Blinde Zerstörungswut

22.02.2021 / 14:52
Erneut Vandalismus auf dem städtischen Sportgelände in Schrobenhausen: Unbekannte zerstören mehr als zwei Dutzend Sitze

Wie ein Gebiss mit Zahnlücken wirkt die FCS-Tribüne nach dem Vandalismus. (Autor: Jürgen Spindler)

(ty) Blinde Zerstörungswut hat sich erneut an der Tribüne des städtischen Sportgeländes in Schrobenhausen entladen. Mehr als zwei Dutzend Sitze auf der Tribüne wurden von unbekannten Tätern zerstört. Die Sitze gehören dem FC Schrobenhausen. Die Lücken werden zunächst nicht wieder aufgefüllt.

Peter Fischer traut seinen Augen kaum. Er wurde nach eigenen Worten von Bekannten darauf angesprochen, warum so viele der weißen Kunststoffsitzschalen auf der Tribüne fehlen. Kurzentschlossen hat der amtierende Präsident des FC Schrobenhausen (FCS) selber an der Georg-Leinfelder-Straße vorbeigeschaut: An die 30 Sitzschalen fehlen. Die Reihen sehen aus wie ein Gebiss mit zahlreichen Zahnlücken. Doch zum Lachen ist Fischer überhaupt nicht zumute. "Das ist echt traurig", sagt Fischer und kann dazu nur noch den Kopf schütteln.
Die Sitze unter dem Tribünendach des städtischen Sportgeländes hat vor ungezählten Jahren der inzwischen verstorbene FCS-Präsident Winfried Buchhart dank seiner zahlreichen Kontakte als Bundesligaschiedsrichter bei einem höherklassigen Verein erstanden. Inzwischen ist der Sitzbestand deutlich dezimiert, wie der stellvertretende Leiter des Stadtbauamtes, Heiko Wenger, auf Anfrage, sagt. Wenger ist bei der Stadt zuständig für die kommunalen Bauten - darunter auch das Sportgelände nebst der Tribüne.

Wenger schätzt, dass im Materiallager wohl noch gerade mal eine Handvoll Sitze aus Buchharts Ankauf vorhanden sein dürften. Die reichten nicht aus, um die derzeitigen Lücken auf der Tribüne komplett zu schließen. Darum denkt Wenger darüber nach, die Hausmeister der Stadt anzuweisen, die noch einwandfreien Sitze von außen nach innen auf den Rängen zu verlegen. So könnte zumindest die Zahnlückenoptik auf der Tribüne minimiert werden.

Die durch Vandalismus zerstörten Sitze habe die Stadt demontieren lassen müssen, sagt Wenger. Zu groß sei eine mögliche Verletzungsgefahr durch die Überreste der Sitze gewesen. Neue Sitze werde die Stadt allerdings nicht anschaffen, sagt Wenger auch klar und deutlich. Die Sitze seien Eigentum des FCS.

Es ist nicht das erste Mal, dass Vandalismus auf dem städtischen Sportgelände für Unmut sorgt. Vor vier Jahren, erinnert sich Wenger, sei es besonders schlimm und auch gefährlich gewesen. Unbekannte hatten damals Glasflaschen auf dem Sportgelände zerbrochen und die scharfen Scherben unter anderem einfach achtlos in den Sand der Weitsprunggruben oder auf den Rasen geworfen (wir berichteten). Nur durch die aufmerksamen städtischen Hausmeister habe es keine Unfälle durch die Scherben gegeben.

Doch auch Graffiti seien immer wieder an die Wände der Tribüne gesprayt worden. Einmal, so Hauptamtsleiter Christoph Gläßel, seien die Täter auch durch die Polizei dingfest gemacht worden. Ein Gericht verteilte sie demnach zu Sozialstunden, die sie auch auf dem städtischen Bauhof verbrachten. Dort bekamen sie fachkundige Anleitung für die Beseitigung der Graffiti an der Tribüne, die auch gleich selber in die Tat umsetzen durften, erinnert sich Gläßel noch gut an den Fall.

"Grundsätzlich bringen wir Vandalismus zur Anzeige", sagt der städtische Hauptamtsleiter unmissverständlich. Natürlich weiß er genauso gut wie Wenger, dass die Täter meist schwer zu stellen seien. Und bei der Stadt habe man auch schon überlegt, ob möglicherweise eine Videoüberwachung des städtischen Sportgeländes eine Maßnahme zur Abschreckung darstellen könnte. Doch, so Gläßel, die rechtlichen Hürden - auch zuletzt durch die EU-weite Einführung der Datenschutzgrundverordnung - seien so hoch, dass der entstehende Aufwand den möglichen Erfolg nicht rechtfertige. Auch an regelmäßiges Abschließen sei bereits gedacht worden, sagt Gläßel im Gespräch. Doch das widerspreche einem Stadtratsbeschluss, der für das Offenhalten des Sportgeländes - außer in Corona-Zeiten - stehe.

Wenger dagegen setzt mehr auf Präsenz bei der Abschreckung möglicher Übeltäter. Inzwischen sei der Hausmeisterpool der Stadt wieder personell aufgestockt worden. Daher warnt Wenger Unvorsichtige: "Es ist wieder jeden Tag der Fall, dass jemand da ist." Darauf setzt auch die Polizei, wie deren Vizechef Hans-Jürgen Bartl sagt. Jede Vandalismusanzeige werde verfolgt. Wann immer solche Fälle aufträten, werde die Streifentätigkeit in den entsprechenden Bereichen verstärkt. Und wie Gläßel weist auch Bartl darauf hin, dass den Ordnungshütern durchaus einige Erfolge gelungen seien.

"Der Sportplatz ist ein Brennpunkt", sagt Wenger und die anderen sehen es durchaus genauso. Obwohl Bartl wie auch Gläßel und Wenger zugeben müssen, dass in den vergangenen Monaten der Vandalismus generell nachgelassen hat. Sie alle vermuten, dass es auch mit den nächtlichen Ausgangssperren und den anderen Beschränkungen der Corona-Pandemie zusammenhängen könnte.

Das alles tröstet den FCS und seinen kommissarischen Präsidenten Peter Fischer natürlich wenig. "So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie", sagt Fischer, wenn er auf die gelichteten Sitzreihen schaut. Für den Verein entwickele sich der Vandalismus inzwischen zum "Fass ohne Boden", wie Fischer es formuliert. Schließlich müsse der FCS für Ersatz sorgen. Und das könne sich ein kleiner Verein nicht einfach mal so leisten. Doch der ehemalige Fußballfunktionär von Erzgebirge Aue hat vielleicht schon eine Lösung im Auge. Durch seine alten Kontakte hofft er darauf, etwas vom Stadionumbau des Bundesligisten RB Leipzig profitieren zu können. Möglicherweise gelinge ihm dort ein ähnlicher Coup wie einst Buchhart: Leipziger Stadionsitze für die Schrobenhausener FC-Tribüne? Wenn Fischer an den möglichen nächsten Vandalismus denkt, sinkt die Motivation dazu wieder ein wenig. Doch der kariöse Look der Tribüne schmerzt den Fußballbegeisterten wohl doch viel mehr.

Jürgen Spindler

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