Der Autobauer ist am Zug

30.11.2019 / 09:53
Schienenhalt bei Audi wird am Montag eröffnet - Bahnen stoppen ab 15. Dezember, aber nur im Stundentakt
Bahnhalt
Bahnhalt (Autor: Eberl)

(ty) Wer Montagmittag einen Personenzug am neuen Bahnhof direkt am Audi-Werk halten sieht, sollte als potenzieller Fahrgast nicht gleich darauf zustürmen und auf Mitnahme hoffen - die wird ihm verwehrt werden. Die Sitzplätze sind bereits reserviert für Ehrengäste und zudem wird es eine kurze Reise: Der Sonderzug ist an der Endstation angelangt, er hat Audi als Ziel. Unter anderem werden ihm Ministerpräsident Markus Söder und Bahnvorstandsmitglied Ronald Pofalla entsteigen, die pünktlich (zumindest was die Bauzeit betrifft) die Eröffnung des dritten Ingolstädter Bahnhofs zelebrieren werden. Sein Name "Ingolstadt Audi".

Regulär hält der erste Zug nach dem Fahrplanwechsel der Bahn am 15. Dezember. In der Anfangsphase werden rund 1500 Fahrgäste am Tag erwartet, also 3000 Ein-/Aussteiger. Der Bahnsteig ist für jedermann geöffnet, aber es dürften natürlich hauptsächlich Audianer die Anbindung nutzen. Für sie steht ein Extraabgang vom Bahnsteig bereit, der durch ein Drehkreuz direkt ins Werk und zu Shuttlebussen führt.

Die ÖPNV-Nutzung versüßt der Autobauer seinen Mitarbeitern inzwischen seit sieben Jahren durch ein subventioniertes Job-Ticket, bisher für die INVG-Busse. Rund 3500 Beschäftigte nutzten das Angebot zuletzt. Als Jahreskarte wird es nun das Jobticket kombiniert für Bus und Bahn geben. Bis zu 50 Prozent und maximal 300 Euro können die Audianer dabei sparen, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Es gebe schon einige Nachfragen und es seien auch schon etliche Bestellungen für Dezember eingegangen, obwohl erst ab 15. die Züge halten. Man kann davon ausgehen, dass die meisten Interessierten Mitte Januar nach der weihnachtlichen Betriebsruhe zuschlagen.

Rund 10 000 Beschäftigte wohnen laut dem sogenannten Audi-Wohnortcluster im Einzugsgebiet der Bahnhöfe in der Region und kommen als Pendler infrage. Wobei sie in der ersten Ausbaustufe am besten irgendwo an der Bahnlinie zwischen Treuchtlingen und München leben, denn der Regional-Express der Deutschen Bahn, der beide Orte (und dann mit Nürnberg) verbindet, ist vorerst der einzige Zug, der "Ingolstadt Audi" bedient - im bekannten Stundentakt jede Richtung. Ein ICE wird hier nicht halten. Der taucht kurz vor dem Audi-Werk in den Tunnel auf die Neubaustrecke nach Nürnberg ab; wie auch der München-Nürnberg-Express.

Irgendwann sollen bei Audi aber auch weitere Züge halten. Bis Ingolstadt-Nord fährt schon Agilis aus Regensburg. Weiter gehe es aber nicht, mangels einer Wendemöglichkeit in dem enggetakteten Schienennetz. Diese soll bis Dezember 2024 mit einem Extragleis am Gaimersheimer Bahnhof gebaut werden.

Der mäßig attraktive Stundentakt, über den mehrfach berichtet wurde, kam für einige Beobachter doch etwas überraschend. Gerade Verkehrsverbände wünschten sich eine bessere Anbindung. Retten, was zu retten ist, will etwa die regionale Ortsgruppe des Verkehrsclubs Deutschland um ihren Sprecher Ludwig Hörner; auch wenn es nur einzelne Halte sind. So weist Hörner darauf hin, dass alle Züge der Bayerischen Regiobahn (BRB), zwischen Ingolstadt-Hauptbahnhof und Eichstätt vorbeirollen. Zumindest für die BRB-Verbindung, die gegen 18.44 Uhr an Audi vorbeikommt, müsse ein Halt möglich sein. Der Zug fahre erst nach 18 Minuten Wartezeit vom Hauptbahnhof weiter nach Augsburg. Ein Halt bei Audi würde nur zwei Minuten kosten und "viele günstige Anschlüsse für die Fahrgäste" ab dem Hauptbahnhof ergeben. Die für den Regionalverkehr zuständige Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) als Bestellerin der Züge möge das prüfen.

Die Antwort könnte für Hörner lauten, wie sie Berufspendler Robert Schumacher mitgeteilt bekam, der sich ebenfalls an die BEG gewendet hat. Ihm ist zum Fahrplanwechsel aufgefallen, dass sich das Angebot der Bahn durch "Ingolstadt Audi" teils sogar verschlechtert. Der Zug aus Treuchtlingen bekomme nun "einen rund zehnminütigen fahrplanmäßigen Aufenthalt im Bahnhof Ingolstadt-Nord", wundert sich Schumacher. Dadurch gingen am Hauptbahnhof viele attraktive Anschlüsse jeweils zur halben Stunde verloren. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft bestätigte seine Vermutung, der Aufenthalt sei nötig geworden, um den ICEs auf dem viel befahrenen Stück nicht (noch mehr) in die Quere zu kommen. Die DB Netz würde ihnen Vorrang gewähren. Und einer "Fahrzeitverlängerung stimmt DB Fernverkehr nicht zu", heißt es von der staatlichen BEG in München. Auch sie verweist auf Besserung 2024.

Von Christian Rehberger

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