„Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“

22.01.2021 / 07:40
Nach Corona-Ausbruch: Stiftungsvorstand und Heimleiter geben Lagebericht im Sozialausschuss des Stadtrates

Der Corona-Ausbruch im Heilig-Geist-Spital spitzt sich weiter zu. (Autor: Brandl)

Von Ruth Stückle

OB Christian Scharpf drückte die Misere in einem Satz aus: „Man hat die Wahl zwischen Pest und Cholera.“ Man könnte ein Pflegeheim wegen der Corona-Pandemie völlig abriegeln. „Aber ist es dann für die Bewohner ein menschenwürdiges Dasein?“ Auf der anderen Seite: Wenn das Virus in so einem Haus sei, dann sei das „ein Supergau.“ So geschehen im Ingolstädter Heilig-Geist-Spital in der Fechtgasse, wo sich, wie mehrmals berichtet, 56 von 89 Bewohnern mit dem Coronavirus infiziert haben. 14 davon sind mittlerweile gestorben. Auch 33 von 78 Mitarbeitern haben sich angesteckt. Und: Es gibt einen weiteren, etwas kleineren Ausbruch, in dem ebenfalls von der Heilig-Geist-Spital-Stiftung betriebenen Teil im Anna-Ponschab-Haus beim Klinikum, wo 11 Bewohner und 6 Mitarbeiter positiv sind.

Das Anna-Ponschab-Haus war das erste Heim, in dem am 27. Dezember die ersten Corona-Impfungen durchgeführt wurden. Mittlerweile haben laut Heimleiter Franz Hartinger zwischen 55 und 60 Prozent der Bewohner ihre zwei Impfungen erhalten. Die Infizierten gehören nicht dazu. Sie sind – wie auf eine Frage von Achim Werner (SPD) bekannt wurde, nicht gegen Corona geimpft.

Im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Stadtrates gab es am Donnerstag einen ausführlichen Lagebericht. Zu diesem Punkt der Sitzung im Festsaal des Stadttheaters war auch der Stiftungsrat geladen. Stiftungsvorstand Roland Wersch und Heimleiter Franz Hartinger gaben einen Überblick über die Situation und gingen auch auf Punkte eines von den Fraktionen gestellten Fragenkataloges ein. Anschließend stellten sie sich den Fragen im Plenum.

Die Sitzung begann mit einer Gedenkminute für die an den Folgen ihrer Corona-Infektion verstorbenen Bewohner des Spitals. Am 29. Dezember gab es in der Einrichtung den ersten positiven Schnelltest, so Stiftungsvorstand Wersch. Weder bei einem Bewohner noch bei einem Mitarbeiter gab es vorher erkennbare Symptome. Der Betroffene wurde isoliert, eine PCR-Reihentestung in die Wege geleitet. Ab dem Auftreten des ersten Falles wurden die Wohnbereiche abgeriegelt. Doch das Virus war bereits unterwegs und hat sich innerhalb einer Woche rasant verbreitet. „Wir konnten es nicht mehr eindämmen“, so Wersch. 14 Heimbewohner sind bisher an den Folgen der Infektion gestorben. „Das Gesundheitsamt versucht sehr genau nachzuprüfen, in welchem Zustand sich die verstorbenen Bewohner befunden haben.“ Sprich: Ob sie an Covid-19 oder in erster Linie an ihrer Grunderkrankung gestorben sind.

Doch was hätte man tun können, um den Ausbruch zu vermeiden? Seit Mai vergangenen Jahres, als Besuche in Heimen wieder möglich waren, galten Maskenpflicht, Abstand und eine zeitliche Beschränkung der Besuchszeit. Ab dem Lockdown im Dezember wurde die Besuchszeit weiter reduziert, für Besucher gibt es Schnelltests, die FFP-2-Maskenpflicht gelte auch fürs Personal. An Fremden durften nur noch Ärzte oder Handwerker ins Haus. Auch für Mitarbeiter gibt es seit Dezember zweimal die Woche obligatorisch sowie nach freien Tagen einen Schnelltest. Nur: Die sind eben nicht hundertprozentig zuverlässig.

Konkrete Anhaltspunkte, worauf der Ausbruch zurückzuführen ist, gebe es nicht. Er lehne es ab, irgendjemandem die Schuld zuzuschieben, betonte Wersch. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.“

Veronika Hagn (JU) fragte nach dem Impfstatus der Mitarbeiter. Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, sei in beiden Häusern unterschiedlich. Hier scheint noch Luft nach oben. Doch die Leistung der Mitarbeiter in diesen Tagen ist immens. Es sei oft „Spitz auf Knopf“ gewesen, den Betrieb aufrecht erhalten zu können, betonten die Führungskräfte. Seit Donnerstag helfen zehn Soldaten der Bundeswehr. „Das System ist massiv unter Druck, auch ohne Corona“, antwortete Wersch Eva Bulling-Schröter (Linke) auf ihre Frage nach der Personalsituation. Ohne den großen Einsatz der Mitarbeiter hätte man die Dienstpläne nicht mehr aufstellen können. Einige hätten 22 Tage am Stück gearbeitet. OB Scharpf reagierte nicht nur mit Applaus: „Wie wir das übergroße Engagement der Mitarbeiter honorieren, da müssen wir uns noch extra unterhalten“. 

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