Coronavirus macht Audis Zukunft ungewiss

19.03.2020 / 10:18
Der Automobilhersteller ist stabil durch ein anspruchsvolles Geschäftsjahr 2019 gesteuert
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Tags: Audi, sales, model range, single frame, symbol, brand, logo. (Autor: Audi)

(ty) Audi ist stabil durch ein anspruchsvolles Geschäftsjahr 2019 gesteuert. So hat der Hersteller das WLTP-Lager gezielt abgebaut und in einem wettbewerbsintensiven Umfeld Auslieferungen der Marke Audi leicht über Vorjahr erzielt. Die Umsatzerlöse in Höhe von 55,7 Milliarden Euro spiegeln die hohe Nachfrage nach SUV- und Oberklassemodellen wider. Das Operative Ergebnis und die Operative Umsatzrendite erreichen 4,5 Milliarden Euro bzw. 8,1 Prozent. Dabei spielte der Audi Transformationsplan im Einzeljahr 2019 rund 2,5 Milliarden Euro ein. Die deutlich gestärkte Ausgaben- und Investitionsdisziplin spiegelt auch die verbesserte Kapitalrendite (12,7 Prozent) wider. Im laufenden Jahr treibt Audi seine Elektrifizierungsoffensive mit zahlreichen elektrischen Modellen voran. Ebenso vertieft das Unternehmen die Synergien mit dem Volkswagen Konzern jetzt auch bei der Software-Entwicklung. 

Vor dem Hintergrund der Ausbreitung des Coronavirus und den unklaren Auswirkungen auf die Konjunktur blickt der Hersteller in ein Jahr 2020 mit großen Herausforderungen und legt seinen Fokus auf die Gesundheit der Beschäftigten weltweit sowie die Liquidität und Stabilität des Geschäfts.

Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus und zur Minimierung des Ansteckungsrisikos für Beschäftigte, Auftragnehmer und Gäste verzichtet der Audi-Konzern in diesem Jahr auf eine Präsenz-Jahrespressekonferenz. „Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, für die es keine bewährten Lösungen oder einfache Rezepte gibt. Wir konzentrieren uns darauf, unsere Beschäftigten, Auftragnehmer und Gäste zu schützen und in diesem volatilen Umfeld die richtigen wirtschaftlichen Entscheidungen zu treffen,“ sagt Audi-Chef Bram Schot. Der Hersteller fährt die Werke in Ingolstadt, Neckarsulm, Belgien, Mexiko und Ungarn bis Ende der Woche kontrolliert herunter.

Im Hinblick auf das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 sagt Audi-Vorstandsvorsitzender Bram Schot: „Wir können zufrieden sein: Audi steht im Wettbewerb gut da. In einem sehr herausfordernden Umfeld haben wir uns auf unsere Stärken konzentriert und unser Geschäft stabilisiert. Unsere Operative Umsatzrendite lag in jedem Quartal 2019 über 7 Prozent und im Gesamtjahr in unserem Prognosekorridor.“ 

Die Auslieferungen der Kernmarke Audi gewannen insbesondere im vierten Quartal deutlich an Fahrt: In einem rückläufigen Gesamtmarkt beendete Audi das Jahr mit einem Auslieferungsplus von 1,8 Prozent (1 845 573 (2018: 1 812 485) Fahrzeuge). Vor diesem Hintergrund lagen die Umsatzerlöse des Audi Konzerns bereinigt um die Effekte aus der Entkonsolidierung der Mehrmarken-Importeure im Jahr 2018 mit 55 680 (2018: 53.617) Millionen Euro über dem Vorjahresniveau. Die Kernmarke Audi steigerte ihre Umsatzerlöse dank starkem Produktmix auf 39 467 (2018: 37 259) Millionen Euro.Das Operative Ergebnis erreichte 4509 (2018: 3529) Millionen Euro, wobei der Vorjahreswert von Sondereinflüssen aus der Dieselthematik in Höhe von 1176 Millionen Euro belastet war. Die Operative Umsatzrendite lag bei 8,1 (2018: 6,6) Prozent.

Für ihren Einsatz im Jahr 2019 beteiligt Audi die Belegschaft am Ergebnis. Für eine Facharbeiterin bzw. einen Facharbeiter in den deutschen Werken beträgt die Audi Ergebnisbeteiligung  3880 (2018: 3630) Euro. In Audi-Tochtergesellschaften gibt es ebenfalls Regelungen zu Erfolgsbeteiligungen.

Mit einem Netto-Cashflow von 3160 (2018: 2080) M Millionen Euro, der sogar leicht über dem im Geschäftsbericht 2018 angegebenen Prognosekorridor liegt, bestätigt der Audi Konzern erneut seine hohe Selbstfinanzierungskraft.

