"Es wird nicht so laufen, wie wir es geplant haben"

14.07.2020 / 08:25
Wird das Kongresszentrum nach der Corona-Krise gar nicht so oft belegt sein?
Hotel
Hotel (Autor: Schalles)

(ty) Es ist ein Prestigeprojekt der Stadt, das Ingolstadts Bedeutung als aufstrebende Großstadt weithin sichtbar machen soll, und es soll auch einen Beitrag dazu leisten, die Altstadt zu beleben: Mit dem Kongresszentrum und dem angeschlossenen Luxushotel auf dem Gießereigelände hat die große Mehrheit der Stadträte seit Jahren viele Hoffnungen verbunden. Doch werden die sich in und nach der Corona-Krise auch erfüllen? Im Verwaltungsrat des Bauherrn IFG sind einige Zweifel geäußert worden.

Keine Frage: Das private und berufliche Verhalten vieler Menschen hat sich in Zeiten der Pandemie bereits enorm gewandelt und wird sich vermutlich auch langfristig ändern. Großveranstaltungen stehen noch länger unter einem Fragezeichen, und ob Unternehmen, Verbände und Vereinigungen in absehbarer Zeit noch Kongresse nach altem Muster abhalten werden, weiß heute so recht noch keiner. Das könnte auf das gerade mit Millionenaufwand entstehende Tagungszentrum neben dem Neuen Schloss durchaus spürbare Auswirkungen haben.

"Mit dem Wissen um Corona wäre die Diskussion ums Kongresszentrum eine andere gewesen", befand im Beirat Ex-Bürgermeister Albert Wittmann. Der jetzige CSU-Stadtrat prognostizierte spürbare Einschnitte bei der vormals mit hohen Erwartungen belegten Auslastung: "Es wird nicht so laufen, wie wir es geplant haben."

IFG-Vorstand Norbert Forster dürfe dieser Zwischenruf nicht recht gefallen haben. Hatte er doch gerade den Aufsichtsräten aus dem Stadtrat wieder mal heruntergerasselt, welche Fortschritte der gewaltigen Neubaukomplex an der Donau seit der vorigen Sitzung gemacht hat. Auf der Baustelle ist demnach alles im Soll, an der für Ende 2021 anvisierten Eröffnung von Hotel und Kongresszentrum müsse derzeit nicht gerüttelt werden, so der für die Großprojekte der städtischen Gesellschaft zuständige Manager. Doch was kommt danach?

Forster zeigte sich zunächst mal zuversichtlich, dass die IFG und damit die Stadt, was die Belegung des Veranstaltungszentrums angeht, fürs Erste aus dem Schneider ist: Dafür ist nämlich laut vertraglicher Regelung in erster Linie der Hotelbetreiber Maritim zuständig. Der unterhält nach Informationen der IFG ein weltweites Netz von Werbern für seine in etlichen Großstädten angesiedelten Kongresszentren. Das alles hat nach den bisherigen Spielregeln dieses Marktes wohl auch ganz gut geklappt - doch Corona hatte da eben noch niemand auf dem Schirm.

"Was ist denn, wenn Maritim nach einer weiteren Coronawelle den Laden dicht macht?", fragte BGI-Stadtrat Christian Lange, ehemals einer der erbittertsten Gegner des Hotelprojekts, in die Runde und ganz speziell auch an den IFG-Vorstand gewandt. Für einen solchen Fall, so Lange, brauche es einen "Plan B", den es mit dem Betreiber zu entwickeln gelte.

Grünen-Fraktionschef Christian Höbusch forschte in dieselbe Richtung, sprach von einem "sehr engen Nutzungssegment", in dem man sich mit einem solchen quasi überregionalen Tagungszentrum bewege. Höbusch: "Wie vermarkten wir das? Ist die ITK (städtische Tourismusgesellschaft) da auch unterwegs?"

Hans Achhammer (CSU) hatte angesichts des Baufortschrittes schon eingangs der Diskussion von den IFG-Verantwortlichen Aufschluss über das Nutzungskonzept gewünscht, war aber auf die Verantwortlichkeit von Maritim verwiesen worden. "Noch haben wir Sicherheit", konstatierte Norbert Forster, der mehrfach auf den besagten Vertrag verwies. Der IFG-Chef zeigte sich aber bereit, in einer der nächsten Verwaltungsratssitzungen einen Verantwortlichen der Hotelkette aufzubieten, damit dieser aus erster Hand berichten kann, welche Erwartungen ins Kongresszentrum auch nach einem erhofften Abebben der Epidemie noch zu erfüllen sind.

Vor zu viel Schwarzmalerei warnten die SPD-Vertreter Jörg Schlagbauer und Manfred Schuhmann. Schlagbauer erinnerte daran, dass die Kongresslandschaft auch schon vor Corona-Zeiten Veränderungen unterworfen war, auf die sich erfahrene Veranstaltungsmanager längst eingestellt hätten. Seine eigene Erfahrung sage zudem, dass viele Interessierte längst an einem günstigeren Tagungsort in der Mitte Bayerns, eben zwischen den teureren Pflastern München und Nürnberg, interessiert seien. Manfred Schuhmann unterstrich das noch: Man dürfe "die Chancen nicht außer Acht lassen, die Ingolstadt wegen seiner geografischen Lage hat".

Auch CSU-Fraktionschef und Landtagsabgeordneter Alfred Grob war bemüht, die zuvor von seinen Fraktionskollegen geäußerte Skepsis etwas zu relativieren. Ingolstadt habe grundsätzlich "riesengroße Perspektiven", sich als Treffpunkt auch für Menschen von außerhalb zu etablieren, so sein Urteil. Allerdings müsse man auch etwas dafür tun, das Image als "Nachtschattengewächs auf der touristischen Landkarte" endlich abzulegen.

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