Sensationeller Fund
Genagelter „Stollen“-Schuh aus Oberstimm: Landesamt für Denkmalpflege präsentiert Röntgenbild

19.06.2024 | Stand 19.06.2024, 16:08 Uhr |

Das Original-Fundstück aus dem Jahr 2022 aus Oberstimm. Fotos: Regel, BLfD

Es brauchte eine Röntgenuntersuchung in den Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Dann aber stand fest: Beim Fund aus Oberstimm handelt es sich um Reste einer römischen Sandale.



Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) spricht bei diesem „genagelten ,Stollen‘-Schuh“ von einer „antiken Überraschung“.

Der archäologische Fund von 2022 aus dem Manchinger Ortsteil Oberstimm (Landkreis Pfaffenhofen) weckt besonders während der laufenden Fußball-Europameisterschaft Assoziationen – mit seiner genagelten Schuhsohle. Hat man vielleicht schon damals mit gutem Schuhwerk nach runden Spielgeräten getreten?

Schuhsohle mit gut erhaltenen Nägeln

Bei Ausgrabungen kamen laut BLfD Spuren einer zivilen Siedlung rund um ein römisches Hilfstruppenkastell aus der Zeit zwischen 60 und 130 nach Christus ans Licht. Das Archäologen-Team stieß, wie sich erst später herausstellte, auf eine Seltenheit: Reste einer Schuhsohle mit gut erhaltenen Nägeln.

„Überraschungsfunde wie die Schuhsohle aus Oberstimm verdeutlichen immer wieder, dass auch nach Abschluss archäologischer Grabungen wertvolle Informationen gesammelt werden. Das unterstreicht die unschätzbare Arbeit unserer Restauratorinnen und Restauratoren“, sagt Mathias Pfeil, Generalkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Die Funde, darunter typische römische Keramik wie Terra sigillata, Speiseabfälle, Werkzeuge und Trachtbestandteile, wurden nach den Ausgrabungen im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege untersucht und versorgt, um sie vor weiterem Verfall zu schützen. In einem gebogenen und stark korrodierten Fundstück aus Metall, wurden zunächst die Überreste einer Sichel vermutet. Nun stellte sich bei den Röntgenaufnahmen in den Werkstätten des BLfD heraus, dass es sich um Teile einer genagelten Schuhsohle handelt. Getragen wurde der Schuh vermutlich von einer erwachsenen Person. Die eisernen Nägel dienten zur Verstärkung und Fixierung der Ledersohle. Wie moderne „Stollen“ verliehen sie dem Schuh Stabilität und Trittfestigkeit beim Laufen durch unwegsames Gelände.

Hauptsächlich von römischen Soldaten getragen

„Sogenannte Caligae wurden in der römischen Kaiserzeit hauptsächlich von römischen Soldaten getragen. Der Fund verdeutlicht, dass die Praktiken, Lebensweisen und eben auch die Kleidung, die die Römer nach Bayern mitbrachten, von den Menschen vor Ort übernommen wurden“, sagt Amira Adaileh, Referentin am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Einzelne Schuhnägel finden sich sehr häufig auf römischen Fundstellen – im Verbund mit Resten der ledernen Sohle bleiben sie aber nur unter speziellen Voraussetzungen erhalten. So stammt die Oberstimmer Sohle etwa aus einem Brunnen. Vergleichbare Funde sind deshalb in Bayern bislang nur aus einer Handvoll Fundstellen bekannt und geben wertvolle Einblicke in die römische Alltagskultur und Handwerkskunst.