprecherin Räker. Sie komme gut an, auch von Grundschulen gebe es inzwischen Anfragen. „Vielleicht bieten wir hier künftig auch etwas an, das könnte dann mehr in Richtung erste Hilfe gehen.“

An der Versorgungsstation steht auch Carlos (6) mit seiner Schildkröte – ihr Name ist Schildkröte. Fachkraft Zaineb Boughanmi hat gerade die Diagnose gestellt: Das KuschelReptil ist total dehydriert. Schnell setzt Boughanmi einen intravenösen Zugang. Carlos hilft ihr, den Schlauch zu halten. „Und verletzt ist sie auch“, diagnostiziert Boughanmi. „Kannst du ihr den Verband anlegen?“ Klar kann er. Die Mullbinden sind für den flauschigen Patienten zu groß, deshalb umwickelt Carlos den Fuß vorsichtig mit einem dünnen Pflasterband.

Auch Laura hilft bei der Verarztung von Schaf, genau wie ihre Freundin Julia (6), die per Stethoskop ihren braunschwarz-getupften Kuscheltier-Luchs „Luchs“ abhört, der bei ihr im Bett schlafen darf. „Er hat einen Unfall gehabt“, berichtet sie. Schnell ist klar: Es könnte ernst sein. Luchs muss, genau wie Schildkröte, an die Röntgenstation. Die ist natürlich weit weniger beängstigend als die echte Variante. Liebevoll dekoriert mit Kuscheltier-Röntgenbildern, blinkt eine Lichterkette, sobald Luchs – streng bewacht von Julia – in der Röhre liegt.

Gummibärchen und Smarties als Medizin



Nach dem Röntgen wird es ernst. Fachpersonal und Kinder schauen die Ergebnisse an. Entwarnung für Luchs: Eine OP ist nicht nötig.

Laura und Julia gehen zur Medikamentenausgabe, wo eine Fachkraft die „Pillen“ genau abzählt und in Plastikbehälter füllt. Luchs bekommt drei Smarties und ein Gummibärchen, bei Schaf ist es ein Smartie mehr. Laura weiß genau, was sie zu tun hat: „In einer Woche nehme ich den Verband ab.“

PK