Hallen-Trial in Ingolstadt

Nach einem dramatischen Finale sichert sich Franz Kadlec erstmals den Sieg

22.01.2023 | Stand 23.01.2023, 21:26 Uhr
Erhard Wallenäffer

Behielt die Nerven: Trial-Sieger Franz Kadlec leistete sich die wenigstens Fehler aller neun Fahrer. Foto: Rimmelspacher

Wer kennt ihn nicht, den Spruch vom „verflixten siebten Mal“? Franz Kadlec dürfte dieser seit Samstagabend gleichgültig sein, hat er doch im siebten Anlauf endlich den Sieg beim „ADAC Hallen-Trial“ eingeheimst.



Als „ewiger Zweiter“ nahm er den Wettbewerb in Ingolstadt auf, der seine letzte Chance war. Der 25-Jährige aus Reichersbeuern will von nun an aus beruflichen Gründen kürzer treten – umso größer war die Freude bei ihm selbst, bei den Fans und auch bei den Organisatoren. „Hochverdient“ – dieses Wort war in der Saturn-Arena immer wieder zu hören. Klar, dass der „Franzi“ frenetisch gefeiert wurde.

„Jetzad: Ois wos geht! Einfach nur nauf!“ Ausgelassen antwortete Kadlec auf die Frage, was ihm denn durch den Kopf ging, als er in der letzten Sektion vor dem „gefürchteten A“ stand. 2,2 Meter hoch ist es und wie ein „A“ nun mal ausschaut: Extrem steil ist die Flanke – der Fahrer blickt auf eine mächtige Wand aus Riffelblech, wenn er davor steht. Und Kadlec musste „nauf“, wie er es selber beschrieb: „Das A hat mich schon einmal den Sieg gekostet und diese Erinnerung war plötzlich da, als ich es vor mir hatte.“ Mit einem extrem kurzen Anlauf löste der 25-Jährige dann den allerletzten Sprung des Spektakels und begründete: „Ich habe bei den anderen Fahrern gesehen, dass sie mit viel Power in die Fläche eingeschlagen sind. Ich wollte mehr Schwung nach oben haben, deshalb habe ich mich näher hingestellt.“

Was für eine haarige Situation war das, kurz vor 19Uhr, in der Arena: Alles entschied sich in dieser einzigen Szene – die ultimative Nervenprobe für Kadlec, der sich bei einem hauchdünnen Vorsprung von zwei Strafpunkten noch über das riesige ADAC-Logo katapultieren musste. Da standen längst alle Zuschauer und viele konnten gar nicht mehr hinsehen, so sehr wünschten sie dem „Franzi“ den Sieg. „Es war knapper, als es mir lieb war, aber es hat endlich hingehauen“, ergänzte Kadlec anschließend erleichtert. Mit was er dieses Szenario vergleichen würde, wurde er gefragt. „Vielleicht noch mit dem entscheidenden Wurf bei der Dart-WM: Der Pfeil landet im Doppelfeld, oder eben nicht.“

„Völliger Wahnsinn“, sagte ein Besucher, der von dort zuschaute, wo normalerweise die ERC-Fans ihr Team anfeuern: „Was die mit einem Motorrad anstellen können, ist unglaublich.“

Recht hatte der junge Mann, weil alle neun Teilnehmer mit atemberaubenden Balanceakten begeisterten. Selbst Karl Babtist, der als Schiedsrichter im Einsatz war, stellte nach der Qualifikationsrunde klar: „Die fahren alle sensationell heute.“ Wenn er und sein Kollege Andreas Pitzmaier ihre Daumen hoben, dann hatte das nichts mit einem Lob zu tun – dann war der erste Strafpunkt fällig. „Angeschrieben“ wurde hauptsächlich für das Aufsetzen eines Fußes.

Einen einzigen größeren Schnitzer erlaubte sich Kadlec gegen Ende der Vorrunde, als er vom „Zahnstocher“ fiel, einem schmalen gelben Balken. Unkonzentriert sei er da gewesen, auch deshalb, weil er das Ticket für das Finale schon in der Tasche hatte, erklärte er.

Als Sieger der Qualifikation beeindruckte aber auch Harry Hamingway. Dem erst 16-jährigen Engländer half die ununterbrochene Anfeuerung durch Vater Dan: Alleine wären die exakten Manöver schwierig, weshalb jeder Fahrer seinen „Minder“ hat. Gemeint ist damit eine Art „Co-Pilot“ der alles aus nächster Nähe beobachtet und die hilfreichen Ansagen macht.

Indes fast etwas schaurig wurde es immer, wenn Gaël Chatagno an die gestapelten Kanalrohre, Betonwürfel oder Holz-Konstruktionen heranrollte. Sein Bike wurde als einziges von einem Elektro-Aggregat angetrieben – und deshalb mussten die Zuschauer mit dem Anfeuern pausieren: Das Zischen des Triebwerks zu hören, war dem E-Trial-Weltmeister aus Frankreich nämlich sehr wichtig. „Er manövrierte unglaublich exakt“, kommentierte Schiedsrichter Baptist. Auffällig war jedoch, dass sich Chatagno schwer tat, die großen Sprünge zu entfachen, im Finale landete er auf Rang fünf.

Stichwort Finale: Bald duellierten sich Kadlec und Noé Petralli (Schweiz) um den Sieg, während Hamingway den dritten Platz vor Paul Reumschüssel (Steinbach-Hallenberg) eroberte. Schon auf den weißen Betonrohren hätte eine Vorentscheidung fallen können, aber da passierte Kadlec ein Lapsus: „Der immense Reifenabrieb hat die Rohre glatt gemacht, vielleicht bin ich deswegen abgeschmirgelt“, vermutete der Oberbayer. Den ersten „Matchball“ vergab er dann in der Holz-Sektion. „Da habe ich gemerkt, dass meine Arme dick wurden. Der Sprung hat nicht gereicht, ich hätte da mehr reinhauen müssen, aber nachher ist man immer gescheiter“, sagte Kadlec. Abschließend schafften es alle vier Finalisten, auf das berüchtigte „A“ zu springen, wonach der Sieger jubelte: „Das bedeutet mir sehr viel. Ich bin sehr glücklich, dass ich mein Ziel nun erreicht habe.“ Zukünftig will sich Kadlec aus dem Profisport zurückziehen um sich auf seine Meisterausbildung zu konzentrieren.

PK