Impf-Mythen im Faktencheck: Das sagt ein Experte

Das Märchen vom implantierten Chip

20.09.2021 | Stand 20.09.2021, 8:17 Uhr
Eine Frau wird geimpft. −Foto: Pexels

Von Petra Stadler

Noch immer glauben viele Menschen an Impf-Mythen. Die Zeitung "Am Sonntag" unterzog diese mit dem Passauer Impfzentrums-Leiter Achim Spechter einem Faktencheck.

Die Corona-Impfung macht unfruchtbar
Spechter: Weder nach durchgemachter Infektion noch nach Impfung wurde eine erhöhte Zahl an Fehlgeburten oder eine vermehrte Unfruchtbarkeit beobachtet. Es gibt zwar eine Ähnlichkeit zwischen dem Spikeprotein des Covidvirus und einem Protein für die Bildung der Plazenta. Das Risiko aber, dass man Langzeitschäden durch eine Infektion bekommt, ist weitaus größer als das Risiko einer Impfkomplikation. Viele junge Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, klagen noch Wochen nach der Infektion über Erschöpfungszustände und sind nicht fit. Das Beobachtungssystem für Nebenwirkungen ist so engmaschig, dass eine Unfruchtbarkeit schon nachgewiesen worden wäre.

Der Impfstoff enthält Gifte
Spechter: Das ist nicht richtig. In den Covid-19-Impfstoffen sind kaum Substanzen enthalten, die eine allergische Reaktion auslösen könnten. So enthalten sie kein toxisches oder tierisches Material, wie etwa Formaldehyd, Hühnereiweiß oder Konservierungsmittel. 

Es wird bei der Impfung ein Chip implantiert
Spechter: Kein Kommentar. Ich kann nicht verstehen, wie man auf diese Vorstellung kommt. 

Der Impfstoff verändert die DNA
Spechter: Das kann er nicht. Die mRNA-Partikel führen in der Zelle zu einer Abwehrreaktion, sie werden nicht eingebaut, sondern als Fremdkörper erkannt.

Die Impfung kann Krebs verursachen
Spechter: Dafür gibt es keine Hinweise und auch keine plausible Erklärung.

Geimpfte können das Virus genauso übertragen wie Ungeimpfte
Spechter: Falsch. Geimpfte übertragen es weit seltener, weil bei ihnen zumeist die Virenkonzentration im Rachen viel geringer ist.

Die Impfung nützt nichts, wenn das Virus mutiert
Spechter: Das stimmt nicht. Gegen die bisherigen Mutationen ist man durch die Impfung zu einem hohen Grad geschützt. Wir wissen allerdings noch nicht, welche Mutationen in Zukunft noch auftreten werden. Die Mutationswahrscheinlichkeit hängt von der Impfquote ab. Die müsste bei 80 Prozent oder darüber sein, um dem Virus den Boden zu entziehen. Und auch deswegen sollte man sich impfen lassen, damit sich das Virus nicht weiterentwickeln kann. 

Achim Spechter weiß übrigens, wovon er spricht, denn er hat den Schutz der Impfung am eigenen Leib erfahren. "Auch meine Familie und ich hatten im Januar eine Corona-Infektion. Während meine beiden erwachsenen Söhne und meine Frau richtig krank waren, hatte ich einen sehr milden Verlauf, obwohl ich zu dem Zeitpunkt nur einmal geimpft war. Und ich gelte als Mitte 50-Jähriger, der spezielle Medikamente nimmt, als Risikopatient."