Stadt sucht nicht nur händeringend Erzieherinnen, sondern auch Ingenieure oder Ärzte

Arbeitsmarktzulage gängige Praxis

08.06.2022 | Stand 08.06.2022, 8:16 Uhr
Geld −Foto: Monika Skolimowska/dpa

Die Arbeitsmarktzulage für Kita-Personal in Ingolstadt schlägt hohe Wellen. Insbesondere aus Gemeinden der umliegenden Landkreise kommt Kritik am aktuellen Beschluss des Stadtrats, Erzieherinnen sowie pädagogischen Ergänzungskräften ab September zehn Prozent mehr Gehalt zu zahlen. Was kaum bekannt ist: In anderen Berufsgruppen sind solche Arbeitsmarktzulagen längst gang und gäbe. „Ich würde die Arbeitsmarktzulage nicht als Allheilmittel sehen“, sagt Personalreferent Bernd Kuch. „Aber ohne sie wäre es noch schwieriger.“

Die Stadt Ingolstadt zahlt in einigen Berufen Arbeitsmarktzulagen. So sucht das Gesundheitsamt eine Ärztin oder einen Arzt und lockt mit übertariflicher Bezahlung. Auch das Stadtplanungsamt braucht Verstärkung: Laut Anzeige werden ein Architekt oder Stadtplaner sowie ein technischer Sachbearbeiter gesucht (jeweils männlich, weiblich oder divers), und es gibt eine Arbeitsmarktzulage. Ebenso für die Ingenieursstelle, die das Amt für Gebäudemanagement besetzen will.

Diese Arbeitsmarktzulagen für Ingenieurs- und Ärztestellen im Tarifbereich sowie der Zuschlag zur Sicherung der Funktions- und Wettbewerbsfähigkeit für Beamte der Fachlaufbahn Naturwissenschaft und Technik sowie der Fachlaufbahn Gesundheit wurden bereits 2018/19 auf den Weg gebracht und nochmals bis Ende 2024 verlängert.

Denn die Stadt Ingolstadt gilt zwar als attraktiver Arbeitgeber, der unter anderem familienfreundliche Arbeitszeiten bietet. Doch aufgrund des Wachstums, der regen Bautätigkeit und angesichts faktisch herrschender Vollbeschäftigung bestehen weiterhin Schwierigkeiten, insbesondere im Ingenieurbereich sowie für den ärztlichen Dienst qualifiziertes Personal zu finden. Der Bewerbermarkt in der Region und auch in Bayern sei in diesen Bereichen umkämpft, heißt es. Obwohl mit sehr hohem Zeit- und Kostenaufwand eine Vielzahl von Stellenanzeigen geschaltet worden seien, gingen oftmals nur wenige geeignete Bewerbungen ein, meldet das Rathaus.

Daher wurde die Weiterzahlung der Arbeitsmarktzulage Ende 2021 verlängert. Aktuell erhalten im Ingenieurbereich 83 Tarifbeschäftigte und 4 Beamte einen Aufschlag von 5 Prozent, was die Stadt jährlich rund 245 000 Euro kostet. Im Gesundheitsamt bekommen drei Tarifbeschäftigte eine Arbeitsmarktzulage von 7,5 Prozent, was pro Jahr 18 500 Euro ausmacht. „Arztstellen schreiben wir dauernd aus und haben auch schon kleinere Erfolge erzielt“, so Personalreferent Bernd Kuch.

Auch für Kita-Personal ist der Bewerbermarkt in der Region und auch in Bayern stark umkämpft: Erstmalig konnten in Ingolstadt neu geschaffene Kita-Plätze aufgrund von Personalmangel nicht in Betrieb gehen. Durch Einführung der Arbeitsmarktzulage im Kita-Bereich fallen laut Berechnungen der Stadt Gesamtkosten von jährlich rund 4,3 Millionen Euro an: für das städtische Personal – bezugsberechtigt sind Fach- und Ergänzungskräfte auf rund 300 Vollzeitstellen – rund 1,5 Millionen, für die freien Träger etwa 2,8 Millionen Euro. Mit dem Start ab September fallen heuer insgesamt 1,4 Millionen Euro an.

Aktuell sind bei der Stadt Ingolstadt im Kita-Bereich laut Kuch rund 60 Stellen offen. Die Projektgruppe, die 2021 ins Leben gerufen wurde, um Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung zu begleiten, beschäftigt sich derzeit mit einer Werbekampagne und eruiert Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung von Quereinsteigern. (smr)