Es werden harte Zeiten kommen nach Corona - Ein Kommentar von Michael Schmatloch

25.03.2020 / 09:45
Wie ein Brief in Wahlkampfzeiten die Gemüter erregen kann
Rathaus
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Neues Rathaus (Autor: Schmatloch)

(ty) Die Nerven liegen blank im Countdown der Stichwahl zum Oberbürgermeister von Ingolstadt. Sowohl bei Titelverteidiger Christian Lösel als auch bei Herausforderer Christian Scharpf. Weil Christian Lösel, durch die Corona-Krise jäh aus dem Wahlkampfmodus herausgerissen, sich beinahe rund um die Uhr als Krisenmanager bewähren und sich um Wohl und Wehe der Bürger und der heimischen Wirtschaft kümmern muss, was er auch mit Bravour tut, bleibt ihm keine Zeit, für seine Wiederwahl zu kämpfen. 

Deswegen hat er einen Brief an die Ingolstädter Bürger geschrieben, in dem er um Verständnis wirbt, dass es ihm die krisenhaften Zeiten nicht erlauben, sich um seine Wiederwahl zu kümmern. Und er mahnt, dass es sich bei dieser Stichwahl um eine Richtungsentscheidung handle zwischen bürgerlicher Mitte und einem rot-rot-grünen Bündnis. "Die Frage, wer künftig Oberbürgermeister von Ingolstadt ist, ist gerade für die Krisenbewältigung und in Folge für den Erhalt unserer Arbeitsplätze, für die Wahrung unseres Wohlstands von existenzieller Bedeutung."

Das wiederum bringt Christian Scharpf dazu, ihm „Lagerdenken“ vorzuwerfen und seinerseits den „Geist der Erneuerung“ zu beschwören. Doch gerade Scharpf, die Mutter allen Lagerdenkens, hat sozusagen sein Bett gemacht, in dem so ziemlich alle Platz finden, die gewillt sind, jenem „Geist der Erneuerung“ zu huldigen: Grüne, Linke, BGI, ÖDP und UDI. Alle jene also, die, kaum hatte Christian Lösel 2014 seinen Amtseid abgelegt, bereits lauthals riefen: „Lösel muss weg.“ Und die nun ihrerseits auf ein wenig „Dankbarkeit“ hoffen, sollte Scharpf die Wahl für ich entscheiden. Für die Befriedigung der eigenen Eitelkeit oder zur Linderung wirtschaftlicher Not, die öfter als man glauben mag die Kommunalpolitik als sicheren Hafen begreift.

Diese Lagerbildung unter den vermeintlich schützenden Händen des Geistes der Erneuerung ist jedenfalls weiß Gott kein One-Night-Stand, sondern eine formidable Partnerschaft. Oder politisch gesehen eben ein Lager.

Doch egal, wer nun die Wahl gewinnt, die städtische Politik der nächsten Jahre wird maßgeblich von der Aufarbeitung der Kollateralschäden bestimmt sein, die die Corona-Krise hinterlässt. Und darauf hinzuweisen, wie Lösel es auch in seinem Brief getan hat, dass Ingolstadt viele Wunden davontragen wird, hat nichts mit einem Horror-Szenario zu tun, sondern mit dem Blick in eine Zukunft, die man mit hoffnungsvollem Wunschdenken kaum in den Griff bekommen wird. Es werden harte Zeiten kommen nach Corona. Wirtschaftlich wird eine neue Zeitrechnung anbrechen für das erfolgsverwöhnte Ingolstadt. Zumal ab Mai ein Stadtrat das Sagen hat, der weder über verlässliche Mehrheiten verfügt, noch – in großen Teilen – über die nötige Kompetenz. Tutti frutti statt beruhigendem Miteinander.

Als Schanzer sagt man gerne: „Das Dümmste, was es in Ingolstadt gibt, das sind die Ampeln.“ Man kann nur hoffen, dieser Satz möge seine Gültigkeit behalten. 

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