Ingolstadt feiert Altstadtparty
Besucher über Bürgerfest-Wetter: „Da muss man doch nicht gleich jammern“

07.07.2024 | Stand 08.07.2024, 21:21 Uhr |

Schweißtreibende Arbeit: Am Stand des serbischen Kulturvereins gab es Cevapcici. Im Sekundentakt gingen sie an die hungrigen Bürgerfestbesucher. Fotos: Hammer

Bürgerfest in Ingolstadt und schönes Wetter – das ist so ein Thema: „Dass es beim Bürgerfest immer regnen muss“, sagt ein Mann, der schon vor 18 Uhr entnervt die alte Donaubrücke stadtauswärts geht.



„Jetzt sind wir 20 Minuten hier, wollten eigentlich was essen. Aber das wird wohl nichts.“ Das Paar verströmt keinen Optimismus. Ganz anders Uli aus Ingolstadt: „Der Freitag war doch total schön. Obwohl Deutschland bei der Fußball-EM ausgeschieden ist, war die Stimmung positiv.“ Sie sei ein Bürgerfest-Urgestein: „Ich bin immer da. Ein kleiner Regenschauer stört mich nicht. Da muss man doch nicht gleich jammern.“

Also, es geht doch – mit der richtigen Einstellung. Freitag? Eh klar. Alles gut – bis aufs Fußballspiel. Samstag? Alles gut bis zum frühen Abend. Da war das Bürgerfest das, was es sein soll: Unterhaltung für Groß und Klein, Abwechslung vom Alltag, Treffpunkt Gleichgesinnter, Top-Angebot für Musikfans, lukullische Lustreise. Kunsthandwerker waren auch dabei. Alles verteilt auf einen Großteil der Altstadt.

Hungern und dursten musste niemand

Voll war es nie, an einigen Hotspots wurde es eng – da war dann vorbeizwängen angesagt. Zum Beispiel bei den Frauen und Männern des Ingolstädter Line Dance Clubs. Gleich nebenan hingen Mädchen und Buben an Seilen – zur Sicherung, weil sie den Kletterturm bezwingen wollten. Nicht weit entfernt sagte ein Standbetreiber: „Da vorne sind schon viele Menschen, warum sind die nicht bei uns?“ So ist es aber: Das Angebot muss passen, dann bilden sich auch Menschenschlangen. Wie beim serbischen Kulturverein am Anfang des Paradeplatzes. Eine Rauchfahne kündete weithin sichtbar vom Grill, ein Trio legte pausenlos Cevapcici auf. Gegenüber gab es Langosch. Herzhaft und süß. Auch hier musste man eine Wartezeit in Kauf nehmen. Gut, dass überall Getränkewagen standen. Hungern und dursten musste niemand.

„Ich treffe mich hier mit lieben Menschen“

Als der erste Regen angesagt war (jedes Handy zeigt die Entwicklung der Wolken), störte das natürlich den Bürgerfestfrieden. Aber es gab so viele Möglichkeiten, den Wetterumschwung zu meistern. Die schlechteste Möglichkeit: heimfahren. Die beste: Pause mit Freunden – zum Beispiel in einer Bar. Wen man da alles trifft am Bürgerfest. Verena aus Dresden zum Beispiel: „Toll, mal wieder hier zu sein. Schade, dass das Wetter nicht passt. Aber viel wichtiger: Ich treffe mich hier mit lieben Menschen.“

Das Highlight – losgelöst von den traditionellen Bürgerfest-Werten: Die Meile der Nachhaltigkeit an der Schleifmühle. Tolle Infos. Viele verschiedene Stände, zum Beispiel SWI, VGI (wo es zwei neue Apps gibt) oder der Klimaladen des Ingolstädter Nachhaltigkeitsnetzwerks. Und es lockte eine Fahrrad-Waschanlage. Was da schmutzige Räder in der Warteschlange standen...

Dann die Gewitterwarnung: Die Surfer auf der Donau mussten aus Sicherheitsgründen zusammenpacken, Zelte und Stände wurden gesichert – am Nordufer der Donau beim Tagtraum oder die Zelte hinter dem Stadttheater, die mit dicken Spannbändern und zusätzlichen Eisenpfosten fixiert wurden. Weggeflogen ist keines der Zelte, auch wenn sie bei den heftigen Windstößen vorübergehend beunruhigende Formen annahmen. Später dann Regen statt Unwetter. Dreimal, jeweils mit Unterbrechungen, die einen Standortwechsel ermöglicht haben.

Von Backyard und Punk Rock bis zu Blechblasmusik

Bürgerfest ohne Musik? Geht gar nicht, da kommt ja kaum jemand in die Stadt. Viele Bühnen standen zwischen Kreuztor und Schloss, die Bandbreite der Musik war riesig. Bayerische Blechblasmusik und lateinamerikanischer Rock. Steirer Wahnsinn und 70er Disco Tribute Show. Titty Sisters und Flaming Fenix. DJ: Mont:ish und Nikolas Gagarin.

Wo keine Bässe wummerten und Gitarrenriffs die Besucher zum Bleiben animierten, wurde (vor-)getanzt. Mit der Ballettschule Dance IN, den Tanzstudios Flying Move und Oriental-Ayun oder den Hip-Hop-Heroes. Fasching im Sommer hat sicher was. Daher war es schade, dass die Narrwalla auf der nach ihr benannten Bühne am Schloss nicht auftrat. Die Wetterwarnungen waren Schuld.

Mit von der Partie waren auch die Partnerstädte (beim slowenischen Kultur- und Bildungsverein roch es wieder verführerisch gut), und der Kunsthandwerkermarkt oder so manch kleiner Stand in der Fußgängerzone oder in der Moritzstraße luden zum Stöbern ein.

Der Regen abends ab halb acht schickte die Hälfte des Publikums heim. Keiner kam zurück. Man sieht sich also im Sommer 2025 wieder.