Als erste Großstadt in Bayern lässt Ingolstadt ein Sturzflut-Risikomanagementkonzept erstellen

Droht mein Grundstück abzusaufen?

09.07.2022 | Stand 09.07.2022, 7:41 Uhr
Starkregen −Foto: Diana Mohr/pixelio.de

Von Ruth Stückle

Auch, wenn sich das Wetter zurzeit eher von seiner schönen Seite zeigt, der nächste Starkregen kommt bestimmt. Doch wo kann ein Hausbesitzer sehen, ob sein Grundstück im Fall des Falles vom abfließenden Wasser betroffen ist und absäuft? Und welche baulichen Schutzmaßnahmen sind zu treffen, um eben dieses abzuwenden? Als erste Großstadt in Bayern lässt die Stadt Ingolstadt derzeit ein Sturzflut-Risikomanagementkonzept inklusive Starkregengefahrenkarte erstellen. Mit der Projektleitung sind die Ingolstädter Kommunalbetriebe beauftragt. Die Gefahrenkarte soll voraussichtlich Ende des Jahres veröffentlicht werden.

Vier Starkregenereignisse seit 2011
Eine allgemeine Übersichtskarte, die die Fließrichtung des Wassers anzeigt, wird im Internet verfügbar sein. Wer zu seinem Flurstück Einsicht nehmen möchte, kann bei den Kommunalbetrieben die Detailansicht anfordern. Er muss sich aus Datenschutzgründen als Grundstücksbesitzer ausweisen.

Seit 2011 gab es laut Thomas Schwaiger, Vorstand der Ingolstädter Kommunalbetriebe, vier Starkregenereignisse in Ingolstadt. Das letzte war Ende Mai 2018. Aufgrund dessen beschloss die Stadt, ein Sturzflut-Risikomanagement einzuführen. Darin werden die Risiken bei auftretenden Starkregen für das gesamte Stadtgebiet analysiert und entsprechende Schutzmaßnahmen für die Zukunft ermittelt, wie Schwaiger erläuterte. Ziel sei, für den Starkregenfall vorzusorgen, um Schäden zu vermeiden. Da dies unter anderem Belange der Stadtplanung und des Katastrophenschutzes betrifft, arbeiten verschiedene Ämter der Stadt unter der Projektleitung der Kommunalbetriebe übergreifend zusammen.

In den letzten beiden Jahren seit dem Projektstart wurden die Gegebenheiten vor Ort analysiert, um damit die Gefahren, was bei unterschiedlichen Regenereignissen wo passieren kann, zu ermitteln und beurteilen zu können. Dafür erstellte das beauftragte Ingenieurbüro verschiedene Modelle, mit denen man bei verschieden intensiven Starkregen die Tiefen, die Richtungen und die Geschwindigkeiten des abfließenden Wassers errechnen kann. Die Ergebnisse werden in einer Starkregen-Gefahrenkarte festgehalten.

Bedrohung bewusst machen
Aktuell bereiten die Kommunalbetriebe die Veröffentlichung der gesammelten Informationen vor. Es sei gleichzeitig ein Projektziel, das Risiko über die Gefahren bei einem Starkregen der Bevölkerung bewusst zu machen, so Schwaiger weiter. Die Informationen und Erkenntnisse aus dem Starkregenmanagement sollen dem Grundstückseigentümer helfen, gezielt sein Grundstück zu schützen. Er müsse dieses in jedem Fall vor einem Rückstau aus dem Kanal sichern und, gegebenenfalls mit baulichen Maßnahmen, vor oberflächlich abfließendem Wasser schützen.

Zum anderen fließen die Erkenntnisse zukünftig in die Stadtplanung oder in der Vorsorge für den Katastrophenschutz ein. So könne unter anderem analysiert werden, wo Abfluss- und Sammelflächen umzusetzen seien. Für den Starkregenfall könne außerdem berechnet werden, welche Unterführungen, je nach Regenintensität, wahrscheinlich geflutet werden. Diese könnten somit rechtzeitig von der Feuerwehr gesperrt werden. Für die Kanalisation lassen die Kommunalbetriebe die Informationen in den Generalentwässerungsplan für Ingolstadt einfließen. 

Das Projekt
Das Projekt startete mit der Genehmigung in der Verwaltungsratssitzung der Kommunalbetriebe Ende April 2019. In einem ersten Schritt beantragten die Kommunalbetriebe die Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz. Die Erstellung des Sturzflut-Risikomanagements für Ingolstadt kostet insgesamt 250 000 Euro. Die Stadt erhält den vollen Förderbetrag von 150 000 Euro. Die Restkosten teilen sich die Kommunalbetriebe und das Tiefbauamt der Stadt. 

Weitere Partner sind das Stadtplanungsamt, das Amt für Brand- und Katastrophenschutz, das Tiefbauamt, das Umweltamt, das Amt für Verkehrsmanagement- und Geoinformation, das Hochbauamt, das Amt für Gebäudemanagement und das Gartenamt. Das Wasserwirtschaftsamt gibt die Fördersummen frei und wird regelmäßig von den Kommunalbetrieben zum Projektfortschritt informiert. Als Ingenieurdienstleister beauftragten die Kommunalbetriebe die Firma Spekter.