Die E-Mobilität ist reiner „Industrieselbstmord“

23.12.2019 / 07:24
Wie ein Artikel das Leben des „ketzerischen“ Professors Jörg Wellnitz von der THI radikal verändert hat
wellnitz
wellnitz (Autor: SCHMATLOCH)

(ty) „Der Artikel hat mein Leben verändert.“ Das sagt Professor Jörg Wellnitz von der Technischen Hochschule in Ingolstadt. Und der Artikel, den er meint, erschien vor rund einem Jahr auf ingolstadt-today. „Der sinnlose Traum von der elektrischen Zukunft“, so der Titel der Story, war die faktenbasierte Abrechnung des „ketzerischen“ Wissenschaftlers mit der E-Mobilität. Mit dem Ergebnis, dass sie als Antriebsmodell der Zukunft nicht funktionieren wird und nicht funktionieren kann. Wellnitz steht zwar nicht alleine mit seiner Meinung, aber er ist einer der wenigen, die es so unverblümt aussprechen. 

Was nach der Veröffentlichung des Artikels über Jörg Wellnitz hereinbrach, das hat wie er sagt sein Leben massiv verändert. Printmedien und Fernsehanstalten von ZDF bis SAT.1 standen Schlange bei dem eloquenten Professor, ständig wird er zu Vorträgen eingeladen und als Gastredner gebucht, Wissenschaftler aus aller Welt haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, um die Fakten zu CO2-Ausstoß, Erderwärmung und E-Mobilität auszutauschen, zu überprüfen und zu bewerten. 

Mit einem Mal gab es einen weltumspannenden Kreis von Wissenschaftlern, die sich in einem Punkt einig sind: Der kompromisslose Weg in die E-Mobilität ist ebenso sinnlos wie ohne erkennbare Wirkung auf das Klima der Erde. „Wir haben mittlerweile einen extrem umfangreichen Pool an Fakten zum CO2-Ausstoß gesammelt“, so Wellnitz, „wir haben Kontakte zu Klimaforschern rund um den Globus, zu Nobelpreisträgern und Professoren beispielsweise von Havard in Cambridge Massachusetts und Princeton in New Jersey, die ich ohne diesen Artikel nie im Leben gesehen hätte.“ Sie alle hatten die Story über den „ketzerischen“ Jörg Wellnitz gelesen, die alleine online rund 700 000 Mal angeklickt, in Medien wie dem Wallstreet-Journal zitiert wurde. 

„Ich bin vielen Leuten damit auf die Füße getreten“, weiß der Professor. Aber auch, dass die Menschen merken, dass E-Mobilität als Massenprodukt nicht funktioniert. „Es ist mittlerweile zu einer Glaubensfrage geworden“, meint Wellnitz, „man glaubt an das böse CO2 als Klimakiller oder tut es nicht.“ Und schiebt gleich ein paar Zahlen hinterher. Demnach hat der dänischer Klimaforscher Björn Lomborg errechnet, dass wenn Deutschland 80 Jahre lang 43 Milliarden in die CO2-Reduktion stecken würde, die Erderwärmung gerade einmal um 0,01 Grad reduziert würde. 

In seinem 2010 erschienenen Buch „Smart solutions“ schreibt er zwar, der Klimawandel sei eines der größten Probleme der Menschheit und nennt die ungebremste Erwärmung ein allgemein akzeptiertes Faktum. Aber von der üblichen Klimapolitik zur CO2-Reduktion hält er nichts. Besser sei es seiner Meinung nach, in die Forschung zu investieren und auf "smarte Lösungen" in der Zukunft zu hoffen. 

Einen Bruder im Geist hat er in Jörg Wellnitz gefunden. Auch er ist kein Leugner des Klimawandels. Aber die einseitige Konzentration auf den CO2-Ausstoß hält er für ebenso absurd wie die Fokussierung auf den E-Antrieb bei Autos, der als Massenprodukt „überhaupt keinen Sinn“ macht. Und das nicht nur wegen der Menge der benötigten Rohstoffe und der miserablen Umweltbilanz von Elektroautos. 

