Hoffen auf Audi und VW

05.07.2020 / 09:04
Private-Wings-Geschäftsführer Peter Paul Gatz: "Noch halten wir durch" - Viele Angestellte wurden entlassen
Manching
Manching (Autor: Schalles)

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf den Flugplatz Manching. Zumindest auf den Betrieb von Private Wings. Geschäftsführer Peter Paul Gatz bestätigte, dass wegen der wirtschaftlichen Situation "knapp 20 Prozent der Angestellten" entlassen worden sind. Und er malt ein düsteres Szenario an die Wand: "Wenn sich die Lage nach den Sommerferien nicht entspannt, wird es ganz eng. " Gatz schließt dann eine Standortschließung nicht aus.

Private Wings wurde von Gatz und Andreas Wagner 1991 in Berlin gegründet. Dort befindet sich auch der Hauptsitz. Manching ist laut Gatz der Hauptstandort. Hier waren zuletzt Shuttleflüge für die Automobilindustrie, also für Audi und Volkswagen, das Kerngeschäft. Im Portfolio sind aber auch andere geschäftliche Charter- sowie Frachtflüge.

Corona hat das Geschäft nahezu zusammenbrechen lassen. "Im gesamten April hatten wir exakt einen Flug", sagt Gatz. Sonst seien es mehrere Hundert. "Uns ergeht es genauso wie der Lufthansa und anderen Fluggesellschaften. " Und er habe von Großkunden gehört, einige wollten in Bezug auf die Flüge nach Corona "nicht mehr zu alter Stärke" zurückkehren.

Kündigungen unter den rund 70 Mitarbeitern waren laut Gatz unumgänglich. "Boden- oder Reinigungspersonal, auch Piloten mussten coronabedingt gekündigt werden. Wir brauchen zum Beispiel nicht so viele Servicetechniker wie bisher, wenn unsere Flugzeuge nicht regelmäßig fliegen, sondern nur am Boden stehen. " Einen Teil der Flotte hat Private Wings inzwischen in Oberpfaffenhofen "dauerhaft abgestellt". In Manching stehen laut Gatz "noch fünf, sechs flugfähige Maschinen". Private Wings verfügt insgesamt über zwölf Flugzeuge. "Noch halten wir durch" betont der Geschäftsführer. "Wir hoffen aber auf Audi und VW. "

Der Ingolstädter Autohersteller fliegt seit dem 1. Juli wieder, wenn auch eingeschränkt. "Vorerst wird nur Braunschweig angeflogen, das ist die Route mit dem größten Bedarf", sagt Sprecher Joachim Cordshagen. Dass weniger geflogen wird, liege aber nicht am Werksbetrieb. Schließlich laufen inzwischen wieder sechs Schichten. Eine Pause gebe es im Betriebsurlaub von Audi zwischen dem 27. Juli und dem 28. August. "Ab September", so Cordshagen, "werden wieder alle drei Routen, also nach Braunschweig, Brüssel und Gyor, geflogen."

Der Sprecher verweist darauf, dass der Flugplatz "Corona-ready" sei, dass also alle Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. Zur Palette an Maßnahmen zählt, dass maximal 20 Plätze pro Flugzeug (bisher 32) belegt werden und auch nur die Fensterreihen. Maskenpflicht herrsche am Terminal, im Flieger, im Bus und für Personal mit Kontakt. Zudem gibt es eine Datenerfassung, wer wann wo saß. Catering gebe es nicht. Die Umluftklimageräte seien ausgeschaltet, täglich würden alle Kontaktflächen gereinigt.

Fest steht aber: Es werden nur notwendige Reisen stattfinden. "Da wird in Zukunft viel öfters mit dem Vorgesetzten gesprochen, ob eine Reise wirklich sein muss. " Cordshagen nennt es "bedarfsgerecht" und betont, dass sich das Reiseverhalten geändert habe. "Weil vieles über Skype, Videokonferenzen oder Telefon abgewickelt wird."

In der momentanen Situation wäre, so lässt Gatz durchblicken, von Vorteil, dürften in Manching auch Urlaubsflüge starten. Diese sind aber nicht erlaubt. Im Gegensatz zu Flügen für Vereine. "Den FC Bayern haben wir zuletzt geflogen, als die Meisterschaft nach dem Spiel in Bremen sicher war. Wir haben aber auch schon den FC Schalke 04 geflogen", erzählt Gatz. Den FC Ingolstadt ebenso. Der Standort Manching wäre für die Region 10 ein idealer Urlaubs-Flugplatz. Solche Flüge gab es schon: "Vor ein paar Jahren sind wir nach Aosta geflogen. Die Passagiere mussten aber nach Augsburg fahren und dort zusteigen, weil es in Manching nicht zugelassen ist. " Das Flugzeug flog damals stets leer von Manching nach Augsburg. Die aktuellen Bestimmungen unterbinden solche Flüge. Daher braucht Private Wings vor allem die Shuttleflüge.

Von der Krise betroffen ist auch die IMA. Sie ist Betreiber des zivilen Teils des Militärflugplatzes Ingolstadt-Manching und zuständig für die Abwicklung aller An- und Abflüge von Geschäftsreiseflugzeugen sowie der An- und Abflüge der am Flugplatz stationierten zivilen Luftfahrzeuge (außer Flugsportgruppen). "Der Einbruch ist drastisch", sagt IMA-Chef Peter Baustetter und ergänzt: "Aber es ist noch nicht dramatisch. Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet, da lässt sich eine Durststrecke schon mal überwinden. Aber natürlich nicht unendlich lange. " 

Baustetter sagt, durch die Corona-Krise seien 80 Prozent des normalen Umsatzes weggebrochen. Für ihn wäre es wünschenswert, wenn der Betrieb "spätestens im kommenden Jahr wieder ganz normal" laufen würde. Natürlich gerne auch schon ab September. Den August, während der Audi-Werksferien, nutzt die Bundeswehr für Renovierungsmaßnahmen. Baustetter: "Da steht nur die Nordbahn zur Verfügung und die auch nur eingeschränkt. Es dürfen in dieser Zeit auch keine größeren Flugzeuge starten.

Von Oliver Konze

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