Drei Jahre Haft für den Rathaus-Erpresser

14.01.2020 / 14:22
Drohung mit Beil und Messer nach Gebührenbescheid blieb aber laut Gericht im Versuch stecken
Gericht
Gericht (Autor: Schmatloch)

(ty) Für seinen Auftritt mit einem Beil und einem Jagdmesser im Ingolstädter Rathaus muss ein 52-jähriger Mann aus Russland nun drei Jahre ins Gefängnis. Die 1. Strafkammer des Ingolstädter Landgerichts hat den Mann am Dienstag zu dieser Strafe verurteilt, weil sie ihn des Versuchs einer besonders schweren räuberischen Erpressung für schuldig hält — allerdings in einem minderschweren Fall.

Der Angeklagte nahm das Urteil an. Allerdings hat sich die Staatsanwaltschaft, die viereinhalb Jahre Haft gefordert hatte, noch nicht abschließend geäußert, so dass der Richterspruch noch nicht rechtskräftig ist. Wie bereits mehrfach berichtet, hatte der aus der früheren Sowjetunion ausgebürgerte und deshalb bereits lange staatenlose Mann, der in Ingolstadt bereits häufig die städtischen Ämter beschäftigt hat, im April vorigen Jahres beim städtischen Beschwerdemanager im Alten Rathaus die Rücknahme eines Gebührenbescheides über 160 Euro gefordert. Er hatte letztlich mit „Mord und Selbstmord“ gedroht und dieser Ankündigung mit Vorzeigen eines kleinen Beils und seines Messers Nachdruck zu verleihen versucht.

Als er nach einer angekündigten Bedenkzeit für den städtischen Angestellten schließlich mit umgeschnalltem Messer erneut ins Beschwerdebüro gelangen wollte, hatten ihn die Beamten allerdings bereits ausgesperrt. Landgerichts-Vizepräsident Konrad Kliegl sprach in seiner Urteilsbegründung von einem „durchaus dramatischen Vorfall“, bei der eine „Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben“ der unmittelbar betroffenen städtischen Mitarbeiter vorgelegen habe. Allerdings sei die Sache — auch durch das umsichtige Verhalten des Beschwerdemanagers — im Versuch stecken geblieben, weshalb insgesamt ein minderschwerer Fall anzunehmen gewesen sei. Die Kammer habe den Vorfall bei der Strafmaßfindung auch in Relation zu den zwei wesentlich gravierenderen Geiselnahmen im Ingolstädter Rathaus und im Pfaffenhofener Landratsamt vor einigen Jahren gesetzt.

Von Bernd Heimerl

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