Wellnitz glaubt, dass die ambitionierten Ziele, was den Absatz von E-Autos betrifft, mit einem Absatzeinbruch der Autohersteller enden. Wie bei Audi, dem Ingolstädter Premiumhersteller, der bis 2025 rund 40 Prozent elektrifizierte Fahrzeuge an den Mann bringen will. „Das kann nicht funktionieren“, ist sich Wellnitz sicher, „das ist Industrieselbstmord.“ Für ihn ist das E-Auto zudem eine „Klimakatastrophe“. Man müsse den Menschen das lassen, was sie brauchen könnten, einen hocheffizienten und sauberen Motor wie den Diesel zu Beispiel.“

Rund acht Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes ist laut Wellnitz auf das Auto zurückzuführen. Für ihn ist das Thema Erderwärmung aber viel komplexer. „Wenn C02 das wäre, was man uns glauben macht, dann haben wir noch 90 Prozent anderen Verursacher. 1,5 Millionen Tonnen C02 entstehen alleine durch Google-Klicks, durch den Stromverbrauch der dafür notwenigen Server.“

Und was er nur unter vorgehaltener Hand ausspricht: CO2 ist kein Klimakiller, sondern ein lebensnotwendiges Gas. Aber es sei eben extrem leicht, das Thema CO2 zu politisieren. An dieser Schraube ließe sich leicht drehen, es verstünde jeder und es sei sofort messbar. Doch neueste Forschungen, so Wellnitz, hätten belegt, dass selbst, wenn die Sättigung von CO2 in der Atmosphäre 800 ppm erreichen würde, ein nahezu unerreichbarer Wert, die Erderwärmung lediglich um rund 0,4 Grad beeinflusst würde. „Wenn es einen Treibhauseffekt gibt, dass ist er schon lange da.“ Zudem seien andere Gase wie Methan, Lachgas und FCKW weitaus klimaschädlicher und relevanter für die Klimaerwärmung als CO2. „Aber wir haben uns auf CO2 konzentriert und das Auto muss böse sein.“

Jörg Wellnitz beklagt in Sachen Klimaschutz nicht zuletzt die Doppelmoral. Für ihn ist ein klimaneutrales Europa unmöglich, solange „wir unsere Waren in China oder Indien produzieren“. Das Konsumverhalten müsse sich radikal ändern, wollten wir CO2-Neutralität erreichen. Das man alles jahreszeitunabhängig in Biomärkten kaufen könne, sei dabei ebenso absurd wie 490 Millionen Rücksendungen alleine bei Amazon oder das grenzenlose Serven im Internet über Server, die in solchen Ländern stünden, wo es eben keinen grünen Strom gebe. „Wir müssten wieder Trommel statt WhatsApp zu nutzen“, meint er provokativ. Und reagiert auch mit etwas Unverständnis auf „15-jährige Klimabotschafter, die nicht einmal wissen, wie man C02 schreibt, sich aber von den Eltern mit dem SUV zu Baumpflanzaktionen fahren lassen“. „Wollen wir CO2-Neutralität wirklich, dann müssen wir unseren Lebensstil radikal ändern.“ Das bedeutet im Klartext: massiver Verzicht auf liebgewordene Annehmlichkeiten.

Wie Wellnitz selbst sagt: CO2 ist zu einer Glaubensfrage geworden. Der Handel mit Verschmutzungszertifikaten erinnert an den Ablasshandel des Mittelalters. Für ihn ist es sinnvoller, sich auf eine Erderwärmung von zwei Grad einzustellen. „Die Ursachen wie zum Beispiel die Verschmutzung durch die aufstrebenden Industrienationen kriegen wir nicht mehr in den Griff, wir können nur die Symptome bekämpfen. Und man dürfe über die überbordende Diskussion um das CO2 nicht die anderen, massiveren Probleme vergessen. „Wir müssen die Brände rund um den Globus unter Kontrolle bringen, die Rodungen von Wäldern.“ Und vor allem müsse man sich um die Wasservorräte der Erde kümmern. Die Verknappung des Wassers wird für Wellnitz zu einem massiven Problem der nächsten Jahrzehnte, einem Problem, das nicht so vergleichsweise einfach zu lösen sei wie das mit den fossilen Brennstoffen. 

Doch über diese Probleme breitet sich die ausufernde CO2-Diskussion wie ein Nebelteppich. Ebenso über die Tatsache, dass Deutschland seine hohe Kompetenz in Sachen Motorenbau einer elektrischen Zukunft opfert, die laut Wellnitz nie funktionieren wird. 

„Deutschland schafft sich ab“. Der Titel von Thilo Sarrazins umstrittenem Buch fällt einem unwillkürlich ein, wenn Jörg Wellnitz den „Industrieselbstmord“ hierzulande wortreich beklagt. „Ich habe schon überlegt, ob ich diese Absurditäten ein Buch schreiben soll“, sagt er, „aber ich habe kaum die Zeit dazu.“ 

 

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