Ehekrieg vor Gericht

21.11.2020 / 09:55
29-Jährige will für ihren Ex-Mann eine "möglichst harte Strafe" - er wird freigesprochen
Justizia
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Symbolbild Gericht (Autor: Pixabay)

(ty) "Du bringst mich nicht in den Knast", schimpft der Angeklagte und schaut wütend zu seiner Ex-Frau rüber, "du nicht!" Die so Gescholtene sitzt auf dem Zeugenstuhl, zeigt mit spitzem Finger auf ihn und wütet: "Ich will, dass er hart bestraft wird." Den Gefallen tut ihr das Gericht nicht. Amtsrichterin Nicola Schwend spricht den Angeklagten und seinen Bruder frei: Dafür, dass die beiden die Ex bedroht und beleidigt haben sollen, "da reichen mir die Beweise nicht aus". Sie kassiert den Strafbefehl, gegen den die beiden Einspruch eingelegt hatten.

Die Verhandlung ist ein - vermutlich nur vorläufiger - Höhepunkt in einem zwei Jahre andauernden Beziehungsstreit. Zum Prozess erschienen sind die beiden Angeklagten Slavo A., 30, (alle Namen geändert), sein älterer Bruder Arcan A., als Zeuginnen die Ex-Frau, dann die Freundin des Bruders, außerdem eine Polizistin, die die Anzeige aufgenommen hat - und ein Achtjähriger, der Sohn von Slavo A. Der sitzt jetzt im Zuschauerraum und soll mitbekommen, so will es sein Vater, wie seine Eltern schmutzige Wäsche waschen. "Halten Sie das für richtig", fragt die Richterin den Angeklagten, "dass das Kind hier ist?" "Ja", sagt Slavo A., "ich bin sein Vater." Aber für den Kleinen sei es nicht gut, wirft die Richterin ein, den Streit der Eltern zu erleben, "es geht mir um das Kindeswohl". "Ich verstehe sowieso nichts", meldet sich der Bub aus dem Zuschauerraum, der offensichtlich eindeutig Partei für seinen Vater ergreift. Vergeblich - er muss draußen warten. Was drinnen passiert, ist für ihn vermutlich ohnehin nichts Neues: Seine Eltern beharken sich gnadenlos.

Im vergangenen Februar soll Slavo A. seine getrennt von ihm lebende Ehefrau kurz vor Mitternacht angerufen, als "Schlampe" beschimpft und gedroht haben, er werde sie umbringen. Sein Bruder Arcan, so die Anklage, soll danebengestanden und seinem Bruder assistiert haben, indem er ebenfalls ins Telefon "Schlampe" gerufen habe. "Was heißt denn hier bedroht", verteidigt sich Slavo A. "Sie ruft mich ständig an, schreit rum und beschimpft mich." Seit sie weggezogen sei, 200 Kilometer weit entfernt, habe sie sich nicht um den Sohn und die ältere Tochter gekümmert, "und jetzt, nach zwei Jahren, merkt sie, dass sie Mutter ist", erregt sich der Angeklagte. "Wissen Sie, was ich meine", fragt er mit Blick zur Richterin und der Staatsanwältin. "Sie wollte die Kinder nicht sehen." Aber wenn sie jetzt wieder Kontakt haben wolle, sei das doch gut für die Kinder, meint Schwend, "vielleicht ist es für Ihren Sohn besser, wenn Sie ihm vermitteln, dass seine Mutter ihn liebt. Nur so als Denkanstoß." Der kommt nicht an: "Ich rede nicht schlecht über sie", sagt Slavo A., "aber ich könnte nie meine Kinder verlassen wegen einer anderen Frau."

Jovanka A., 29, die Ex-Frau, wird in den Zeugenstand gerufen. Sie ist stinksauer. Immer wieder sei sie als Drecksschlampe beleidigt worden, "aber ich bin keine Schlampe. Nachts ruft er an, beschimpft mich und fragt: Ist dein Macker wieder da?" "Ein Lüge", ruft Slavo A. dazwischen. "Ich habe keinen Macker, ich arbeite", begehrt Jovanka A. auf, ohne zu erläutern, warum das eine das andere ausschließt. Sie ergeht sich in Attacken: Immer wieder sei sie als Schlampe tituliert worden, ob ihr Ex genau wisse, wie sehr sie das schmerze.

An jener Freitagnacht hat sie während des Telefonats auf die Aufnahmetaste ihres Handys gedrückt, das Gespräch mitgeschnitten und ist damit zur Polizei gegangen. Weil das Geschimpfe in einer osteuropäischen Sprache geführt wurde, zog die ermittelnde Beamtin einen Dolmetscher hinzu. Der konnte allerdings akustisch die beiden Männerstimmen nicht verstehen, sondern nur die von Jovanka, die zweimal nachfragte: "Du hast mich also Schlampe und Hure genannt."

Als Beweis ist das arg dünn. Deshalb hat das Gericht die Freundin von Arcan A. vorgeladen. Sie war an jenem Abend von den Brüdern eingeladen worden, weil sie Geburtstag hatte. Das Telefonat habe sie mitbekommen, "aber ich weiß gar nix", sagt sie, "ich hab' selber Probleme". Ob sie gehört habe, dass ihr Freund "Schlampe" gesagt hat. "Ja, aber das hat er zu mir gesagt." Die Richterin staunt: "An Ihrem Geburtstag?"

Verteidiger Martin Rohrmann wirft in seinem Plädoyer der Ex-Frau "Belastungseifer" vor, was vor Gericht das Gegenteil bewirkt: Übereifrige Anschuldigen, vorgetragen mit Schaum vor dem Mund, machen juristisch eine Aussage eher unglaubwürdig. Außerdem habe sie in dieser Verhandlung mindestens 30 Mal den Ausdruck "Schlampe" benutzt. Ganz so schmerzhaft könne das für sie nicht sein. Für ihn ist Jovanka schon deshalb nicht glaubwürdig, weil sie sich widerspreche: Jetzt stelle sie die Sachlage anders dar als damals bei der polizeilichen Vernehmung. Deshalb: Freispruch.

Dem schließt sich die Richterin an, gibt Slavo A. allerdings noch den Rat, sich mit Jovanka und einem unbeteiligten Dritten an einen Tisch zu setzen, im Sinne der Kinder: "Sie ist und bleibt die Mutter Ihrer Kinder."

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