Wasserwacht Ingolstadt klagt über Personalmangel am Seeufer

„Für Wachdienst brauchen wir mehr Leute“

30.06.2022 | Stand 30.06.2022, 7:35 Uhr
−Foto: BRK Ingolstadt

Von Michael Brandl

Die Ingolstädter Wasserwacht hat kürzlich neuen ehrenamtlichen Nachwuchs ausgebildet. Personaltechnisch ist sie für Alarmierungen gut gerüstet. Für den Wachdienst an den Seen im Sommer braucht die Rettungseinheit aber dringend weitere Kräfte.
„Vermisster Schwimmer schaut bei seiner eigenen Suchaktion zu“ lautete kürzlich eine Schlagzeile, nachdem bekannt geworden war, dass dessen plötzliches Verschwinden im Baggersee einen Großeinsatz von Rettungstauchern und Feuerwehr ausgelöst hatte. Der Sportler, der ein Training absolvierte, war schlicht so schnell unterwegs, dass Beobachter am Ufer ihn aus den Augen verloren hatten und glaubten, er sei untergegangen.
Nicht immer enden Vorfälle so glimpflich, wenn die Wasserrettung ausrücken muss. In den vergangenen Jahren kam es auch in Ingolstadt und Umgebung immer wieder einmal zu tödlichen Badeunfällen, so etwa Ende Juni 2021, als ein 22-jähriger Asylbewerber im Auwaldsee ertrank. In dieser Badesaison blieben derartige Unglücke bisher aus. „In Ingolstadt und der Region gab es bis jetzt keinen Ertrinkungsfall. Zumindest keinen, bei dem die Wasserwacht ausrücken musste“, sagt Alexander Wecker, Vorsitzender der Wasserwacht Ingolstadt beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Die Zahl der Einsätze liege mit insgesamt 78 (Stand 27. Juni) dennoch hoch. „Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine extreme Mehrung. Vor allem bei Fällen, wo Erste Hilfe geleistet wurde“, sagt er. Allein 14 Rettungen aus Gefahrenlagen habe es beim Triathlon gegeben. Die Schnelleinsatzgruppe (SEG) sei bislang fünf Mal ausgerückt, berichtet er.
Da ist es wichtig, dass die Wasserwacht, die derzeit über rund 60 aktive Mitglieder verfügt, auf sorgfältig ausgebildete ehrenamtliche Rettungsschwimmer und Wasserretter zurückgreifen kann. Erst am vergangenen Wochenende haben neun Aktive der Gaimersheimer und Ingolstädter Wasserwacht ihre Ausbildung zum Rettungsschwimmer im Wasserrettungsdienst erfolgreich durchlaufen, wie das BRK mitteilt. Eine Aufgabe bestand darin, eine vermeintlich bewusstlose Person mithilfe eines Rettungsgerätes aus dem See zu befördern. Wecker spricht von einer „guten, motivierten Truppe“, die der Wasserwacht damit zur Verfügung steht. Derzeit müssten wegen der großen Zahl an Veranstaltungen aber auch viele Absicherungen geleistet werden. „Allein am vergangenen Wochenende waren es sechs Veranstaltungen. Da ist aber noch kein Einsatz bei Alarmierung durch die integrierte Leitstelle dabei. Das ist dann schon sportlich“, sagt er. 
Für Einsätze bei Alarm sei man „gut aufgestellt“, so Wecker. Hier liege man nie unter neun Einsatzkräften. „Aber für den Wachdienst brauchen wir mehr Leute“, sagt er. Am Baggersee etwa ist die Wasserwacht mit einer eigenen Wachstation präsent. Diese sei während der Saison sonntags immer besetzt. Anders verhalte es sich am Auwaldsee und am Schafirrsee bei Gerolfing. „Den Auwaldsee können wir derzeit nicht besetzen. Wir sind aber bestrebt, dies zu verbessern“, erklärt Wecker.
Abhängig ist dies offensichtlich nicht nur von genügend Personal, sondern auch von den Begebenheiten vor Ort und dem Zustand der Gewässer. So stehe am Auwaldsee für die Nutzung als Wachstation kein adäquates Gebäude zur Verfügung, und am Baggersee sei das östliche Ufer, wo sich viele Badegäste aufhielten, derart zugewachsen, dass das Hinausfahren mit dem Rettungsboot ein „großes Problem“ darstelle, wie Wecker beklagt. Selbst Rettungsübungen würden durch den starken Bewuchs erschwert. „Wie sollen die Retter ihren Dienst verrichten, wenn sie selbst nicht ins Wasser können“, fragt er deshalb und erklärt: „Das dauert unter diesen Umständen dann zehn Mal so lange.“ Gespräche mit der Stadt über die Verbesserung der Situation seien im Gange, ergänzt er.