Bei der Hauptversammlung 2019 hatte der Vorstand die neue strategische Ausrichtung von Audi umfassend dargelegt: Im Mittelpunkt der Strategie „konsequent Audi“ stehen der beschleunigte Elektrifizierungskurs und die konsequente Reduktion von CO2-Emissionen. So plant Audi bis 2025 rund 30 elektrische Modelle im Angebot zu haben. Der Anteil an produzierten New Energy Vehicles soll von heute 3,5 Prozent auf rund 40 Prozent im Jahr 2025 ansteigen. Allein für die Elektrifizierung des Portfolios plant Audi Vorleistungen von rund 12 Milliarden Euro bis 2024. Dabei macht der Audi Konzern keine Abstriche bei seinen Profitabilitätszielen: Audi bestätigt seinen Anspruch, mittelfristig eine Premiumrendite zwischen 9 und 11 Prozent und eine Kapitalrendite von mehr als 21 Prozent zu erreichen. Bei der Kapitalrendite hat Audi bereits nachgelegt: Die Kapitaleffizienz stieg im Geschäftsjahr 2019 auf 12,7 (2018: 10,4) Prozent.

Für effiziente und wettbewerbsfähige Kostenstrukturen bündelt der Volkswagen Konzern sukzessive alle Aktivitäten der Softwareentwicklung rund um das Fahrzeug in der neugeschaffenen Konzerneinheit Car.Software-Organisation. Damit wird das bewährte Baukasten- und Plattformsystem nun in die digitale Welt übertragen. Künftig profitiert Audi auch bei der Software von wettbewerbsentscheidenden Konzernsynergien und von optimierten Softwarekosten je Fahrzeug. Ebenso erwartet der Audi Konzern Skalenvorteile aus der geplanten Kooperation des Volkswagen Konzerns und der Ford Motor Company zum Autonomen Fahren.

Vor diesem Hintergrund und weiteren Effizienzsteigerungen spannt der Audi Konzern seine strategischen Zielkorridore für die Quoten der Forschungs- und Entwicklungskosten sowie Sachinvestitionen auf jeweils 5 bis 6 Prozent an (Vorher: 6,5 bis 7,0 Prozent bzw. 5,5 bis 6,0 Prozent).

„Wir sind der einzige Premiumhersteller im Wettbewerb, der durch die Zusammenarbeit im Konzern Synergien in diesem Ausmaß zum Vorteil seiner Kunden nutzen kann.“ sagt Arno Antlitz, seit 1. März Audi-Vorstand für Finanz, China und Recht. „Um unsere ambitionierten Ziele zu erreichen, müssen wir Effizienzpotenziale konsequent nutzen, die Kosten- und Investitionsdisziplin weiter steigern sowie durch fortgesetzte Investitionen in die Elektrifizierung und Digitalisierung unserer Fahrzeugflotte Raum für zukünftiges Wachstum schaffen.“ Mittel- und langfristig zahlt auch die Vereinbarung „Audi.Zukunft“ auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens ein: Neben einer Beschäftigungssicherung bis 2029 für die deutschen Standorte, soll die Vereinbarung über Laufzeit Einsparungen von rund 6 Milliarden Euro erzielen.

Im Jahr 2020 präsentiert Audi erneut rund 20 Modelle und setzt dabei auch seinen Elektrifizierungskurs konsequent fort: Bis Ende des Jahres führt die Kernmarke Audi fünf vollelektrische Modelle in die Märkte ein und erhöht ihr PHEV-Angebot auf insgesamt 12 Modelle. In mehr als der Hälfte der Baureihen wird dann eine PHEV-Variante verfügbar sein. Damit bereitet sich der Audi Konzern auf eine hohe Wettbewerbsintensität und immer striktere CO2-Regulierung vor.

Die weltwirtschaftliche Lage im Kontext der Ausbreitung des Coronavirus, die unter anderem auch unsere Lieferketten, die Produktion unserer Fahrzeuge sowie deren Vermarktung massiv beeinflusst, hat sich deutlich geändert. Arno Antlitz: „Die Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf die Konjunktur und unser Geschäft sind ungewiss. Dadurch ist eine verlässliche Prognose für das Jahr 2020 derzeit nahezu unmöglich. Unser Fokus liegt auf unseren Beschäftigten weltweit und deren Familien. Audi wird seinen Beitrag leisten, die Auswirkungen für die Menschen in unserem Land und an unseren Audi-Standorten weltweit so gering wie möglich zu halten. Hierfür werden wir auch weiterhin alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen. Darüber hinaus ist es unsere Aufgabe, die Liquidität und somit Stabilität unseres Unternehmens zu sichern und trotz aller Einschränkungen unsere Kernprozesse, zum Beispiel in der technischen Entwicklung oder anderen Bereichen des Unternehmens zu stabilisieren.“

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