„Eine Frage der Zeit, bis das erste Kind umkippt“

20.10.2020 / 09:32
Besorgte Eltern machen ihrem Unmut Luft: Gruppierung fordert ein Ende der Maskenpflicht für Schüler
Eltern
Eltern (Autor: Janda)

Die Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler ist vielen Eltern im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ein Dorn im Auge. Deshalb haben sich rund 30 von ihnen am Montagmorgen vor dem Landratsamt in Neuburg versammelt und ihrem Unmut Luft gemacht. An Landrat Peter von der Grün übergab die Gruppe dabei einen offenen Brief.

Der Kreischef hatte schnell auf die recht kurzfristig anberaumte Versammlung vor seiner Behörde reagiert und einen anderen Termin dafür verschoben. "Denn ich wollte mit Ihnen sprechen", erklärte er den Männern und Frauen, die aus dem gesamten Kreisgebiet nach Neuburg gekommen waren. Sie alle gehören zur Gruppierung "Eltern stehen auf", die mittlerweile bayern- und auch bundesweit aktiv ist und im Landkreis rund 160 Anhänger zählt. Ihr Ziele ist, grob gesagt, ein Leben für Kinder ohne Maskenpflicht, ohne Abstand und ohne Impfzwang. Vor allem die von der Staatsregierung verordnete Maskenpflicht im Unterricht, die im Landkreis nach Inkrafttreten der schärferen Corona-Regeln gilt, halten die Bürger für ein Unding. "Für die Kinder ist das nicht tragbar", sagt Andrea Alt aus Karlshuld. Die zweifache Mutter berichtet von körperlichen Problemen ihrer Tochter, von Kopfschmerzen, von Schwindel. "Gestern Abend hat sie geweint, weil sie im Unterricht nicht die ganze Zeit über eine Maske tragen will, das schmerzt mich natürlich auch", so Alt.

Gleichzeitig kritisieren die Eltern, dass ihr Nachwuchs durch die Masken die komplette Mimik ihrer Lehrer und ihrer Mitschüler nicht sehen. Dabei sei das gerade für Kinder besonders wichtig, betont Alt, die vor allem für ihren Sohn spricht. Der Bub, der mit einer Behinderung lebt, leide darunter, den Gesichtsausdruck seiner Mitmenschen oft nicht sehen zu können.

Darüber hinaus kritisierten die Eltern, dass es im Landkreis ihren Worten zufolge sogar Schulen gibt, in denen die Mädchen und Buben im Sportunterricht und auch im Pausenhof Maske tragen müssen. "Das ist kein Spaß, die Kinder merken das nicht", schimpfte eine der Teilnehmerinnen an der Versammlung, während ein andere eine CO2-Vergiftung seines Sprösslings befürchtet. "Tatsächlich ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis im Landkreis das erste Kind umkippt", erklärte auch Alt dem Landrat. Daher sprechen sie und ihre Mitstreiter sich dafür aus, in einzelnen Klassenverbünden auf Masken zu verzichten. "In den Bankreihen ist das doch zumutbar", fand sie und erinnerte daran, dass bei einem Infektionsfall ohnehin die gesamte Klasse isoliert werde. 

Der Kreischef, selbst Vater zweier schulpflichtiger Kinder, hörte sich die Forderungen der Eltern geduldig an und trat auch in einen Dialog mit ihnen. Ein Abweichen von den bayernweiten Vorgaben ist seinen Worten zufolge aber schwer machbar. "Denn das geht nur, wenn es ein klar eingrenzbares Infektionsgeschehen gibt", so von der Grün. In Neuburg-Schrobenhausen sei das Virus aber in der Fläche aktiv. "Daher ist ein Abweichen nicht vertretbar", so der Landrat, der auch daran erinnerte, dass diese Regeln weder von ihm noch von seiner Behörde kommen. Das Gesundheitsamt agiere bei derartigen Vorgaben dennoch pragmatisch und übernehme sie nicht einfach in blindem Gehorsam. Klar ist für den FW-Politiker aber: "Wenn wir nur einen Todesfall verhindern, ist es sinnvoll. " Dabei erinnerte er auch an das Infektionsgeschehen bei der ersten Welle im Frühjahr, als die Intensivstationen im Landkreis voll gewesen seien. Momentan ist das noch nicht der Fall - "und ich sage ganz bewusst noch nicht", so der Landrat.

Für Alt und ihre Mitstreiter, die von der Grün auch Info-Material zu ihren Forderungen übergaben, ist damit der erste Schritt gemacht. "Das war ein offener und sachlicher Diskurs", freute sich die Initiatorin, die mit dem Kreischef vereinbarte, in Kontakt zu bleiben.

Von Stefan Janda

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