Der Tag nach der Katastrophe

27.11.2013 / 12:41
Nach dem Einbruch in der Nacht auf Dienstag sitzen Marianne Wille und Hansi Maunitsch vom „Zenit“ jetzt auf einem Schaden von rund 400 000 Euro – Und hoffen auf die Solidarität ihrer Kunden  Von Michael Schmatloch  Der Schock sitzt ihnen zwar immer noch in den Gliedern. Aber nach dem dreisten Einbruch, bei dem unbekannte Täter in der Nacht zum Dienstag nahezu den kompletten Laden leer geräumt

Nach dem Einbruch in der Nacht auf Dienstag sitzen Marianne Wille und Hansi Maunitsch vom „Zenit“ jetzt auf einem Schaden von rund 400 000 Euro – Und hoffen auf die Solidarität ihrer Kunden 

Von Michael Schmatloch 

Der Schock sitzt ihnen zwar immer noch in den Gliedern. Aber nach dem dreisten Einbruch, bei dem unbekannte Täter in der Nacht zum Dienstag nahezu den kompletten Laden leer geräumt haben, blicken Marianne Wille und Hansi Maunitsch vom „Zenit“ in der Mauthstraße bereits wieder nach vorne. Auch wenn es noch schwer fällt. „Du kannst den Kopf in den Sand stecken, dich vergraben und sagen ich kann nicht mehr, oder du nimmt die Fahne in die Hand und streckst den Kopf nach oben.“

Die ersten Regale sind bereits wieder mit frischer Ware bestückt. Und bis Freitag soll das Sortiment wieder vollständig sein. Und auch wenn Marianne Wille noch feuchte Augen hat, wenn sie von dem Einbruch erzählt, hofft sie wie ihr Geschäftspartner nicht zuletzt auf die Solidarität der Kundschaft.

Es ist nicht leicht für die beiden. „Viele trauen sich nicht rein zu uns aus Pietät“, meint Hansi Maunitsch. Aber das sei keine Beerdigung. Resigniert haben sie ob des Vorfalls jedenfalls nicht. Obwohl der Schaden, den die Diebe angerichtet haben, bei rund 400 000 Euro liegt. Versichert? „Ich kalkuliere mit gar keiner Versicherung“, so Maunitsch.

Da war die Welt noch in Ordnung: Marianne Wille und Hansi Maurisch vor ihrem Geschäft, das sie von rund zweieinhalb Jahren eröffnet haben.

 

Über ein Fenster in der Hieronymusgasse waren die Täter in der Nacht zum Montag in das Geschäft eingestiegen. Vermutlich nach ein Uhr, denn ein Bewohner des Hauses, Uli A., war bis zu dieser Uhrzeit wach und hätte das dann sicher mitbekommen. Dann haben sie in aller Ruhe den Laden und das Lager ausgeräumt. „Die haben alles mitgenommen, bis auf ein paar Handschuhe, Duschgels oder Taschen“, sagt Marianne Wille, „die ganz teuren Nerz- oder Waschbärmäntel waren hinten im Lager angekettet. Die haben einfach die Ketten durchgezwickt.“

Ein Hinweis darauf, dass es sich um absolute und gut ausgerüstete Profis gehandelt haben muss. Hansi Maunitsch vermutet, dass einer der Bande das Geschäft vorher ausgekundschaftet hat. „So etwas geht sozusagen auf Bestellung. Und da hat unser Geschäft eben ins Raster passt. Das war ganz eindeutig ein gezielter Auftrag.“

Dass es sich um abgebrühte Profis gehandelt haben muss, das belegt wohl auch eine andere Tatsache. Die Diebe haben das Geschäft bis hin zu den Spiegel und dem Tresen fein säuberlich geputzt. Um sicher sein zu können, keine Spuren zu hinterlassen. Und die teuren Schuhe haben sie wie ein paar Wochen vorher in einem Schuhgeschäft in der Ludwigstraße aus den Kartons genommen und die Verpackung im Geschäft gelassen. Eine übliche Vorgehensweise in solchen Fällen. „Die müssen über Stunden im Laden gewesen sein“, vermutet Marianne Wille.

Teuerste Designer-Schuhe im Wert von 160 000 Euro waren erst Ende Oktober aus dem Geschäft von Rosina Netter in der Ludwigstraße verschwunden. Prada, Tod’s oder Bruno Magli. Auch sie erzählte von verdächtigen Einkäufern, die sich Tage zuvor auffällig intensiv beraten ließen und sich genau umgesehen hatten. Und wenige Nächte später waren dann Laden und Lager leer. Nur die Schuhkartons hatten die Einbrecher zurückgelassen. Und auch in ihrem Laden haben die Täter mittels eines Feuerlöschers alle Spuren zerstört.

So sah das Lager von Rosine Netter im Oktober nach dem Einbruch aus.

 

Mehrere hundert Paar Schuhe waren bei ihr gestohlen worden. Denn sie war wegen eines bevorstehenden Jubiläumsverkaufes zu der Zeit besonders gut bestückt. „Selbst billigere Modelle haben die Einbrecher mitgenommen“, sagte sie damals und war mit den Nerven ebenso am Ende wie heute Marianne Wille und Hansi Maunitsch.

„Wir haben gestern acht Stunden mit unseren Lieferanten telefoniert“, erzählt und Maunitsch. Alle hätten sich sehr loyal gezeigt, die sofortige Nachlieferung zugesagt und so gar die Zahlungsziele verlängert. „Bis Freitag ist unser Laden wieder komplett bestückt“, so Marianne Wille, dann könnten sie wieder Vollgas geben. Was natürlich auch wichtig ist. Schließlich steht das Weihnachtsgeschäft vor der Tür. Und gute Umsätze, das können Marianne Wille und Hansi Maunitsch jetzt wirklich gebrauchen. Und sie sagen es ganz offen: „Wir sind froh um jeden, der jetzt zu uns ins Geschäft kommt.“

 

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